Denkmäler in Nettetal Vorgänger von Schloss Krickenbeck war eine Motte

Nettetal-Leuth · Das prächtige Bauwerk an den Krickenbecker Seen hatte im Mittelalter einen schlichteren Vorgänger – aus Ziegeln und Holz. Er war offenbar oft umkämpft.

Schloss Krickenbeck wurde zu einer Zeit errichtet, in der es die Seen um das Bauwerk herum noch nicht gab.

Schloss Krickenbeck wurde zu einer Zeit errichtet, in der es die Seen um das Bauwerk herum noch nicht gab.

Foto: Stadt Nettetal

In der Nähe der Leuther Mühle, am Wanderweg entlang der Nette zum Restaurant De Wittsee, erinnert ein Hinweisschild an die frühere Motte „Alt-Krickenbeck“. Es war die erste bekannte Burg der Herren von Krickenbeck, der Vorgängerbau des heute im Zentrum der vier Krickenbecker Seen liegenden Schlosses Krickenbeck.

Von der im 12. Jahrhundert bestehenden Befestigungsanlage ist heute nur noch ein Hügel erkennbar. Bei Bohrkernuntersuchungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege im Februar 1987 wurde festgestellt, dass sich hier eine aus Holz und Ziegeln erbaute ovale, zweiteilige Burganlage befand, die von einem doppelten Graben umgeben war. Zwischen der Haupt- und Vorburg befand sich ein Trennungsgraben. Der bebaute Hügel war rund 170 x 110 Meter groß und erinnerte an den Bautypus einer Niederungsmotte.

 Auf diesem Gelände stand die mittelalterliche Motte Alt-Krickenbeck. Letzte Überreste wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgeräumt.

Auf diesem Gelände stand die mittelalterliche Motte Alt-Krickenbeck. Letzte Überreste wurden Anfang des 19. Jahrhunderts abgeräumt.

Foto: Heinz Koch

Auffallend war eine horstartige, ein bis 1,5 Meter hohe Erhebung innerhalb der Burg mit einem Durchmesser von circa 50 Metern. Dort befand sich wahrscheinlich ein Wohnturm. Im südlichen Hügelbereich erschienen in den Bohrkernen drei Brandschichten, die einen mehrmaligen Wiederaufbau der Burg nach Bränden, wahrscheinlich durch Angriffe, belegen. Sie in Asche zu legen, dürfte  nach einer Eroberung angesichts des neben Ziegeln beim Bau verwendeten Holzes nicht so schwierig gewesen sein.

Die erste Nennung des Geschlechts von Krickenbeck stammt aus einer Urkunde von 1104, in der ein Graf Henricus de Krickenbach genannt wird. Die Familie gehörte zum sogenannten Dynasten-Adel, dem alteingesessenen niederrheinischen Adel, und war Besitzer der Burg Alt-Krickenbeck. Sie starb um 1200 aus. Die späteren Herren von Krickenbeck, denen das Schloss Neu-Krickenbeck vom geldrischen Grafen als Lehen zugewiesen wurde, nahmen lediglich den Namen der neuen Burg als Familiennamen an. Sie entstammten jedoch nicht dem Geschlecht derer von Krickenbeck.

1188 erwarb der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg von den Herren von Krickenbeck zu einem extrem hohen Preis Haus und Hof Alt-Krickenbeck, was zeigt, dass es sich hierbei nicht nur um ein normales Gut, sondern um ein großes Territorium gehandelt haben muss. Es bestand offensichtlich aus mehreren Besitzungen und Rechten als das spätere, geldrische Amt Krickenbeck.

Vor 1243 muss Alt-Krickenbeck an das Grafenhaus von der Mark vererbt worden sein, denn in diesem Jahr verkaufte Graf Adolf von der Mark die Herrschaft Krickenbeck an den Grafen Adolf II. von Geldern. Dieser ließ die Burg Neu-Krickenbeck inmitten des damaligen Nette-Bruchlandes erbauen. Die Seen existierten damals noch nicht. Für diesen Neubau wird der Zeitraum 1244 bis 1251 angenommen.

Die Burg Alt-Krickenbeck ging Mitte des 13. Jahrhunderts unter, der zugehörige Besitz wurde aber weitervererbt. Nach dem Tod des damaligen Krickenbeck- und Alt- Krickenbeck-Besitzes Reiner von Holhausen 1521 erbte sein zweitältester Sohn Helmich von Holthausen das Haus Alt-Krickenbeck mit Hof und Mühle zu Leuth, sowie einige andere Höfe. Seine Wohnung hatte er mit Familie auf einem in der Nähe liegenden Hof, der heute noch die Bezeichnung „Alt-Krickenbeck“ trägt. Die letzten Ruinen der Burg Alt-Krickenbeck wurden erst Anfang des 19. Jahrhunderts abgetragen.