1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Nettetal: Schleppende Übernahme bei Taxi Janssen

Insolventes Taxi-Unternehmen : Schleppende Übernahme bei Taxi Janssen

Das Nettetaler Unternehmen befindet sich seit Ende vergangenen Jahres im Insolvenzverfahren. Die Übernahme des Taxi- und Mietwagenbereichs durch den Meerbuscher Erol Norman ist immer noch nicht abgeschlossen

Die Querelen um das Nettetaler Taxi-Unternehmen Janssen scheinen nicht abzunehmen. Seit Dezember steckt die Firma mit der Rufnummer 4711 in der Insolvenz. Einst galt Taxi Janssen mit rund 640 Mitarbeitern und einer Flotte von knapp 350 Wagen als eines der größten deutschen Taxi-Unternehmen – und bereits Anfang des Jahres sah es auch danach aus, als würde es einen nahezu nahtlosen Übergang geben. Inzwischen sind die Fronten verhärtet.

Der Meerbuscher Taxi-Unternehmer Erol Norman hatte im Februar angekündigt, rund 850.000 Euro in Taxi Janssen investieren zu wollen, um den Taxi- und Mietwagenbereich zu übernehmen. Mit der Übernahme von 250 Fahrzeugen und 350 Mitarbeitern werde die neue Erol-Norman-Gruppe das größte Taxiunternehmen Deutschlands, sagte Norman damals. Weil zu dem Zeitpunkt ein Vorvertrag geschlossen worden war, wurde es Norman laut Insolvenzverwalter Axel Kleinschmidt erlaubt, bereits in der Karnevalszeit mit dem neuen Namen zu werben. Etliche der Janssen-Taxis fuhren mit überklebten Logos. Ende Februar gab es einen Übertragungsvertrag. Darin vereinbart war eine aufschiebende Wirkung, berichtet Kleinschmidt, gebunden an die Umschreibung. Und genau daran hängt es nun.

  • Joachim Philippen und Beate Voß wurden
    Insolvenz von Taxi Janssen : Taxi Janssen: 300 Mitarbeiter erhalten Kündigung
  • Noch sind die Sticker auf den
    Kreis Viersen : Meerbuscher übernimmt Taxi Janssen
  • Nettetal : Meerbuscher übernimmt Taxi Janssen

Noch immer ist die Konzession noch nicht auf den neuen Eigentümer übertragen worden. Norman sagt: „Für die 250 Wagen, die ich übernehmen will, habe ich bislang keine Unterlagen bekommen, also kann ich die Konzession nicht umschreiben lassen.“ Kleinschmidt sagt: „Der Antrag, der am 30. April für die Konzessionsumschreibung eingereicht wurde, war unvollständig.“ Erst zuletzt habe er Norman weitere rund 60 Kfz-Briefe übergeben. „Wir haben seit mehreren Monaten die Bestätigung vom Kreis, dass von unserer Seite alles da ist“, sagt Jan Anger, Anwalt in der Kanzlei Kleinschmidt und Partner. Vor kurzem hatten die beiden einen Termin beim Kreis. „Wir treiben die Umschreibung jetzt selbst voran“, erklärt Kleinschmidt. Er bestätigt, dass der Kaufpreis bezahlt worden sei.

Die Umschreibung muss der Kreis genehmigen. Dafür spricht unter anderem ein Gutachter eine Empfehlung bezüglich der Zuverlässigkeit aus, heißt es vom Kreis. Die Liquidität eines neuen Investors sei auch sicherheitsrelevant, sagt Frederik Wilhelmsmeyer, stellvertretender Geschäftsführer beim deutschen Taxi- und Mietwagenverband: „Man muss in der Lage sein, Reparaturen zu bezahlen, etwa wenn die Bremsen ausgetauscht werden müssen.“ Beim Antrag auf Übertragung von Lizenzen ginge es „vorrangig nicht um Fahrzeuge, sondern um das Recht, in einer Kommune ein Fahrzeug als Taxi betreiben zu dürfen“, teilt der Kreis mit. Dass eine Übertragung nicht genehmigt wurde, sei nicht bekannt.

Ein weiterer Knackpunkt ist die Bezahlung der Mitarbeiter. Seit Mai sollen keine Löhne ausbezahlt worden sein. Aus der Insolvenzmasse sei das nicht möglich, sagt Kleinschmidt: „Wir haben am 20. Juni Masse-Unzulänglichkeit angemeldet, seitdem können und dürfen wir keine Löhne mehr auszahlen.“ Damals sei ersichtlich geworden, dass die Ausgaben die Einnahmen übersteigen. „Das ist in Insolvenzverfahren nicht ganz so selten“, sagt Anger.

Bei Taxi Janssen seien ein Grund dafür die Fahrzeuge. „Etwa ein Drittel der Wagen war geleast und ging an die Autohäuser zurück. Andere waren kreditfinanziert, bei denen bleiben keine zehn Prozent des Kaufpreises für die Insolvenzmasse“, sagt Anger. „Wieder andere Autos sind schlichtweg zu alt, um sie gewinnbringend zu verkaufen.“ Zudem habe sich ein weiteres Problem ergeben: Manche der Fahrzeuge seien nicht aufzufinden. „Fahrer melden sich bei uns und sagen, dass sie uns nur mitteilen, wo das Taxi steht, wenn wir den Lohn bezahlen. Dabei kriegen wir Geld in die Insolvenzmasse, eben wenn wir Fahrzeuge verkaufen“, sagt Anger. Anwohner meldeten jüngst einen Wagen in der Nähe des Kaldenkirchener Bahnhofs. Seit Januar soll er dort stehen. Gras wuchs unter dem Auto.

Wie es für die Mitarbeiter, die von der Übernahme betroffen sind, weitergeht, scheint unklar. 300 Mitarbeiter von Taxi Janssen hat Kleinschmidt bereits entlassen. 120 Mitarbeiter und 80 Busse aus dem Linienbetrieb übernahm die Sonnenschein Personenbeförderung GmbH. Für die Wuppertaler war es die erste Übernahme, sie investierten laut Geschäftsführer Harald Böning fast eine Million Euro.

Die Zahlen, die Norman betreffen, sind inzwischen geschrumpft, „laut Vertrag geht es um 90 Mitarbeiter und circa 100 Fahrzeuge“, sagte Kleinschmidt schon Anfang Juli. Wie viele Mitarbeiter es nun tatsächlich sind, könne er selbst nicht sagen, erklärt Norman: „Man kann das zurzeit gar nicht abschätzen. Sie kommen und gehen. Weil die Mitarbeiter ihre Löhne nicht bekommen, wollen sie auch nicht mehr arbeiten“, sagt er. „Jeden Monat zum 15. gab es dieses Problem zuletzt besonders stark.“ Weil die Konzessionsübertragung noch nicht durch sei und er bislang nicht die Erträge aus dem Taxi-Geschäft bekommen habe, wolle und könne er auch nicht die Zahlung der Löhne übernehmen. Trotz allem will Norman nicht aufgeben. „Ich werde versuchen, das Unternehmen so lange zu halten, wie ich kann.“

(emy)