Nettetal: Großes Festbankett zum 900-jährigen Bestehen von Breyell

Jubiläumsfeierlichkeiten : Breyell ein „unglaublich starkes Stück“ Nettetals

Die Geschichte und Gegenwart Breyells spiegelten sich in Reden und Musik bei einem großen Festbankett zur 900-Jahrfeier.

Da konnte sich Nettetals Bürgermeister Christian Wagner des Beifalls gewiss sein, als er von Breyell als einem „unglaublich starken Stück unserer Heimatstadt“ sprach. In seinem Grußwort beim Festbankett zur 900-Jahrfeier des drittgrößten Nettetaler Stadtteils stellte er die Vorzüge des Ortes heraus: neue Arbeitsplätze durch neue Betriebe („Wir erleben einen Run auf Gewerbeflächen“), neue Baugebiete („Am Hohlweg rollen die Bagger“), ausreichend Schulen und Kindergartenplätze („Am Felderend wird demnächst eine neue Kita fertig“) und bald ein neues Lehrschwimmbecken. Und dann habe Breyell mit der Stadtbücherei einen „Ort der Begegnung mit Wirkung über Nettetal hinaus“. Wagners Fazit: „Nettetal bleibt attraktiv – erst recht in Breyell.“

Auf welchem Fundament dies alles beruht, skizzierte der Philologe, Historiker und Erste Beigeordnete der Stadt Viersen, Paul Schrömbges, der aus Kaldenkirchen stammt, dessen Mutter aber eine Breyellerin war. Er machte markante Zeitepochen an wichtigen Daten fest und versuchte, auch die Entwicklung der Sprache in diesem Raum darzustellen. Das Germanische verstand niemand, wohl aber war aus dem Wetterbericht von Ostern 1517 herauszuhören, dass ein Frost sämtliche Blüten vernichtete.

Römerzeit („Caesar war nicht hier“) und Mittelalter („Wozu gehörte Breyell 1118?“) ließen sich nur vage beschreiben, über die Reformationszeit weiß man einiges. Die Französische Revolution stellte auch in Breyell Althergebrachtes auf den Kopf zu einer Zeit, als der Ort „der größte und an Wirtschaftlichkeit stärkste in der Region war“. An den Eckpunkten „4. Oktober 1905“ (Einweihung der neuen St.Lambertus-Kirche) und „9. November 1938“ (Reichspogromnacht) machte Schrömbges die Entwicklung der katholischen Pfarre und das Schicksal der Breyeller Juden fest. Dabei ließ er Erinnerungen seiner Familie einfließen: Seine Mutter verwahrte ihr Leben lang eine kleine Aussteuer, die Jettchen Levy ihr gebracht hatte: „Pass dodrop op, bös ech tröck komm“ (Pass drauf auf, bis ich zurückkomme). Sie kam nie zurück, sondern wurde in Riga ermordet.

Auch wenn Breyell seit 1970 nicht mehr selbstständig ist, habe er um den Fortbestand keine Sorgen, sagte Schrömbges: „Breyell hat Bestand, wenn sich die Breyeller um Breyell kümmern.“ Sein zarter Hinweis, der Ort könne sich durch eine gründlich erarbeitete Geschichte nachträglich ein Geburtstagsgeschenk machen, stoße „nicht auf taube Ohren“, versicherte Holger Michels, 2. Vorsitzender des die 900-Jahrfeier organisierenden Verkehrsvereins.

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