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Nettetaler Bürgerinitiative gibt Kampf nicht auf

Nettetal : Bürgerinitiative gibt Kampf nicht auf

„VeNeTe - so nicht“ meldet sich nach einer Corona-Pause zurück. Mit der Offenlage der Pläne für die Müllumladestation in Kaldenkirchen im Herbst hofft die Intiative, endlich Antworten auf viele ihrer offenen Fragen zu erhalten.

Es beginnt mit dem Namen: Den wenigsten war von Beginn an klar, dass es bei dem Wertstoff- und Logistikzentrum um eine Anlage geht, in der Müll angeliefert, sortiert und abtransportiert wird. Auch gehe es nicht nur speziell um den Biomüll, sondern um den gesamten Hausmüll. Der Abfallbetrieb des Kreises (ABV) hat im Gewerbegebiet Nettetal-West (ehemals VeNeTe) ein Grundstück gekauft und will dort dieses Umladezentrum bauen. Im Herbst sollen die  Pläne öffentlich ausgelegt werden. Für Claus Albrecht, Sprecher der Bürgerinitiative „VeNeTe, so nicht“ und seinen Mitstreiter Stefan Lommes ist das die lang ersehnte Möglichkeit, Antworten auf zahlreiche Fragen zu bekommen und ihre Kritik und Anregungen loswerden zu können. Verhindern lasse sich das  Projekt in ihren Augen nicht mehr, aber in der Praxis verbessern.

Während die Mehrheit der Fraktionen in der Stadt Nettetal das Projekt ablehnt, steht der Kreistag voll und ganz hinter den Plänen des ABV. Bisher wird der Wertstoffhof der EGN in Viersen-Süchteln genutzt. Die Bürgerinitiative hat sich im November 2017 gegründet. Ihr Logo zeigt eine geöffnete Mülltonne, aus der Nettetaler Wahrzeichen ragen, zwei Ratten sind ebenfalls zu sehen. Die Befürworter der Anlage halten dagegen, die Anlage, die modernste in ganz Europa, wäre geschlossen. Ratten und übler Geruch seien bloße Behauptungen. Dass überhaupt diese Anlage geplant werde, habe mit Wettbewerb und den Kosten zu tun. Über die ABV wolle der Kreis mit der eigenen Anlage, die man aber nicht selber betreiben wolle, für mehr Wettbewerb und damit niedrigere Gebühren für die Müllentsorgung sorgen. Als Beispiel wird der Wechsel zur Müllverbrennungsanlage Köln angeführt, mit dem Millionen Gebühren eingespart werden konnten.

Dies habe sich aber nicht in den Gebührenbescheiden der Bürger in den einzelnen Kommunen des Kreises niedergeschlagen, kontert die Bürgerinitiative. Sie befürchtet, dass mit der Realisierung des WLZ in Kaldenkirchen die Gebühren nicht sinken, sondern steigen werden. Allein die längeren Transportwege nach Kaldenkirchen statt nach Süchteln würden sich - außer für Brüggen und Nettetal - für alle anderen Städte im Kreis gebührensteigernd auswirken, im Westkreis am meisten für die Stadt Viersen (15,5 Kilometer weiter).

Die Bürgerinitiative hat diese Argumente auch in einem offenen Brief an die Bürgermeister der kreisangehörigen Städte geschickt.  Seit zweieinhalb Jahren haben Claus Albrecht und seine Kollegen viele Fragen gestellt. Der Kreis sei allerdings viele Antworten schuldig geblieben. Über die Verhandlungen mit den bisherigen Partnern in Süchteln sei nichts berichtet worden. So hat die Reterra Service GmbH einen offenen Brief an den Landrat geschrieben, in dem sie zusichert, die bisherigen Konditionen von 83 Euro/Tonne unverändert fortführen zu können, während die Kosten durch die neue Anlage höher ausfielen. Hinzu komme noch der Plan des Bioabfallverbandes der Kreise Viersen und Wesel, in Kamp-Lintfort eine Vergärungs- und Kompostierungsanlage für mindestens 32,8 Millionen Euro zu bauen. Die Finanzierung und die Transportwege zwischen Kaldenkirchen und Kamp-Lintfort würden die Preise weiter erhöhen. Gegenüber der Kompostierungsanlage in Viersen ergebe sich letztendlich eine Differenz von 27 Euro je Tonne zu Lasten des Bürgers. Der Betreiber hat der Bürgerinitiative versichert, der Umschlag der Abfälle in Süchteln könne bis ins Jahr 2032 weitergeführt werden. Günstiger als in Süchteln sei es nicht möglich.