Nettetal: Nettetaler wollen Abschiebung von Roma-Familie verhindern

Nettetal: Nettetaler wollen Abschiebung von Roma-Familie verhindern

In einer städtischen Obdachlosenunterkunft an der Breslauer Straße bangt eine Familie um ihre Zukunft. Der Familie Isufovic droht die Abschiebung nach Serbien. Für die Familie setzen sich die evangelische Kirche, der TSV Kaldenkirchen, die Comeniusschule, Streetwork Nettetal und viele Freunde ein.

1991 kam die Familie Isufovic auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg im untergehenden Jugoslawien erstmals nach Nettetal. Sie erhielt ein Bleiberecht, der Vater eine Arbeitserlaubnis. Als der Vater von Frau Isufovic im Kosovo schwer erkrankte, kehrte die Familie zurück und pflegte den Sterbenden. Im Grenzgebiet des Kosovo zu Serbien wurden die Roma schikaniert, die Kinder verprügelt. Sie bekamen keine Chance auf schulische Bildung oder berufliche Ausbildung.

Wieder geflüchtet

Vor einem Jahr flüchtete die Familie nach Nettetal. Doch wurde sie diesmal weit weniger freundlich aufgenommen. Die sesshaften Roma wurden sehr beengt in Containern in Lobberich untergebracht. Erst nach Intervention des evangelischen Pfarrers Matthias Engelke erhielt sie die Wohnung in Kaldenkirchen. Aber die Familie hatte Pech. Weil sie im kosovarischen Grenzgebiet lebte, haben alle einen serbischen Pass. Serbien gilt als "sicher", Kosovo nicht. So droht der Familie die Abschiebung nach Serbien, obwohl sie nicht einmal Serbisch spricht. Auch in Serbien werden Roma ausgegrenzt.

Vater Isufovic und seine vier Kinder sprechen deutsch. Die Kinder sind integriert, zwei Jungs spielen im TSV Kaldenkirchen Fußball. Sie gelten als zuverlässig und sind Leistungsträger. Bei ihren Mitschülern sind die Kinder ebenfalls sehr beliebt. Die Familie Isufovic gilt als vorbildliche Migrationsfamilie.

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In Nettetal könnte der Vater als Schweißer arbeiten — solche Fachkräfte werden dringend benötigt —, die Mutter will als Putzhilfe arbeiten. Die Familie möchte nicht von Transferleistungen leben. Das darf sie aber nicht. Asylanträge wurden abgelehnt, ihre Abschiebung ist angeordnet. Anfang Dezember hielt Landrat Peter Ottmann das Verfahren bis Ende März auf, weil eine Tochter schwanger war. Sie brachte am 8. Januar einen Jungen, Marvin, zur Welt. Ottmanns Geste "war für mich wie Weihnachten", sagt Pfarrer Engelke.

Die Zeit nutzten die Unterstützer zu weiteren Aktivitäten. Sie haben den Petitionsausschuss des Landtages angerufen und den Nettetaler Abgeordneten Christian Weisbrich um Hilfe gebeten. B-Junioren des TSV beschreiben in einem Brief, wie sehr sie Dennis und Gemail schätzen. Der Leiter der Comeniusschule, Konrad Wilms, und Klassenlehrer Björn Ruland unterstreichen, dass die Kinder große Fortschritte gemacht hätten.

Church and Peace

Sollte die Familie dennoch nach Serbien müssen, wollen Nettetaler Unterstützer weiter helfen. Pfarrer Engelke hat das Netzwerk "Church and Peace" in Serbien eingeschaltet, eine Delegation aus Nettetal will die Familie anfangs begleiten, um ihre Behandlung durch Behörden zu dokumentieren. "Was in unserer Macht steht, wollen wir nicht unversucht lassen, damit die Familie in Nettetal bleiben kann", sagt Pfarrer Engelke.

(le-)