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Nettetal: "Polen und Deutsche sind normale Nachbarn geworden"

Nettetals Städtepartnerschaft mit dem polnischen Elk : „Polen und Deutsche sind normale Nachbarn geworden“

Im Gespräch mit Rafal Zytyniec, Direktor des Historischen Museums in der Partnerstadt Elk, wird deutlich, wie wichtig die Aussöhnung war.

Die polnische Stadt Elk, das frühere ostpreußische Lyck, ist seit über 20 Jahren mit Nettetal verbunden. Zur Feier des Partnerschaftsvereins kam Rafal Zytyniec, Direktor des Historischen Museums in Elk, nach Nettetal. Er hat die Geschichte des Ortes und von ganz Masuren erforscht und ist ein kompetenter Gesprächspartner. Da er auch in Frankfurt an der Oder studiert und zeitweise in Berlin gelebt hat, spricht er vorzüglich Deutsch. Als Kulturwissenschaftler kennt er auch keine Tabuthemen. „Die gab es früher zur Genüge.“ Nach 1945 wollten die Polen nichts Deutsches sehen oder hören. Lange herrschte in den ehemals deutschen Gebieten die Sorge, dass irgendwann die alten Einwohner zurückkämen und ihre Häuser wieder haben wollten. Für Tausende Menschen war es ein Leben auf Widerruf. Nach dem deutsch-polnischen Vertrag und nach dem Ende des Kommunismus in Polen ist das Verhältnis zu Deutschland „ziemlich entspannt“. Zumindest im Weststreifen, der liberaler wählt als das zentrale ländliche Polen. Nach 1945 wurde Polen um 100 Kilometer nach Westen verschoben. In die einst deutschen Gebiete wurden viele Menschen aus Ostpolen zwangsumgesiedelt, zusammen mit Menschen der Region entstand eine „ziemlich bunte Mischung“. In der EU ist Deutschland der wichtigste Wirtschaftspartner. In Elk gibt es einen Kreis von etwa 200 Leuten, die sich für die Partnerstadt Nettetal engagieren. Heute ist es ruhiger, die Grenzen sind offen, alle können in Frieden leben. „Polen und Deutsche sind normale Nachbarn geworden“, so Zytyniec. Schwieriger sei das Verhältnis zu Russland geworden, seitdem dort Stalin für viele wieder ein Held sei. Kamen früher viele Russen im kleinen Grenzverkehr zum Einkaufen, so sind seit dem Weltjugendtag 2016 in Krakau die Grenzen zum russischen Teil Ostpreußens geschlossen.

In Elk setzt man sehr viel Hoffnung auf den Bau der Rail Baltika. Die Eisenbahnstrecke führt von Warschau über die baltischen Länder bis nach Helsinki. Elk soll an die Strecke angeschlossen werden. Auch die Autobahn nach Warschau sei zu großen Teilen fertiggestellt. Lag Elk früher in einem der strukturschwächsten Gebiete, so habe die Stadt sich enorm entwickelt. Die Lebensqualität steige. Doch gerade die ältere Bevölkerung, die nur eine kleine Rente bezieht, lebe in Armut. Die Verteuerung der Energiepreise fürs Heizen trifft sie besonders.

(hb)