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Nettetal: Vor Ort einkaufen - in Leuth kaum Gelegenheit dazu

Einzelhandel in Nettetal

Vor Ort einkaufen? In Leuth kaum Gelegenheit dazu

Das Ortseingangsschild in Leuth mit dem Einkaufs-Appell. FOTO: Franz Krause

LEUTH Wo soll man vor Ort einkaufen, fragen sich die Leuther. Sie haben zumindest noch einen richtigen Bäcker im Dorf. Und sonst? Es gibt nicht einmal einen Bankautomaten im Ort. Noch sind die zwei Briefkästen vorhanden.

Nettetals Stadtmarketing wirbt an den Ortseingängen auf den Willkommensschildern mit dem Slogan „Nettetal stärken – vor Ort einkaufen“. „Fühlen sich die Leuther von so‘nem Spruch nicht auf die Schippe genommen, wenn sie das lesen?“, fragt der Besucher aus Mönchengladbach, der weiß, dass es in Leuth nur noch ein Einzelhandelsgeschäft für den täglichen Bedarf gibt. Nein, nein, sagen die Marketingleute im Rathaus, gemeint sei doch ganz Nettetal. Und die Mahnung sei an die lieben Mitmenschen gerichtet, die alles bei den Onlinehandelsriesen bestellten – vor allem in diesen Pandemiezeiten.

Die Frage des Besuchers rührt aber an einen wunden Punkt: Einkaufsmöglichkeiten für rund 2000 Menschen in Nettetals kleinstem Stadtteil. Diese sind in den letzten Jahren allerdings gering geworden. Aber: Alles, was auf dem Tisch steht, ist in Leuth eingekauft – Kartoffeln, Spargel, Sauce hollandaise. Fast alles: Der gekochte Schinken stammt aus Breyell. Aber dafür sind die Erdbeeren zum Nachtisch wieder aus Leuth. Und die Brötchen am Morgen oder die Brotschnitten am Abend kommen frisch aus der Bäckerei. Zum Überleben reicht es noch.

Vor 30 bis 40 Jahren sah das noch ganz anders aus: Lebensmittel/Metzgerei Drießen- Cox, Lendackers und Vögeding, Kaufhaus Hedwig Dückers, Bäckereien Hugenberg und Franz Dückers, Konditorei Guré, Textil Thelen, Möbel Thelen. Und bei den Bauern gab es – je nach Saison – Gemüse und Salat frisch vom Hof. Davon sind nur noch einige übrig geblieben, je näher die Discounter und Supermärkte an Leuth heranrückten. Oder es fehlte der Nachwuchs aus der eigenen Familie. Nachdem Finchen Drießen und Hans Cox sich zur Ruhe gesetzt hatten, bestand der ansehnliche Laden am alten Markplatz einige Zeit als Rewe-Geschäft weiter, dann übernahm ihn der Drogeriemarkt Schlecker – bis zur Insolvenz 2012. Heute ist er in Wohnungen umgewandelt.

Hedwig Dückers hielt sich mit ihrem Gemischtwarenladen, in dem die Grundschulkinder gerne Bonbons kauften, noch bis nach der Jahrtausendwende. Dann war dort ein Kiosk, anschließend eine Filiale der Breyeller Bäckerei Nethen (mit Kaffeeausschank), bis Nethen in Breyell schloss – kein Nachfolger (heute Leerstand). Das Lendackers-Haus wurde abgebrochen, für Vögeding im Neubaugebiet an der Johann-Peter-Knippen-Straße lohnte es sich eines Tages nicht mehr. Der Bäcker Hugenberg hatte keinen Nachfolger, dem Konditor Peter Guré nahm eine geänderte Straßenführung die Laufkundschaft.

Übrig geblieben im Ortskern ist Bäckermeister Franz Dückers – nicht ganz konkurrenzlos, denn es gibt noch eine Tankstelle mit Shop, außerdem kurven Verkaufswagen mit Käse und Brot hin und wieder durch Leuth.