Nettetaler Imkerverein kann mit stolzen Zahlen aufwarten

Serie Mein Verein: Imkern ist in Nettetal wieder in

Dem Nettetaler Imkerverein gehören mehr als 300 Bienenstöcke und damit mehrere Millionen der Insekten

Wie wild schlagen die Bienen vorm Einflugloch mit Flügeln, wedeln, fächern, lassen sich auch nicht stören, als Heinz Ridder (64) seinen Zeigefinger vor das Loch hält und erklärt: „Mit dem Flügelschlag regulieren die Bienen die Temperatur, damit es im Stock nicht zu warm wird.“ Ridder ist Imker aus Leidenschaft, und diese Leidenschaft teilt er mit mehr als 55 anderen, die sich im Imkerverein Nettetal zusammengeschlossen haben.

Mit stolzen Zahlen kann der Verein aufwarten: „Wir haben zusammen mehr als 300 Bienenstöcke“, erzählt Vorsitzender Ridder. Ein Stock habe je nach Größe zwischen 20.000 und 60.000 Bienen, da kommen insgesamt schnell ein paar Millionen Tiere zusammen – und laut Ridder mehrere hundert Kilogramm Honig als Ertrag: „Die meisten Mitglieder vermarkten ihren Honig über den Verein“, berichtet der Vorsitzende. „Der Erlös wird meist in die Imkerei reinvestiert.“

Dass sich Imker im Verein zusammenschließen, scheint vordergründig nicht gerade selbstverständlich. Doch der Vorsitzende, seit seiner Jugend begeisterter Imker, wie er berichtet, weiß etliche Vorurteile zu nennen: „Neben gemeinsamer Vermarktung und Veranstaltungen, Erfahrungsaustausch und Workshops geht es auch um Versicherungen, ohne die ein einzelner Imker ein ziemliches Risiko einginge.“ Schäden nämlich, durch Diebstahl oder wie kürzlich durch einen Tornado, die passierten von Zeit zu Zeit immer wieder mal.

Die Liebe zum Hobby Imkern, die Achtung vor den fleißigen und nützlichen Bienen, die verbindet laut Ridder Alt und Jung: „Unsere Mitglieder kommen aus Nettetal und Brüggen, sind zwischen 13 und über 80 Jahren alt“, sagt er. „Rund ein Viertel sind Frauen.“ Beim Rückblick auf die Vereinsgeschichte verhehlt Ridder harte Zeiten nicht: „Zwischendurch hatten wir nur neun Mitglieder, da haben wir uns dann sehr auf Öffentlichkeitsarbeit konzentriert.“

Vorträge, Besuche in Schulen, Info-Stände bei Veranstaltungen und vor allem die regelmäßigen Imkertage auf dem Naturschutzhof des Naturschutzbundes in Lobberich mit Honigschleudern stießen auf große Resonanz – Imkern ist in Nettetal und Umgebung wieder in.

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Zu den jüngeren Mitgliedern gehört Rainer Schönfeld-Simon (30) aus Schaag, der als Student zum Imkern kam: „Ich war schnell fasziniert“, sagt er. Das Hobby könne er jungen Leuten nur empfehlen. Seine Bienen zu beobachten, das Wissen darum, „dass sie durch Bestäuben für Vielfalt in unserer Natur sorgen“, fordere ihm Bewunderung ab. Wie alle Imker im Verein rät er Verbrauchern, heimischen Honig zu kaufen, der naturbelassen und rein sei.

Unterschiedlich ist die Gestaltung des Hobbys bei den einzelnen Imkern: „Der eine hält die Bienenart Apis melifera, der andere Apis cerana, manch einer hat wenige große Völker in Magazinen, der andere viele kleine“, sagt Ridder, der nie gezählt hat, wie oft er gestochen wurde. „Halb so schlimm, ich bin nicht allergisch, und Bienengift ist ja gut gegen Rheuma“, scherzt er.

Als gemeinsame Erfahrung der Imker nennt Ridder die Schäden an Bienen durch Pestizide in Landwirtschaft und Gartenbau, die schlimmer seien als Seuchen und Krankheiten: „Aber die größte Gefahr droht uns durch die eingeschleppten Asiatischen Hornissen, die in Gruppen ganze Völker angreifen und vernichten“, sagt er. Vereinsmitglieder würden natürlich sofort über solche Gefahren und mögliche Strategien dagegen informiert.

Weniger zu schaffen macht den Bienen übrigens, sagt Ridder, die Hitzewelle der vergangenen Tage: „Sie fliegen dann halt morgens und abends aus, wenn‘s nicht ganz so heiß ist.“ Die Temperatur im Bienenstock, die regelten die Tiere eben ganz einfach dadurch, dass sie „ihre Flügel wie Ventilatoren einsetzen“, berichtet Ridder.