Skepsis in Nettetal Krankenhaus: Lauterbachs Transparenz-Atlas „sehr fragwürdig“

Nettetal-Lobberich · Überflüssig und mit mehr Bürokratie verbunden – so lautet die Kritik an einem vom Bundesgesundheitsminister geplanten Online-Atlas, der die Leistungsfähigkeit von Krankenhäusern offenlegen soll. Auch in Nettetal kommt keine Begeisterung auf.

 Im Städtischen Krankenhaus Nettetal betrachtet die Leitung die Pläne für einen Transparenz-Atlas mit Skepsis.

Im Städtischen Krankenhaus Nettetal betrachtet die Leitung die Pläne für einen Transparenz-Atlas mit Skepsis.

Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Gesundheitsreform ist immer: Zu den jüngsten Ideen für Veränderungen im Gesundheitswesen gehört das Vorhaben von Minister Karl Lauterbach (SPD), einen Krankenhaus-Atlas zu erstellen. Der soll die Leistungsfähigkeit von Kliniken im Internet für alle Patienten transparent machen. Eine Idee, um die in der Politik lange gerungen wurde. Im Nettetaler Krankenhaus löst sie – wie in vielen anderen Kliniken auch – nicht gerade Begeisterungsstürme aus.

„Patienten haben – Stand heute – bereits transparente Möglichkeiten, die für sich geeignete Klinik zu finden. Sowohl Fachbereiche wie auch Qualität der Leistungen werden zum Beispiel im Deutschen Krankenhausverzeichnis oder in der Endoprothetik bei uns durch das Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) transparent. Hier werden Behandlungsverläufe lückenlos und nachvollziehbar dokumentiert“, hieß es auf Anfrage unserer Redaktion aus dem Haus am Sassenfelder Kirchweg in Lobberich.

Das sieht auch die Krankenhausgesellschaft NRW so, nur hat sie das in einem Statement noch etwas drastischer formuliert: „Mit dem Krankenhaustransparenzgesetz betreibt die Ampel-Koalition reine Augenwischerei.“ Auf die Beschäftigten in den deutschen Krankenhäusern sieht man in Nettetal durch einen Atlas, der Angaben zu Leistungsangebot, Personalschlüssel bei Ärzten und Pflegekräften sowie zur Häufigkeit von Komplikationen bei Operationen enthält, zusätzliche Arbeit zukommen. Arbeit, von der man sich nicht viel verspricht: „Der Weg hin zur Etablierung des geplanten Transparenzverzeichnisses bedeutet für die Krankenhäuser und somit auch für uns einen erheblichen zusätzlichen bürokratischen Aufwand, dessen Verhältnis wir zum Nutzen dessen als sehr fragwürdig einstufen.“

Auch andere Reformvorhaben betrachtet die Nettetaler Klinikleitung skeptisch. Man bezweifle, dass eine Einteilung der Krankenhäuser in drei Versorgungslevel einen positiven Effekt haben wird: „Orientiert sich ein Patient ausschließlich daran, wird die Transparenz besonders in Hinblick auf kleinere Häuser, wie unseres eines ist, fragwürdig.“ Denn es werde dann lediglich eine allgemeine Basisversorgung widergespiegelt. Wie modern die Geräte im Haus seien und wie gut die Qualifikationen der Mitarbeiter in einzelnen Fachbereichen wie beispielsweise in der Endoprothetik oder Gastroenterologie sind, werde dabei aber nicht wirklich sichtbar und durchschaubar für den Patienten. Ob von einem geplanten Transformationsfonds in Höhe von 50 Milliarden Euro etwas fürs Nettetaler Krankenhaus abfällt, sei noch nicht absehbar. Denn noch sei gar nicht klar, wie das Geld verteilt wird.

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