Nettetal: Nice Valley haben Schluss gemacht

Nettetal: Nice Valley haben Schluss gemacht

Nach fast fünf Jahrzehnten hat sich die Kaldenkirchener Rock- und Bluesband aufgelöst. Was bleibt, sind Erinnerungen an spielfreudige wilde Burschen mit langen Mähnen, die Nettetaler Musikgeschichte geschrieben haben

Nebel auf der Bühne, Schlussakkord: "Wenn dann aus dem Publikum Zugabe-Rufe kamen, das war schon schön, das wirkt nach", sagt Hans-Josef Peters, Gründungsmitglied der Band Nice Valley. Der "Mini" genannte Gitarrist lächelt und sagt dann leise: "Aber das ist ja jetzt vorbei." Denn Nice Valley gibt es nicht mehr. Die Rock- und Bluesband hat sich nach fast fünf Jahrzehnten aufgelöst. Was bleibt, sind Erinnerungen an ein Stück Nettetaler Musikgeschichte mit vielen Höhepunkten.

Kult waren die Konzerte, die die Band gab - etwa in der Szenekneipe "Tach!" oder, wie hier, in der Gaststätte "Zur Mühle" in Kaldenkirchen. Foto: Nice Valley

"Langmähnige wilde Burschen, ohrenbetäubender Lärm": So urteilte ein Kritiker der Rheinischen Post Ende der 1960er-Jahre über den Auftritt einer Kaldenkirchener Band im Viersener Marienheim, deren Songs er als "Urwaldmusik" abtat. Was die jugendlichen Rockmusiker nicht davon abhielt, weiter ihre Instrumente, Mikros und Verstärker zu malträtieren. "Wir hatten damals schon Fans, die zu jedem unserer Auftritte kamen, denn live gespielte Rockmusik gab's ja sonst kaum zu erleben", erinnert sich Peter Schwan, von Anfang an Sänger der Band, die ab 1970 unter dem Namen Nice Valley firmierte. Von der Urbesetzung blieben bis zuletzt Peters und Schwan dabei.

Lange Mähnen hat heute keiner der Musiker mehr. Was aber blieb, war die Spielfreude, in späteren Zeitungsberichten hochgelobt. Rock und Blues, anfangs noch mit einigen eigenen Stücken, später mit Songs von Größen wie Rolling Stones oder Rory Gallagher. 1980 erschien die erste Single "It's allright/Rock me". 2002 stieß Sängerin Rozlyne Brunnhoff zur Band, gab mit ihrer ausdrucksstarken Stimme neue Impulse. "Mit zwei Sängern konnten wir das Repertoire erweitern, manche Stücke neu interpretieren", resümiert Schwan.

Es folgten viele Konzerte in der Region. Nice Valley waren gerne gesehener Gast beim Festival SpringJam, eröffneten in den vergangenen Jahren unter dem Motto "Rock meets Christmas" das Kaldenkirchener Lichterfest. Einen Höhepunkt und weiteren Karriereschub gab es im Jahr 2010, als die Band zu ihrem eigenen und zum 40-jährigen Bestehen der Stadt ihr Nettetal-Lied "Wir sind aus Nettetal" auf Single veröffentlichte, dann beim nächsten Neujahrsempfang des Bürgermeisters aufspielte.

Kult waren vor allem legendäre Konzerte, etwa in der Kaldenkirchener Szene- und Musikkneipe "Tach!". Wenn Brunnhoff herzzerreißend und mit Inbrunst Gershwins "Summertime" sang, ließen die Fans im übervollen "Tach!" Feuerzeuge kreisen. Röhrte Schwan "I Put a Spell on You", tanzten immer mehr im Rhythmus, ließ Peters minutenlang seine sechs Saiten beim Solo zu "While my Guitar gently weeps" aufheulen, brandete Zwischenapplaus auf.

Einschnitt und Rückschlag folgten im Jahr 2014, als Gründungsmitglied und Bassist Thomas Leven starb. Verunsicherung bei den Bandmitgliedern, die längst Freunde geworden waren. Dann ein Neustart "sicher im Sinne von Thomas", sagte Schwan damals. Bassist Hermann Esser schlug voll ein bei den nächsten Konzerten, so vor mehr als 300 Zuschauern in der Gaststätte "Zur Mühle". "Aber in den letzten Jahren gab es immer weniger Auftrittsmöglichkeiten", sagt Peters.

So eine Bluesband spielt halt lieber in einer vollen Szenenkneipe mit Clubatmosphäre als in riesigen Sälen, aber Musikkneipen sind rar geworden. Weshalb die meisten Bandmitglieder auch in anderen Formationen mitspielen, um nicht, so Peters, "immer nur zu proben". Dazu kamen einige gesundheitliche Probleme - und schließlich laut Schwan die Entscheidung: "Es war eine schöne Zeit, aber jetzt machen wir Schluss."

(jobu)