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Neue Ausstellung in Nettetal zeigt Textilarbeit der Frauen

Kultur in Nettetal : Vom Bauernhof in die Weberei – Textilarbeit der Frauen

Die aktuelle Ausstellung in der Textilscheune beleuchtet die Rolle der Frauen von der Handarbeit bis in der Textilfabrik früher und heute.

(hb) Die Auseinandersetzung mit weiblicher Handarbeit schließt immer auch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte weiblicher Identität innerhalb der Sozialgeschichte ein. Die Ausstellung „Frauen in der Textilbranche: früher regional, heute global“ in der Textilscheune in Hombergen führt dies eindringlich vor Augen. Die Ausstellung, die sich in den Veranstaltungsreigen „Provinz“ vom Kulturraum Niederrhein einfügt, hat Susanne Ciernioch, Leiterin des Textilmuseums, konzipiert. Dabei stützt sie sich auf den Verein Euregia Frauenwege zwischen Rhein und Maas mit der Dokumentation „Frauen in der Textilherstellung“ zum Jubiläum 650 Jahre Dülken.

Wer die Charts in der alten Scheune liest, erfährt sehr schnell, dass die bäuerliche Hausarbeit mit Flachs alles andere als leicht und sauber war. Das gilt erst recht für die Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich die Arbeit in die maschinellen Webereien in den Städten verlagert. Das Hecheln, das Durchziehen des Flachses durch ein Nagelbrett, war sehr staubig und führte zu Lungenleiden. In den Fabriken wurde in schwülwarmen Sälen 14 Stunden am Tag gearbeitet. Die Lebenserwartung bei diesen Arbeiterinnen lag im Durchschnitt bei nur 28 Jahren. Nicht nur im Märchen und in der bildenden Kunst waren das Spinnen und Sticken Zeichen weiblicher Tugendhaftigkeit. Während der Mann in die Welt zog, hatte die Frau brav zu Hause zu bleiben und ihre Aussteuer zu nähen.

Info Die Ausstellung ist bis 7. November sonntags 11 bis 18 Uhr zu besichtigen. Jetzt am Sonntag um 11.30 Uhr wird Susanne Ciernioch den Vortrag „Frauen, die spinnen“ halten.