Nettetal: Nettetal will sich selbst zum Fracking äußern

Nettetal: Nettetal will sich selbst zum Fracking äußern

Mehrheitlich lehnt der Umweltausschuss ab, die Korbacher Resolution zu unterschreiben. Demnächst gibt es die eigene Stellungnahme.

Im Frühjahr will die Stadt sich zum sogenannten Fracking mit einer eigenen Stellungnahme in Position bringen. Alle Fraktionen des Rates gegen diese Form der Gasförderung aus Gesteinen tief im Erdreich. Dennoch wird Nettetal nicht der "Korbacher Resolution" beitreten beziehungsweise einer Online-Petition zu folgen. Die CDU halte nichts davon, sich standardisierten Protestformen anzuschließen. Es sei wirkungsvoller, mit einem eigenen Beitrag Stellung zu beziehen, erklärte ihre Sprecher Ingo Heymann. Mehrheitlich schloss der Ausschuss sich dieser Haltung an.

Zum Fracking gibt es unterschiedliche Wirklichkeiten. Die Landesregierung lehnt diese Form der Gewinnung eines Energieträgers ab. Vor einigen Monaten unterstrich auch die CDU auf Niederrhein-Ebene, die bleibe gegen Fracking, solange die damit verbundenen Risiken nicht geklärt seien. Sie hält sich aber eine Hintertür offen: "Unter den heutigen technischen Voraussetzungen lehnen wir das entschieden ab", heißt es in der dazu abgegebenen Erklärung.

Die andere Wirklichkeit ist die, dass Unternehmen bereits landesweit die Claims abgesteckt haben. Das heißt, sie haben sich Rechte über Flächen (und den Untergrund) abgesichert, falls Fracking doch einmal erlaubt werden sollte. Im Kreis Viersen hat die Wintershall Holding GmbH den größten Bereich (auf der Karte das Feld "Rheinland") für sich reservieren lassen. Darin liegt auch Nettetal.

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Es gibt eine generelle Bergbauberechtigung, die zwei Drittel von Nordrhein-Westfalen abdeckt. Das sollte aber nicht mit dem Recht verwechselt werden, dort zu Bohren und Gas abzubauen. Darauf wies der Kreis bereits im vergangenen Jahr hin.

Beim Fracking wird unter hohem Druck ein Chemikalien-Wasser-Sand-Gemisch in den Boden gepresst, um in der Tiefe das Gestein aufzubrechen. Dadurch wird das Gas ausgelöst, das ein Unternehmen fördern und vermarkten will. Es gibt sehr ernst zu nehmende Hinweise darauf, dass die Chemikalien in diesem Prozess nachhaltig das Wasser in unteren Schichten vergiften könnten und damit die Trinkwasserversorgung der gesamten Region vernichten. Wissenschaftliche Untersuchungen sollen mehr Aufschluss bringen. Fracking ist auch Thema der Verhandlungen von CDU, CSU und SPD in Berlin für eine Große Koalition.

Florian Witter (WIN-Fraktion drängte im Nettetaler Ausschuss vergeblich darauf, der Resolution beizutreten und eine eigene Stellungnahme abzugeben. Die Mehrheit schloss sich aber der Haltung der CDU an. Es gebe Besonderheiten wie beispielsweise geologische Störungen unter der Stadt (Viersener Sprung und Venloer Graben). Für die Stadt wichtig seien Aussagen über Wasser- und Landschaftsschutz. Äußere die Stadt sich zu konkreten Risiken, werde das mehr Gewicht haben. Man wolle kein Anhängsel einer Großresolution sein.

(RP)