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Nettetal: Sportvereine verlieren im Lockdown Mitglieder

Vereinssport in Nettetal : Lockdown trifft Sportvereine hart

Der Lockdown geht auch an den Sportvereinen nicht spurlos vorbei. Über zehn Prozent der Mitglieder treten aus, vor allem im Seniorensport sowie beim Mutter-Kind-Turnen. Wie es konkret beim TV Lobberich aussieht.

Dem Breitensport in den Vereinen gehen durch den Corona-Lockdown zehn bis 20 Prozent der Mitglieder verloren. Davon ist Marcus Optendrenk überzeugt. Der CDU-Politiker ist nicht nur Mitglied des Landtages, sondern seit neun Jahren auch Vorsitzender eines Sportvereines, des TV Lobberich. Die genauen Zahlen für 2020 liegen noch nicht vor, aber beim TV Lobberich werde der Mitgliederschwund bei zehn bis 15 Prozent liegen, stellt Optendrenk nüchtern fest.

Tendenziell ist es bei allen Sportvereinen so, dass Mitglieder austreten, wenn ein Angebot wegfällt. „Das ist durchaus landesweit ein großes Problem“, sagt Optendrenk. Der TV Lobberich hatte vor der Corona-Pandemie 1550 Mitglieder. In den vergangenen zehn Jahren blieb die Mitgliederzahl zwischen 1500 und 1700 recht konstant. Natürlich spiele auch die demographische Entwicklung eine Rolle. Ältere hörten auf, Sport zu treiben, weniger Kinder würden geboren. Das betreffe alle Breitensportvereine.

Beim TV Lobberich sind speziell viele ältere Mitglieder ausgetreten, bei den Seniorenturngruppen oder der Wassergymnastik. Seit das kleine Schwimmbad beim Landessportbund in Hinsbeck wegfiel, fehlt ein Schwimmbad in der Nähe. „Wir warten auf den Neubau in Breyell“, sagt Optendrenk, wohlwissend, dass es bis zur Fertigstellung noch dauert.

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Die zweite Gruppe, die wegbricht, gibt es beim Mutter-Kind-Turnen. Dabei ist das für die Sportvereine ein Zukunftsthema. Das Angebot soll kleine Kinder nicht nur früh zur Bewegung motivieren, sondern auch an den Sportverein heranführen sowie Nähe und Bindung schaffen. „Dass man nicht Mitgliedsbeiträge zahlen will, wenn es kein Angebot gibt, kann ich individuell nachvollziehen“, sagt der Vereinsvorsitzende ganz ohne Kritik, aber schon mit Bedauern. Die Ausgetretenen gingen nicht aus Frust auf den Verein, sondern aus Mangel an Aktivitäten. Marcus Optendrenk bleibt allerdings zuversichtlich, viele Ausgetretene wiederzugewinnen, wenn der Verein sein Programm wieder startet. Er hofft in diesem Jahr auf ein baldiges Ende des Lockdowns.

Der TV Lobberich hat alle Übungsleiter weiterbezahlt und dadurch bisher Ausfälle vermeiden können. Grundsätzlich fehlen den Vereinen Übungsleiter. Im Wettkampfsport leisten die Trainer und Betreuer einen hohen Zeitaufwand, vor allem beim Spielbetrieb am Wochenende. Gerade im Wettkampfsport bleiben die Mannschaften dabei, joggen vielleicht privat und hoffen, dass es bald wieder losgeht.

Bei den Kindern und Jugendlichen ist der Ganztagsbetrieb der Schulen hinderlicher als der Corona-Lockdown. Durch mehr Ganztagsbetrieb an den Schulen wird es für die Sportvereine zunehmend schwer, den Vereinssport zu organisieren – zumal Hallenzeiten in Nettetal der große Engpass sind. Auch Lehrer sind kaum noch als Übungsleiter zu gewinnen. Die gesellschaftlichen Veränderungen machen es den Vereinen sowieso schwer, jetzt kommen die langen Lockdown-Phasen noch hinzu. Das gelte auch für die Parteien, fügt Optendrenk hinzu. Die Mitgliederehrung und der Neujahrsempfang der CDU hätten ausfallen müssen.