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Nettetal: Nia Künzer über die Chancen bei der WMEin riesengroßer Spaß für die VereinssportlerNicht jährlich zu stemmen

Nettetal : Nia Künzer über die Chancen bei der WMEin riesengroßer Spaß für die VereinssportlerNicht jährlich zu stemmen

Da mussten die Fußballfans aber mächtig schlucken. "Ich glaube, dass ein Weltmeisterschaftsendspiel mit deutscher Beteiligung bei den Frauen 2011 eher drin ist als jetzt bei den Männern." Das saß. Betretenes Schweigen. Ex-Nationalspielerin Nia Künzer redete bei den Nettespielen nicht lange um den heißen Brei herum: "Der Mertesacker ist zuverlässig. Der Schweinsteiger macht das gut. Aber das Halbfinale wäre schon fast eine Sensation. Allerdings war ich Donnerstag beim Länderspiel im Stadion. Das, was ich da gesehen habe, stimmt mich schon optimistischer als vorher."

Golden Goal

Nia Künzer weiß, wie es sich anfühlt, Fußball-Weltmeister zu werden. Schließlich war es ihr Golden Goal, das Deutschland 2003 den Weltmeistertitel bescherte – ihr eigenes Leben veränderte und dem Frauenfußball in Deutschland einen ungeheuren Schub gab. "Nach diesem besonderen Tor hat sich wahnsinnig viel getan. Mittlerweile wird jedes Frauenländerspiel live übertragen. Zuletzt hatten wir ein Pokalendspiel vor 26 000 Zuschauern in Köln", erzählte sie.

Die 30-Jährige, in Botsuana geboren, beendete vor zwei Jahren ihre aktive Karriere. Heute arbeitet sie in der Sportabteilung des hessischen Innenministeriums, ist ARD-Frauenfußballexpertin, arbeitet für das Morgenmagazin bei der Männer-WM und setzt sich als Botschafterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) für die Kampagne "Kinder starkmachen" ein.

"Wir arbeiten in der Sucht- und Drogenprävention und wollen aus Kindern starke Jugendliche machen. Sport ist eine Alternative. Beim Sport kann man das Leben mit anderen teilen, Erfolgserlebnisse feiern und mit Niederlagen umgehen lernen", sagte sie. Viel hänge von Vorbildern ab. "Ich versuche eines zu sein. Wir müssen verantwortungsbewusst mit Kindern umgehen. Bei Kinder- und Jugendturnieren sollte Alkohol tabu sein. Es darf auch nicht sein, dass ein Übungsleiter am Spielfeldrand raucht", erklärte die Fußballexpertin.

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"Kinder starkmachen" wurde vom Deutschen Fußballbund in die Kampagne der Frauenfußball-WM 2011 aufgenommen. Ballgefühl war auch bei den Nettspielen gefragt. An sechs Stationen übten sich die kleinen Nachwuchskicker wie Maximilian und Sebastian immer wieder beim Zielschießen oder als Balljongleur. "Meine Lieblingsstation ist das kleine Tor, wo man über die Bande ins Netz treffen muss. Das habe ich schon dreimal geschafft", freute sich Maximilian.

Nettetal (wiwo) Langsam wurden die Waden dick. Der Schweiß rann in Bächen von der Stirn. Viele hatten sich längst ihres T-Shirts entledigt. Für die Vereinssportler avancierten die Nette-Spiele am Samstag, dem dritten Tag, zu einer echten Herausforderung.

"Das ist wie auf dem Rummelplatz. Wir dürfen alle noch mal Zwölf sein – ein riesengroßer Spaß, besonders auf diesen Luftkissenelementen", strahlte Jürgen Stickelbrock nach Luft ringend. Der 48-Jährige von den Nettetaler Highlandern und seine Mitstreiter kannten beim Bungeerun im Kampf gegen das Seil und die Bahn kein Erbarmen. "Spazieren kannst du beim Seniorentag", stachelten sie sich gegenseitig an. Während die kräftigen Jungs einen Punkt nach dem anderen sammelten, mussten die Leichtgewichte vom WSV de Wittsee auf der benachbarten Bahn vom Seil gezogen immer mal wieder einen Rückwärtssalto in Kauf nehmen.

Anstrengend, aber schön

Unterdessen fanden die Nachwuchshandballer des TV Lobberich richtig Gefallen am Gladiatorenkissen. "Das ist zwar ziemlich anstrengend, aber der Zweikampf macht Spaß", sagte Lukas Peters. Mit vollem Körpereinsatz hauten sich die Sportler mit den gepolsterten Schlägern vom Podest, um dann unter großem Jubel krachend ins Luftkissen zu fallen. Dagegen schien der Kampf von Bürgermeister Christian Wagner und seinem polnischen Kontrahenten aus der Partnerstadt Elk fast wie ein Nichtangriffspakt. Allen Anfeuerungen zum Trotz schafften sie es nicht, sich in das Kissen zu schicken. "Das macht Laune", freute sich Wagner, der mit den Gästen aus Elk und Rochlitz unterwegs war.

Geschick, Kraft, Ausdauer und vor allem Mut waren bei den Spielen gefragt. Besonders an der Stuntmanbahn. Mit ihren 2,50 Metern Höhe und 32 Metern Länge flößte sie den Sportler durchaus Respekt ein. "Das ist ganz schön heavy", stöhnten die Volleyballer des VfL Hinsbeck, während sie die Bahn inspizierten. 2,50 Metern mussten sie hochklettern, um dann über einen Abgrund auf das nächste Kissen in 2,50 Meter Höhe zu springen. "Manchmal ist das ganz schön schmerzhaft", meinte Tobias Dahlke, zumal sich die Luftkissen in der prallen Sonne mächtig aufheizten. Trotzdem packte gerade die Jüngeren der Ehrgeiz, alle Aufgaben möglichst schnell und oft zu meistern. Die Älteren mussten sich solchen schwierigen Aufgaben nicht stellen. Für sie gab es alternativ leichtere Spiele nach dem Motto "Dabei sein ist alles".

Nettetal Jürgen Hendricks, der Geschäftsführer des Stadtsportverbandes Nettetal, ist der Motor der Nette Spiele 2010. Mit ihm sprach gestern Wiltrud Wolters.

Die Nettespiele 2010 sind zu Ende. Was überwiegt bei Ihnen? Die Trauer oder die Erleichterung?

Hendricks Im Vorfeld habe ich gesagt, dass mir was fehlen wird. Aber nun ist es die Erleichterung, dass alles weitestgehend geklappt hat. Jetzt ist erst einmal Urlaub angesagt.

Wie sieht Ihr Fazit aus?

Hendricks Es hat mich bewegt, so viele Kinder in Bewegung zu sehen. Der Einmarsch der Kindergartenkinder zum Auftakt und die Hymne der Nettespiele, gesungen von 1800 Grundschülern, das waren wunderschöne Gefühle. Das treibt einem die Tränen in die Augen. Da weiß man, wofür man zwei Jahre gearbeitet hat.

Wann war für Sie der Moment, in dem Sie sicher waren, dass alles funktioniert, was Sie sich mit Ihrem Team vorgenommen haben?

Hendricks In der Nacht vorher habe ich nicht gut geschlafen. Ich musste die Ablauforganisation noch einmal durchgehen. Als das stand, war alles in Ordnung. Der Brocken ist aber erst gefallen, als alle Grundschulen am Freitag da waren und ich wusste, dass die Organisation mit der Polizei und dem Busunternehmen klappte.

Wie viele Stunden Arbeit stecken hinter den Nettespielen 2010?

Hendricks In den drei Monaten vorher war ich nie vor ein oder zwei Uhr nachts im Bett. Das waren bestimmt über 600 Stunden. Hinzu kommen die unzähligen Stunden meiner Vorstandskollegen, der Organisatoren in den Arbeitskreisen und der über 100 Helfer. Das Werner-Jaeger-Gymnasium hat uns beispielsweise mit 72 Schiedsrichtern unterstützt. Die Realschule Kaldenkirchen ist sogar noch kurzfristig für diese Aufgabe eingesprungen. Mein Dank gilt allen, die dazu beigetragen haben, dass Nettespiele ein Erfolg werden konnten.

Würden Sie in der Nachbetrachtung etwas anders machen?

Hendricks Vielleicht bei den weiterführenden Schulen. Da muss man in einer gemeinsamen Überlegung mit den Schulen möglicherweise andere Spiele finden.

Wird es irgendwann eine Neuauflage der Nette Spiele geben?

Hendricks Frühestens in zehn Jahren zum 50-jährigen Bestehen des SSV. Sicherlich ist es vorteilhaft, die Pläne in der Schublade zu haben. Aber man muss den gesamten Aufwand bewältigen, deshalb lässt sich so etwas nicht jedes Jahr stemmen.

(RP)