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Nettetaler Krippenweg: Hinsbecker Krippe seit fast 100 Jahren nahezu unverändert

Hinsbeck : Alte Hinsbecker Krippe fast unverändert

In den vergangenen fast 100 Jahren wurde die Krippe gehegt und gepflegt. Das Jesuskind wurde ausgetauscht, ein Esel kam hinzu. Zu besichtigen ist sie beim Nettetaler Krippenweg, für den es noch zwei Termine gibt.

Ein künstlerisches Kleinod ist die in eine detailreiche Landschaft eingebettete Krippe in der Hinsbecker Pfarrkirche St. Peter. Sie wurde 1921 vom Oirlicher Bauern Joseph Thodam gestiftet. Der akademische Bildhauer Gerd Brüx aus Kleve, dessen Bruder Joseph einige Jahre später das Hinsbecker Kriegerehrenmal im Friedenspark erbaute, stellte die Figuren nach einem von ihm patentierten Verfahren aus Papier, Cellulose, Gips und Leim her. Es sind vier von ihm nach diesem Verfahren hergestellte Krippen bekannt. Heute existiert neben der Hinsbecker nur noch eine, die im Hause einer Enkelin des Künstlers in Berlin steht.

Über die Schenkung wird berichtet, dass der Bauer Thodam eines Tages schwer erkrankte, sich sein Zustand trotz der „schärfst möglichen Spritze“ nicht besserte. Man reif den Pfarrer, der mit seinen Messdienern die Kommunion brachte. In diesem Moment schrie auf dem Innenhof ein Pfau, was alles änderte. Der laute Ruf des Vogels, der wie ein „Wiesooo“ klang, holte den Altbauern ins Leben zurück. Im Beisein des Pfarrers schwor er „beim lieben Heiland“: „Wenn du mich am Leben lässt, dann will ich für unsere Kirche die schönste Krippe bauen lassen. Drei Morgen Wald soll sie mir Wert sein.“

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Der Bauer wurde wieder gesund, und als der Küster zur Christmette 1921 die neue Krippe enthüllte, da war unter den Hirten einer, der aussah wie der Altbauer Thodam. Schon am Dreikönigstag des folgenden Jahres starb Joseph Thodam allerdings durch einen Schlag, der ihn vor dem Pfauenschlag traf. Daraufhin nahm der Küster den Hirten mit Thodams Angesicht, kleidete ihn wie einen König und stellte ihn mit einem Schatzkästchen nahe zu Jesus. Das war der Dank der Hinsbecker an Joseph Thodam für die Spende dieses Kleinods.

In den vergangenen fast 100 Jahren wurde die Krippe gehegt und gepflegt, lediglich ein Kamel ist hinzugekommen, und das Jesuskind ist nicht mehr im Original vorhanden. Um 1940 gefiel es dem damaligen Pfarrer Josef Arians nicht mehr, es war ihm im Verhältnis zu den restlichen Figuren zu groß. Daher musste Küster Hermann Dormels sie gegen eine kleinere Figur austauschen. Die größere Originalfigur nahm er mit nach Hause, wo sie noch heute Mittelpunkt der Familienkrippe ist.

Ein Foto von 1921 zeigt die detailreiche Krippe, die im Prinzip bis heute unverändert ist. Über ihr schweben zwei Engel, die zwischen sich ein Banner tragen mit der Aufschrift „Gloria in Excelsis Deo“. Darunter eine Landschaft mit Häusern und Ställen im Fachwerkstil sowie Brunnen und Lagerfeuern. „Den Häusern nach spielt die Szene im Sauerland“, meinte Wolfgang Peters aus Leuth. Das Ganze wird eingerahmt von Fichten, die in jedem Jahr vom Lobbericher Adventsmarkt bezogen werden. Die Häuser auf der rund 30 Quadratmeter großen Fläche sind durch Wege miteinander verbunden, dazwischen befinden sich Kies-, Sand- und Moosflächen, in die die Brunnen und Lagerfeuer integriert sind.

Die Krippe beinhaltet 28 menschlichen Figuren (heilige Familie, 20 Hirten, drei Könige und zwei Gehilfen) sowie 21 Tiere (drei Pferde, ein Ochse, 15 Schafe, zwei Ziegen) sowie das Kamel. Die von Thodam patentierte Masse erlaubte die Herstellung überaus fein geschwungener Statuen, insbesondere die detaillierten, ausdrucksvollen Gesichtszüge beeindrucken. Jede Statue hat ein individuelles Gesicht, alle sind unterschiedlich. Auch die Kleidung ist sehr individuell, besteht aus Stoffen und Leder und wurde für jede Figur speziell hergestellt. Eine Besonderheit der Hinsbecker Krippe sind die zwei an ihren Kippas erkennbaren Rabbiner, die die heilige Familie an der Herberge abweisen und ihnen spöttisch hinterhersehen, daher im Volksmund „Spötter“ genannt.

Die Hinsbecker Krippe wurde traditionell am dritten Adventssonntag eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich Maria und Josef noch auf der Herbergssuche beim „Spötter“. Heiligabend stehen sie dann mit dem Jesuskind im offenen Stall. Die drei Könige befinden sich mit einem Kamel zunächst noch seitlich auf dem Weg durch eine von feinem Sand gebildeten Wüste. Ab Neujahr sind sie unterwegs und nähern sich langsam der Krippe, wo sie pünktlich am 6. Januar eintreffen und dem „Neuen König der Juden“ huldigen.