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Nettetal: Neue Qualität im Rettungswesen

Nettetal : Neue Qualität im Rettungswesen

Die Gebühren der Rettungswache in Nettetal sinken. Die Kosten tragen die Krankenkassen. Das Krankenhaus Nettetal arbeitet an einer Optimierung der Versorgungskette. Rettungskräfte werden künftig anders ausgebildet.

Wenn Rettungsfahrzeuge früher von Lobberich aus Einsätze in Richtung Kaldenkirchen oder Bracht fuhren, konnten die Sanitäter an Bord sicher sein: Die Bahnschranke an der Biether Straße ist geschlossen. "Wir sind dann nach rechts über den Weg in Richtung Schmaxbruch ausgewichen und unter der Bahn hindurchgefahren", erinnert sich Dr. Peter Lehnen. Das ist vorbei, seitdem die Stadt eine Dependance der Rettungswache in Kaldenkirchen errichtet hat. Der Rettungsdienst steht aber vor neuen Umbrüchen.

Der Rat hat soeben die Gebührenkalkulation für den Rettungsdienst verabschiedet. Einige Leistungen sind — das ist heute eine Seltenheit — günstiger geworden. Julia Amanazi, verwaltungstechnisch die Leiterin der Rettungswache, rechnet mit einem Gesamtbedarf in Höhe von 2,05 Millionen Euro für dieses Jahr. Das betrifft übrigens nicht die Krankenfahrten (KTW), die zentral beim Kreis Viersen auflaufen. Die Rettungswache rechnet mit den Krankenkassen direkt die Kosten für Rettungstransporte (RTW) und den Einsatz des Notarztes sowie seines Einsatzfahrzeugs (NEF) ab. Kreisweit gibt es fünf Rettungswachen in jeweils anderer Trägerschaft.

Eine Fahrt im RTW kostet nach der neuen Gebührensatzung 400,96 Euro. Für den Krankentransport fallen 216 Euro an. Das NEF kostet 184,97 und der Einsatz des Notarztes noch einmal 177,25 Euro. Die Kosten tragen die Krankenkassen, mit denen die Stadt als Trägerin des Rettungsdienstes in Nettetal und Bracht die Gebühren verhandelt. Privatpatienten erhalten meist tatsächlich diese Rechnung, die sie mit ihrer Kasse abrechnen. Es gibt Einzelfälle, in denen Menschen nicht versichert sind, auch sie erhalten die Rechnung direkt.

Die Dependance in Kaldenkirchen hat sich aus Sicht der Stadt bewährt. "Es gab hier in jüngerer Vergangenheit einige besonders anspruchsvolle Einsätze, darunter fielen tödliche Unfälle wie am Herrenpfad-Süd und vor wenigen Tagen an der Leuther Mühle. Leider auch Suizide und schwerste Unfälle", erinnert sich Julia Amanazi. Die Rettungskräfte haben vor einem Jahr mit Feuerwehr und Polizei auf der neuen A 61 eine Übung absolviert, bei der auch das Zusammenwirken mit niederländischen Kollegen abgestimmt wurde.

Dr. Peter Lehnen ist sicher, dass die Zusammenarbeit der Rettungswache mit dem Krankenhaus Nettetal qualitativ Maßstäbe setzte. "Dem Einsatz am Unfallort folgt eine ganze Kette hinterher bis in die Fachstationen des Krankenhauses." Eine weitere Konzeption, die diesen Anforderungen bis ins Detail Rechnung trägt, wird im Augenblick erarbeitet. Als besonders hilfreich hat sich die Einrichtung des Trauma-Zentrums im Krankenhaus erwiesen. "Wir arbeiten praktisch an mehreren Fronten, um besser zu werden", betont Lehnen. Halbjährlich prüft er in Theorie und Praxis das Können der Rettungsassistenten, zusätzliche Schulungen sollen das Wissen stets auf dem neuesten Stand halten.

Mit Spannung erwartet Lehnen die unlängst angekündigte Qualifizierungsoffensive in der Berufsausbildung. Künftig sollen "Notfallsanitäter" nach einer dreijährigen dualen Ausbildung in den Rettungswachen arbeiten. Der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer, Obmann seiner Fraktion für die berufliche Bildung, legt Wert darauf, dass die bestehenden Fachkräfte entsprechende Schulungsangebote erhalten, die sie auf den gleichen Stand bringen.

Das wird die Qualität fördern, aber auch Kosten erhöhen. Schummer ist zuversichtlich, dass die tariflichen Verhandlungen dies demnächst widerspiegeln werden. Grundsätzlich sei er der Meinung, dass das Gesundheitswesen dies hergeben müsse und den Ansprüchen der Bürger gerecht werde.

(RP)