Neue Berufsagentur für junge Menschen In Nettetal

Nettetal : Eine Berufsagentur für junge Menschen

Mit einer eigenen Jugendberufsagentur will die Stadtverwaltung für Menschen bis 25 Jahre Schwierigkeiten bei der Arbeitssuche aus dem Weg räumen. Dafür bündelt sie das Beratungsangebot von drei Ämtern.

Junge Menschen, die Hilfe brauchen und einen Beruf erlernen wollen, von Amt zu Amt schicken – das soll es künftig nicht mehr geben. Nach Viersen und Willich hat nun auch Nettetal eine eigene Jugendberufsagentur. „Wir wollen damit eine Odyssee durch die Ämter verhindern und den Jugendlichen, die sich schwer tun, wirksam helfen“, bekräftigte Bettina Rademacher-Bensing. Die Chefin der Agentur für Arbeit Krefeld/Kreis Viersen unterzeichnete am Freitag gemeinsam mit Bürgermeister Christian Wagner (CDU) und Franz-Josef Schmitz, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Viersen, eine entsprechende Vereinbarung. Die Jugendberufsagentur wird im Bürgerbüro in Breyell-Speckerfeld eingerichtet.

Für den Bürgermeister ist die Jugendberufsagentur ein weiterer Meilenstein im Bemühen, jungen Menschen den Weg in den Beruf zu ebnen. Er erinnerte an Berufsinformationsveranstaltungen in den Schulen, Besuche in Betrieben, die Berufseinstiegsbegleitung „baseL“ an der Gesamtschule und der Realschule Nettetal sowie die Jugendberufshilfe im eigenen Jugendamt. Mit der Jugendberufsagentur werden nun die Angebote verschiedener Ämter sinnvoll koordiniert. Weitere werde die Stadtverwaltung durch eine Integrationsbeauftragte beisteuern, die im Geschäftsbereich Familie, Bildung und Soziales arbeiten werde.

Dessen Leiter Jochen Müntinga zeigte sich erfreut, dass „wir jetzt Jugendliche gemeinsam begleiten und unterstützen können“. Das werde effektiver sein als nur die Jugendberufshilfe allein, aber auch „hier geht allmählich die Saat auf, wie wir aus Rückmeldungen erfahren“. Es sei für ihn beeindruckend, dass für die Organisation „individuelle Lösungen gefunden wurden und nicht einfach eine Blaupause übergestülpt wurde“. Man verharre nicht „in verkrusteten Strukturen, wir hatten Ideen, was wir besser machen können“.

Die Jugendberufsagentur richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre, die Schwierigkeiten haben: in der Schule, bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz, in der Familie oder „wenn du nach Elternzeit deinen Berufsabschluss oder deine Ausbildung nachholen möchtest“, wie es in einem Faltblatt heißt. Eine Stelle, einmal den Lebenslauf erzählen und nicht dreimal, wie das bisher oft der Fall war – Jugendlichen soll das Leben leichter durch die enge Verzahnung von Arbeitsagentur, Jobcenter und Stadt gemacht werden, sagte Müntinga.

Arbeit ist genug da, denn nach Ermittlungen des Jobcenters gibt es derzeit rund 350 Jugendliche in Nettetal, die Sozialhilfe beziehen. „Sie sind ein Potential für den Arbeitsmarkt, die wir zukünftig brauchen“, unterstrich Schmitz vom Jobcenter. Viele Jugendliche seien bisher auf ihrem Weg von einer Station zur anderen verloren gegangen, das dürfe nicht weiter so sein. Eine Jugendberufsagentur sei nach den ersten Erfahrungen in Viersen, wo es sie seit 2017 gibt, der richtige Weg: „Wir müssen alles zusammen denken.“

Damit dies in Nettetal auch klappt, haben sich die zuständigen Mitarbeiter in drei Workshops vorbereitet und Erfahrungen ausgetauscht. Das führte auch dazu, dass die Beratungsstunden nicht in einem Amt stattfinden, sondern im Bürgerbüro Breyell-Speckerfeld. „Wir wollten schon da keine Hemmschwellen in den Weg legen“, betonte Claudia Küppers (Soziale Dienste). Dass diese Überlegung richtig sei, habe schon ein erster Beratungsnachmittag gezeigt. „Gleich sechs junge Leute kamen, wir mussten auch ins Büro der Streetworker gegenüber ausweichen“, schilderte Tugba Yildiz, die seit einigen Jahren in der Jugendberufshilfe der Stadt tätig ist.

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