Wild West BBQ fährt zur Weltmeisterschaft im Grillen Nettetaler sind die besten Griller in NRW

Nettetal · Das Team Wild West BBQ holte sich den Titel bei den NRW-Grillmeisterschaften in Krefeld. Dabei hatten die Nettetaler widrigste Bedingungen: die schwierigste Anreise, die kürzeste Zeit, nur drei Stunden Schlaf im Auto – aber einen weiteren Titel im Gepäck.

 Die besten Griller aus NRW: Das Team Wild West BBQ belegte trotz der widrigen Umstände den ersten Platz von zehn Mannschaften und fährt nun zur WM 2024 in Stuttgart.

Die besten Griller aus NRW: Das Team Wild West BBQ belegte trotz der widrigen Umstände den ersten Platz von zehn Mannschaften und fährt nun zur WM 2024 in Stuttgart.

Foto: Schaulandt, Oliver

Echte Griller kennen keinen Schlaf. Zumindest, wenn sie aus Nettetal kommen. Dort stammen sie nämlich her, die Mitglieder des Teams Wild West BBQ. Und die haben das erfolgreichste Wochenende ihrer gemeinsamen Freundschaft hinter sich gebracht: Am Samstag wurden die Hobbygriller fränkisch-thüringischer Landesmeister, am Sonntag nach einem Husarenritt nach Hause dann auch noch NRW-Meister. Lohn für die Mühen: ein Ticket zur Weltmeisterschaft im Grillen, die 2024 in Stuttgart ausgetragen wird.

Dass die Nettetaler überhaupt im benachbarten Krefeld an den Start gehen würden, hatte sich erst kurzfristig entschieden. Denn eigentlich hatten sie in Krefeld erst zugesagt, dann aber wieder zugunsten des Wettbewerbs in Thüringen abgesagt – und am Samstagabend, kurz nach 22 Uhr, entschieden: Wir ziehen das durch. Da waren die Grills wieder im Wagen verstaut, und von Bad Rodach ging es dann in einer Nachtschicht nach Krefeld. „Wir haben drei Stunden während der Fahrt im Auto geschlafen“, berichtet Erik Radmacher.

Seine Mitstreiter und er kamen daher als letztes der zehn teilnehmenden Teams in Krefeld an und bauten ihr Equipment erst auf, als bei den anderen Mannschaften schon die Grills qualmten. „Aber das war auch ein Stück weit zusätzliche Motivation“, sagt Radmacher, dessen Team bereits 2013 und 2016 den NRW-Titel geholt hatte.

Das Logo des neuen NRW-Meisters: Wild West BBQ aus Nettetal.

Das Logo des neuen NRW-Meisters: Wild West BBQ aus Nettetal.

Foto: Schaulandt, Oliver

Vier Gänge mussten die Teams auf dem Grill zubereiten. Eine 16-köpfige Jury bewertet die Gerichte. Gewertet wird nach Punkten von 0 bis 10, wobei die Null für „ungenießbar“ steht und die 10 für „Weltklasse“. 7 kann jeder, ist also der Durchschnitt. Wertet ein Juror schlechter als 6, dann muss der Jury-Marschall, also der Oberschiedsrichter, die Wertung zulassen. Auf dem Teller dürfen nur essbare Bestandteile liegen, also keine Spieße aus Holz und dergleichen. Verstößt ein Team dagegen, wird das Gericht nicht bewertet. Geredet werden untereinander darf während des Testens nicht, sonst schreitet der Marschall ein. Über das Essen wird erst geredet, wenn die Tinte auf dem Bewertungsbogen trocken ist. Jeder Juror darf drei bis vier Gerichte der einzelnen Varianten testen, die die zehn Teams zubereiten werden. Welches Essen von wem gegrillt wurde, wird nicht verraten. Und wie das Menü zubereitet wurde, bleibt den Teams überlassen: ob auf Kohle oder Gas, im Smoker oder Kamado – Hauptsache lecker.

Den Auftakt machte ein Gericht im Dutch Oven, dann ein Schweinefilet, etwas von der Ente, und zum Schluss ein Dessert. „Da haben wir improvisiert, das stand noch gar nicht genau fest, als wir angekommen sind“, erzählt Radmacher und schmunzelt. Zu Eröffnung zauberte sein Team dann ein Entrecote aus dem Dutch Oven hin – auf Deutsch auch Feuertopf genannt. Das ist ein tiefer Topf mit Deckel, der meist aus Gusseisen oder glasierter Keramik gefertigt wird. Er funktioniert ähnlich wie ein Heißluftherd: Durch einen langen, gleichmäßigen Garprozess entstehen kräftige Aromen und eine besonders zarte Textur. Und er steht mitten in der Glut auf dem Grill. Jedenfalls: das Entrecote wird weltklasse, der Garpunkt könnte nicht besser sein. Macht in der Einzelwertung des Gerichtes Rang zwei, nur das Lammkarree des dreifachen Titelträgers Rebels of Barbecue schneidet noch einen Tick besser ab.

Am Samstag hatte das Team auch in Thüringen gewonnen.

Am Samstag hatte das Team auch in Thüringen gewonnen.

Foto: Schaulandt, Oliver

Auch beim Schweinefilet liegen die Nettetaler unter den Top 3, werden wie auch bei der Ente Dritter. Bei letzt genannter Hauptzutat gab’s einen Klassiker, nur eben vom Grill: eine Ente á L’Orange, mit Rotkohl, schön dünn geschnitten und zartrosa in der Mitte. Und als Dessert eine Teigtasche mit einer Waldbeerfüllung.

All das langte, um sich mit einem knappen Vorsprung in der Schlussrechnung ganz nach vorne zu schieben: Mit 0,05 Punkten Vorsprung auf die Beef Boys aus Dortmund – die Strapazen hatten sich also gelohnt, und der größte Erfolg mit zwei Titeln binnen zwei Tagen war perfekt, und jetzt geht’s im kommenden Jahr zur WM nach Stuttgart.