Nettetal: Nettetal muss nicht nur schrumpfen

Nettetal : Nettetal muss nicht nur schrumpfen

Ingo Heymann ist Vorsitzender des Planungsausschusses. Er verfolgt den Entwicklungsprozess der Stadt mit großer Spannung. In Stadtteilrundgängen und Workshops haben nach seiner Beobachtung Bürger wichtige Impulse geliefert.

Seit ihrer Gründung hat die Stadt Nettetal auf Wachstum setzen können. Sie wurde größer, die Zahl der Einwohner nahm zu, und die Infrastruktur musste angepasst werden. Schulen, Sportstätten, Kultureinrichtungen, soziale Angebote, Wohn- und Gewerbegebiete sowie das Straßengerüst — alles war jahrzehntelang auf Zuwachs eingestellt. Das ist seit einigen Jahren anders geworden. Die Stadt schrumpft unter den Folgen des demografischen Wandels. Dennoch hat Nettetal keinen Grund, sich auf einen fortwährenden Schrumpfungsprozess einzustellen.

Diese Meinung vertritt der Vorsitzende des Planungsausschusses, Ingo Heymann, mit Blick auf den zurzeit laufenden Prozess zur künftigen Stadtentwicklung. "Professor Wachten, der uns begleitet, hat dies deutlich zu erkennen gegeben. Nettetal kann aus sich heraus Entwicklungsprozesse in Gang setzen, die auch Wachstum bedeuten", meint der CDU-Politiker. Die Stadtteilrundgänge und Workshops hätten vor Augen geführt, dass Nettetal eine eigene Dynamik entwickeln könne. "Nettetals Lage und die umgebende Infrastruktur können Unternehmen und Neubürger von außen anziehen. Dafür sollte die Stadt jetzt die Weichen stellen", sagt Heymann.

Eine wesentliche Erkenntnis des bisherigen Prozesses sei der, dass in allen Stadtteilen der Wunsch nach Ausweisung weiterer Wohngebiete geäußert wurde. Andererseits verstärke sich der Trend zur Vereinzelung im Wohnen, und zwar nicht nur im Alter. "Die Zahl der Single-Haushalte wird wachsen. Wir müssen erkennen, dass Familie vielfach nicht mehr ein unverbrüchliches Lebensbündnis ist, sondern Menschen zeitweilig miteinander leben und sich trennen. Andere wiederum wollen sich von vornherein nicht binden und leben lieber überwiegend alleine." Die Baugesellschaft habe mit ihren Projekten fürs barrierefreie Wohnen sowohl im Alter als auch in jüngeren Jahren — gemeint sind die Studentenwohnungen — darauf angemessen und marktgerecht reagiert.

Heymann ist gespannt, welche Akzente am Ende des Stadtentwicklungsprozesses gesetzt werden. Er hielte es für richtig, den einzelnen Stadtteilen eigene Kernkompetenzen und Entwicklungsinhalte zuzuordnen. "Nicht jeder Stadtteil kann alles gleichzeitig erfüllen. Ich hielte es für angebracht, stadtteilspezifische Stärken zu definieren und die gezielt zu fördern", sagt der Vorsitzende im Planungsausschuss.

Überrascht hat ihn, dass die Zielsetzungen im 2004 aufgestellten Flächennutzungsplan bis heute nahezu unverändert gelten. "Da ist sehr weitsichtig beraten und gehandelt worden. Ich glaube, dass sich damals schon die breite Beteiligung der Bürger mit Erfolg im Ergebnis niedergeschlagen hat. Wir haben auch jetzt sehr viele konstruktive und gut überlegte Anregungen von Bürgern erhalten", berichtet Heymann. Besonders häufig geäußert wurde die Bitte, die Fahrradverbindungen quer durch die Stadt zu stärken. So sollte der Alleenradweg möglichst mit allen Stadtteilen verknüpft werden. FRAGE DES TAGES

(RP)
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