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Nettetal: Kämmerer Norbert Müller ist dritter Mann im Rathaus Nettetal

Kämmerer Norbert Müller in Nettetal : Der Herr der Zahlen ist von Hause aus Jurist

Im neu organisierten Verwaltungsvorstand ist Stadtkämmerer Norbert Müller der dritte Mann. Angefangen hat er als Leiter des Rechtsamtes.

Bei der Neustrukturierung der Verwaltungsspitze im vergangenen Jahr ist Norbert Müller der ruhende Pol. Er ist im engeren Verwaltungsvorstand mit 63 Jahren nicht nur der Älteste, sondern auch derjenige, der am längsten dabei ist. Als Leiter des Rechtsamtes hat ihn vor 34 Jahren der damalige Stadtdirektor Christian Weisbrich eingestellt. Er war der erste Jurist auf diesem Posten. So kümmerte er sich um Angelegenheiten des Krankenhauses und des Netteverbandes. Weisbrich holte ihn in seine Stabstelle, in der er mit Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung betraut war. Als Peter Ottmann als Stadtdirektor nach Nettetal kam, wechselte Müller wieder ins Rechtsamt. Nachdem Christian Wagner 2004 Bürgermeister wurde, war Müller kurz kommissarischer Sozialdezernent, bis er 2005 die Kämmerei übernahm. Seit 2018 ist er auch für die Bereiche Ordnung, Bürgerbüro, Feuerwehr und Rettungswesen zuständig.

Norbert Müller bereut seinen Entschluss, im Nettetaler Rathaus anzufangen, bis heute nicht. „Jeder Arbeitstag ist anders“, sagt er. Eine Stadt wie Nettetal mit 40.000 Einwohnern ist für ihn reizvoll, sie habe die richtige Größe. In dieser Stadt könne man konkret etwas zum Positiven bewegen.

Ein Jurist in der Kämmerei? „Es schadet nicht, wenn man rechnen kann“, antwortet Müller. Er hat sich schon immer für wirtschaftliche Dinge interessiert und während seines Studiums auch den kleinen BWL-Schein gemacht. Außerdem sei sein Bruder Bilanzbuchhalter – da liege der Umgang mit Zahlen wohl in der Familie.

 In den kommenden Tagen dürfte der Haushalt 2020 rechtskräftig werden. In der Kämmerei wird bereits am nächsten Haushalt gearbeitet. Normalerweise wird der Haushaltsentwurf vor den Sommerferien in den Rat eingebracht und im Dezember beschlossen. Da in diesem Jahr im September Kommunalwahlen sind und sich der neue Stadtrat im November zur konstituierenden Sitzung trifft, wird die Verabschiedung des Haushaltes 2021 später erfolgen als sonst üblich.

Aber auch dabei bleibt Norbert Müller absolut gelassen. Er habe ein hervorragendes Team, die Stimmung sei gut. In den Anfängen 2005 habe man den Haushalt noch kameral (Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben) geführt, bis 2009 die Umstellung auf die doppische oder kaufmännische Rechnungsführung (doppelte Buchführung) kam. Die Kämmerei habe da schon große Dinge stemmen müssen. Heute ist das neue kaufmännische Finanzmanagement für alle Routine.

Doch die vergangenen Jahre waren kein Spaziergang. Es waren riesige Sparrunden zu bewältigen. In diesem Jahr ist der Haushalt knapp ausgeglichen. Und es bleibt spannend: Wie wirkt sich die Grundsteuerreform bei den Kommunen aus? Wie entwickeln sich die Schlüsselzuweisungen des Landes, wie die Gewerbesteuer?

1988 zog Müller nach Lobberich. Zum Rathaus kann er zu Fuß gehen oder das Rad nehmen. Ein großer Einschnitt war, als seine Frau starb. Im April werden es vier Jahre her sein. Er hat sein Leben neu strukturiert. Die Musik gehört auf jeden Fall dazu. Er besucht gerne Konzerte, singt aber auch gerne selber mit im Chor. Als der Jugendchor in der Alten Kirche einen Gosepl-Workshops gab, rutschte Müller in die Chorgemeinschaft.

Auf seinem Nachtisch liegt aktuell das Buch „Kinder der Freiheit“, der historische Roman des Briten Ken Follett. Und als nächstes wartet ein Thriller von Frederick Forsyth.