Auswirkungen der Corona-Pandemie in Nettetal Gastronomie steht unter großem Druck

Nettetal · Das Restaurant Alter Braukeller in Schaag öffnet noch einmal am Wochenende. Dann ist Schluss. Das Unternehmen musste wegen der Corona-Folgen Insolvenz anmelden. Dagegen öffnet die Waldesruh in Hinsbeck mit neuer Küche.

 Verschlossene Türen und ein Dankeschön an die Kunden: Was aus dem Café Floral im Zentrum von Lobberich wird, ist noch unklar.

Verschlossene Türen und ein Dankeschön an die Kunden: Was aus dem Café Floral im Zentrum von Lobberich wird, ist noch unklar.

Foto: Heribert Brinkmann

Was viele erst für den Herbst erwartet haben, zeichnet sich bereits jetzt ab. Die Corona-Pandemie mit dem Lockdown hat die Gastronomie vor Ort stark getroffen.

Definitiv geschlossen wird das Restaurant Alter Braukeller in Schaag. Wer auf die Homepage geht, liest dort den Satz: „Das Schönste an der Geschichte unseres Restaurants: Sie wird täglich weitergeschrieben.“ Das ist jetzt Vergangenheit. Die GmbH mit Produktionsstätten in Düsseldorf, Essen, Willich und Nettetal hat Insolvenz angemeldet. Das Restaurant wird am Wochenende zum letzten Mal geöffnet sein, dann ist Schluss. Nur die Event-Location bleibt vorerst weiter geöffnet. Die sechs Festangestellten in Schaag bleiben bis 31. August im Braukeller.

Bis Ende 2020 will Eigentümer Stefan Bäumges den Alten Braukeller als Eventlokal fortführen. Aber niemand wisse, wie es weitergehe. Allein im Juni sind acht Veranstaltungen mit über 500 Gästen weggebrochen. Die Gemeinschaftsverpflegung für Senioren, Behörden und Betriebe wurde gestoppt. Veranstaltungen wie Hochzeiten, Abibälle, Betriebsfeste, Kommunion und Konfirmation wurden abgesagt. Auch die Ausrichtung des Sommerfestes des Kreises Viersen wurde gecancelt. Die Zunahme von Homeoffice während der Corona-Krise hat auch die Betriebe verändert. Von 36 Kantinen, die Bäumges belieferte, sind derzeit nur fünf geöffnet.

Die anderen Produktionsstätten werden ab 1. September von einem Groß-Caterer übernommen. Damit ist die Zukunft der meisten Mitarbeiter gesichert, was Bäumges sehr froh macht. Die Branche hofft, dass ab der 33. Kalenderwoche (10. bis 16. August) die Versorgung der Schulen und Kindergärten wieder möglich wird. Wenn nicht, habe man große Probleme. Bisher seien Großveranstaltungen bis 31. Oktober untersagt. Er selber befürchtet, dass es so bis zum Jahresende weitergehe. Wenn aber das Weihnachtsgeschäft mit den ganzen Betriebsfeiern und Kundenterminen wegbricht, werde die gesamte Branche straucheln. Auf diesen Teil des Jahresumsatzes könne niemand verzichten, auch der Einzelhandel nicht. Die Branche stellt sich, so Stefan Bäumges weiter, auf eine recht harte Zukunft ein. Wie die Telefon- und Videokonferenzen den gesamten Tagungs- und Konferenzbereich in Zukunft verändern werden, sei jetzt noch gar nicht abzusehen.

Bereits bis Juli sind Bäumges Umsätze in Höhe eines Millionenbetrags weggebrochen. Zum Glück befinde sich die Immobilie und das Land in Schaag in Familienbesitz. Aber derzeit ein deutsches Restaurant rentabel zu führen, habe für ihn keinen Sinn. Die letzten Wochen und Monate in der Krise haben viel Kraft und Nerven gekostet. Auf die Frage, was er im nächsten Jahr machen werde, hat Bäumges noch keine Antwort: „Ich weiß es noch nicht.“

Während das Café Floral in Grevenbroich wegen Corona bis Ende September geschlossen bleibt, weil sich der Betrieb so nicht lohne, war in Lobberich bislang nichts zu erfahren. Die Internetseite ist noch im Aufbau. Die Tür ist verschlossen, aber Tische und Stühle vor dem Café stehen noch bereit. Auf die Fensterscheiben des Cafés sind Herzchen gemalt, den Kunden wird für das erste Jahr gedankt. Telefonisch und per Mail war niemand erreichbar.

Drei Tage lang geschlossen war auch Haus Waldesruh in Hinsbeck. Die Pächter haben nach sechs Jahren aufgehört. Das Lokal wird aber am Samstag, 1. August, wieder geöffnet. Neuer Pächter wird Thomas Christodoulos sein, unter dem Namen Yamas im Haus Waldesruh soll dort griechisch-mediterrane Küche angeboten werden. Außer der Speisekarte und dem Service wird sich dort an der Heide 7 wenig ändern. Innen drin sieht es wie vorher aus.

In ihren Kommunalpolitischen Positionen fordert die IHK von den Städten Unterstützung für Branchen in Schwierigkeiten, etwa die Gastronomie. In Nettetal war man stets an der Seite der Gastronomen. Aber es liegt natürlich auch an den Einwohnern und Gästen der Innenstädte, das Angebot der Gastronomie zu nutzen und die Hygiene-Maßnahmen in Kauf zu nehmen.

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