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Nettetal: Nettetal profitiert erheblich von Europa

Nettetal : Nettetal profitiert erheblich von Europa

Viele Nettetaler haben sich in den vergangenen Jahren aus beruflichen und privaten Interessen viel mehr als früher der Nachbarstadt Venlo zugewandt. In diesem Sog hat auch die Politik begriffen, wie wichtig die EU und der Nachbar sind.

Eines der ersten Gesetze der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) diente der Koordination sozialer Errungenschaften in den damals noch sechs Nationen. Ausgerechnet die seit mehr als 50 Jahren geltenden Regelungen werden jetzt im Zuge des Wahlkampfes für das Europaparlament von sogenannten Europakritikern in Zweifel gezogen. Sie haben bisher ihr ganzes Leben bequem damit verbracht, werfen aber jetzt Bankenkrise, Euro-Rettung und Freizügigkeit der Menschen unter dem blauen Sternenbanner in einen Topf.

In einer Stadt wie Nettetal ist Europa allgegenwärtig. Nicht der Krümmungsgrad von Gurken oder aber eine angebliche Überfremdung sind europäische Wirklichkeit. Es ist das Miteinander der Nettetaler mit Menschen aus der gesamten EU. Am nächsten sind den Nettetalern die Niederländer. Grenzschlagbäume, Steuer- und Zollerhebungen sind mehr als zwanzig Jahre Vergangenheit. Der Handel auf beiden Seiten der Grenze blüht. Bürger sind hüben wie drüben unterwegs. Niederländische Unternehmen haben sich in der Stadt angesiedelt (von manchen wissen Nettetaler nicht einmal, dass deren Zentrale im Nachbarland oder einem anderen EU-Land sitzt).

Es war daher überfällig, dass sich die politischen Parteien spätestens jetzt im Wahlkampf für die "andere Seite" interessierten. Seit Jahren unterhält die CDU sehr enge Kontakte. Uwe Schummer überraschte beispielsweise im vorletzten Bundestagswahlkampf Venloer und deren deutsche Besucher damit, dass er am Nolensplein (2Brüder von Venlo) für sich und die CDU warb. Mitte der Woche ließen sich Nettetaler CDU-Vertreter in Venlo vom soeben wiedergewählten christdemokratischen Beigeordneten Jos Teeuwen Entwicklungsziele der Nachbarstadt erläutern. Nettetal und Straelen spielen als unmittelbare Nachbarn dort längst eine gewichtige Rolle.

Augenfällig ist auch, dass eine kleine Wählergemeinschaft wie WIN zügig den Schritt auf die Nachbarn zugegangen ist. Mit der ursprünglich im Venloer Stadtteil Belfeld angesiedelten Gruppierung VenLokaal verfolgte WIN Gemeinsamkeiten zur Verkehrsführung zwischen Belfeld, Tegelen und Kaldenkirchen, nachdem die Autobahn durchgebaut war. Beide Gruppierungen unterstützten sich im Kommunalwahlkampf.

Auch die Nettetaler Grünen bekamen Wahlkampfhilfe aus Venlo. Die Groen-Links-Vorsitzende Marij Pollux unterstützte die Grünen beim Straßenwahlkampf in Kaldenkirchen. Ihr Bekenntnis "das Projekt Europa ist ein grenzüberschreitendes Anliegen. Ohne die europäische Einigung wäre ein Zusammenleben in Frieden und Freiheit nicht möglich geworden", haben sich alle Parteien auf die Fahnen geschrieben.

Ähnlich wie die CDU, die ganz handfeste Politik mit dem Stadtrat in Venlo verfolgt, sind die Grünen interessiert, Gemeinsamkeiten auch gemeinsam zu verfolgen. Die nachhaltige Kreislaufwirtschaft ohne Abfall zu entwickeln, bekannt unter dem Stichwort Cradle to Cradle (C2C) floss ins grüne Kommunalwahlprogramm ein. Die CDU wendet sich vor allem ganz konkreten wirtschafts- und infrastrukturpolitischen Themen zu, die Nettetal mit Venlo verfolgen kann. Den Weg bereitete Dr. Marcus Optendrenk MdL, der im vergangenen Jahr Impulse der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Diskussion des Stadtrates Venlo über das Entwicklungskonzept lieferte.

Ein Beispiel dafür, wie grenzüberschreitend gedacht wird, ist die Kooperation der Fontys Hochschule mit der Baugesellschaft Nettetal. Sie errichtete Studentenwohnhäuser mit einem Kontingent auch unmittelbar für die Hochschule. Eines steht fest: Gäbe es die EU und die Nähe Venlos für Nettetal nicht, sähe es duster um die Stadt aus. Sie ist viel zu weit von den Großstädten an der Rheinschiene entfernt, um von ihnen zu profitieren.

(RP)