Nettetal: Niedieck ist bald nur noch Geschichte

Nettetal: Niedieck ist bald nur noch Geschichte

Die Abbrucharbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Textilunternehmens gehen zügig voran. Erste Kaufverträge sind bereits unterschriftsreif. Die Firma Laarakkers rechnet damit, dass noch in diesem Jahr Wohnungen gebaut werden.

Unerbittlich frisst sich der 50-Tonnen-Bagger in die Industriehalle vor. Der Kraft seines gewaltigen Reißzahns haben Mauerwerk und Stahlträger der Trapezkonstruktion nichts entgegenzusetzen. Nach einem kurzen Ruck rauscht der wie ein Fachwerk zusammengesetzte Träger nach unten, das zerberstende Mauerwerk sackt mit einem ächzenden Ton zusammen. Hinter dem Bagger knirscht es. Ein Teil der Rückwand klappt mit lautem Krach zusammen.

Bis Ende März soll alles weg sein

Seit zwei Wochen setzen die Spezialisten des Abbruchunternehmens Laarakkers aus Rheinberg dem alten Niedieckwerk in Lobberich zu. Vom Parkplatz des Discounters Lidl an der Niedieckstraße lassen sich die Abbrucharbeiten gut verfolgen. Bis Ende März sollen alle Gebäude abgeräumt, der Schutt und verwertbare Materialien abgeräumt und die Fläche hergerichtet sein. "Geht alles nach Plan, werden bereits Ende des Jahres die ersten Häuser hier errichtet", sagt Projektleiter Merlijn Güppertz.

Zwei schwere Bagger und etwa zehn Mitarbeiter des Unternehmens haben mit dem planmäßigen Abriss begonnen. Schon in der kommenden Woche wird vom Lidl-Parkplatz aus der Blick in den Niedieck-Park frei sein, meint Marcel Laarakkers, der die Arbeiten ebenfalls beobachtet. Für die ganz schweren Aufgaben wird ein 90-Tonnen-Bagger anrücken, allerdings nachts, weil das Monstrum sonst den Verkehr lahmlegen würde.

Stahlträger werden eingeschmolzen und wiederverwertet

Unangenehme Überraschungen sind bisher ausgeblieben. Laarakkers hat das Werksgelände des einst stolzen Textilbetriebs eingehend erkundet. Altlasten halten sich in Grenzen. Asbest und Mineralfasern werden gesondert abgebaut und unter Aufsicht entsorgt. Fachleute der Bezirksregierung überwachen ständig sowohl Umwelt- als auch Arbeitsschutz. Materialien wie Kalksandstein und unbewehrter Beton werden auf dem Gelände recycelt und wieder eingebaut.

Alte Mauersteine dagegen nimmt das Unternehmen behutsam heraus. "Die Steine werden einzeln gereinigt und aufbereitet. Sie werden zur Reparatur und Ergänzung von alten Gebäuden wieder verwandt", erklärt Marcel Laarakkers. Die gewaltigen Stahlträger gehen nach Rotterdam, wo sie eingeschmolzen und wiederverwertet werden. "Sie sind so groß, dass die Lkw nur vier aufnehmen können", berichtet Merlijn Güppertz.

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Allein 80 Tonnen Dachpappe fallen an

Rund 1000 Tonnen Stahl stecken in den Gebäuden. Es fallen außerdem nach Schätzungen des Unternehmens 18.000 Tonnen Bauschutt, 180 Tonnen Asbest und 10 Tonnen künstliche Mineralfasern (KMF) sowie etwa 80 Tonnen Dachpappe an. Die Dachpappe wird ebenfalls wiederverwertet, während die krebserregenden KMF ebenso wie Asbest entsorgt werden müssen. Das meiste Material geht an die Rohstoff-Handelsgesellschaft nach Mülheim/Ruhr (RHM).

Merlijn Gübbertz begegnet häufig ehemaligen Mitarbeitern der Niedieck AG. "Sie erzählen uns dann, wo genau sie gearbeitet haben und was sie gemacht haben. Viele sehen mit großer Wehmut dem Abriss zu. Ihnen geht das doch sehr nahe", hat er beobachtet. Marcel Laarakkers ist beeindruckt von der Ausstattung des Werks. "Es gibt eine gute Grundsubstanz. Selbst die Toiletten und Nassräume sind massiv gebaut und gefliest worden. Das findet man sonst selten."

Uhr und Sirene werden aufbewahrt

Die geflieste Fassade an der Niedieckstraße wird in einigen Wochen Vergangenheit sein. Laarakkers räumt alles restlos ab. Die Uhr am Hauptgebäude und die Sirene auf dem Dach wollen die Lobbericher vorher abmontieren. "Sonst gibt es kaum noch etwas. Wir hatten überlegt, ob wir aus dokumentarischen Gründen etwas sichern könnten", bedauert Markus Grühn, Leiter des Fachbereichs Planung in der Stadt.

Das letzte weithin sichtbare Zeugnis des Textilbetriebs, der Schornstein mit der Aufschrift "Niedieck", wird bald auch verschwunden sein. "Wir werden ihn umziehen und nicht sprengen", erklärt Marcel Laarakkers.

(RP)