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Nettetaler Anwohner der Seen sind mit Antworten unzufrieden

Wirbel um die Nettetaler Seen : Anwohner sind mit Antworten unzufrieden

Die Interessengemeinschaft „Erhalt der Netteseen“ ist durch öffentliches Dementi von Netteverband und von der Biologischen Station Krickenbecker Seen keineswegs beruhigt.

(hb) Die Interessengemeinschaft „Erhalt der Netteseen“ sammelt weiter Unterschriften. Die Stellungnahmen von Netteverband und der Biologischen Station Krickenbecker Seen genügen ihr nicht. In einer Stellungnahme heißt es: „Niemand hat die Absicht, die Nettesee verlanden zu lassen – und es geschieht doch. Auch Walter Ulrich hat 1961 behauptet, niemand beabsichtige, eine Mauer zu bauen. Dennoch wurde sie gebaut.“

In der Interessengemeinschaft sind Wassersportler, Landwirte, Jäger und Anlieger organisiert. Sie stoßen sich daran, dass Angler und Wassersportler immer weniger ihren Hobbys auf dem Großen Wittsee nachgehen können. Der Segelclub habe 1978 mit dem Echolot die Wassertiefe gemessen. Zur aktuellen Messung des Netteverbandes ergebe sich eine Differenz von 3,20 Meter. „Nachdem das Ostufer des Großen Wittsees bereits unter Naturschutz gestellt wurde, weichen Angler, Kanusportler und der Ruderclub auf die Westseite aus. Genau an diesen Wassersportplätzen wurden gezielt mit Kettensägen gefällte Bäume so im Wasser platziert, dass diese Wassersportmöglichkeiten gar nicht mehr möglich sind.“ Am Einfluss des Königsbaches in den Großen Wittsee wurde früher mit Leidenschaft Kanupolo gespielt. Das sei vorbei. „Wassersport ist erlaubt, aber nicht mehr möglich, und das an fast allen Netteseen.“

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Bereits in den 1990er Jahren war eine Entschlammung des Großen Wittsees vorgesehen. „Allerdings scheiterte das an den Interessen der Naturschützer.“ Volker Dietl, früherer Geschäftsführer des Netteverbandes, wird so zitiert: „Die in den letzten Jahrzehnten eingetretenen Schlammablagerungen in den Seen haben einen erheblichen Verlust an Lebensraum für die Wasserorganismen zur Folge. Gleichzeitig wird mit der Verkleinerung des Wasserkörpers auch die Empfindlichkeit des Ökosystems gegenüber Störungen und Belastungen erhöht. Da wirken die an den oberen Netteseen und der Kälberweide durchgeführten Entschlammungen und die Verbesserungen an der Reinigungsleistung der Kläranlagen als erhebliche Entlastung für die Seen.“ Durch die geringe Wassertiefe können sich die Seen im Sommer aufheizen. Die IG zitiert Prof. Dr. Bernhard Diekmann, Leiter der Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts Potsdam, mit der Meinung: „Eine Überwärmung in langen Sommern führt zur Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) und zu Sauerstoffmangel im See. Das Algenwachstum nimmt überhand. Der See ist mit dem Abbau des Biosubstanz überfordert.“

Deswegen fordert die Interessengemeinschaft auch mehr Frischwasser und eine höhere Fließgeschwindigkeit. Dazu müssten Baumstämme und Totholz aus den Seen entfernt werden. Die Stadt solle prüfen, inwieweit Totholz den Verlandungsprozess beschleunige und bei Extremwetterlagen eine Gefahr für Leib und Leben darstelle.

(hb)