Nettetal: Erinnerungen an Breyells „wilde Jahre“

Breyell : Erinnerungen an Breyells „wilde Jahre“

In der nächsten „Blauen Stunde“ der Stadtbücherei am 10. Oktober erzählt und spielt die Gruppe „Breyell Kultur“ Geschichten und Sketche aus den ersten Nachkriegsjahrzehnten.

Brave Jonges und Holzfäller, das Haus Grenzmark, die Metgesheider Schützen, die Pesta-Bar und das Turm-Café am Lambertimarkt – sie alle sind Akteure und Schauplätze einer Nostalgierevue, die die Gruppe „Breyell Kultur“ unter der Leitung von Rolf Ingenrieth auf die Bühne bringt. Die Vorstellung am Donnerstag, 10. Oktober, 17 Uhr, in der Stadtbücherei in Breyell ist nahezu ausverkauft.

Offiziell heißt das Programm nur „Breyell in den sechziger Jahren“, doch inoffiziell wird von den Akteuren von „Breyells wilden Jahren“ gesprochen. Die meisten Akteure von ihnen, heute um die 70 oder 80 Jahre alt, waren damals mit dabei.

„Trockenheit“ kannte man damals nicht, denn es gab in den 1950er Jahren noch 51 Gaststätten, von denen vielleicht noch ein Dutzend geblieben sind; es gab 13 Säle, von denen nur noch einer existiert. Auf sieben Kegelbahnen tummelten sich an die 50 Clubs; heute gibt es nur noch zwei Bahnen, die nicht ausgelastet sind, „und vielleicht 15 Kegelclubs“, resümiert Günter Cox, der sich mit Breyells „Wirtschafts-Geschichte“ befasst hat.

Dabei waren die Breyeller Kegler einst Spitze“ bei Orts-, Stadt- und Grenzland-Meisterschaften. An den „Brave Jonges“ und den „Holzfällern“ kam kaum einer vorbei. Zwei Meisterkegler, so wird es noch heute erzählt, waren dann in Hochform, wenn sie den Ratschlag „“Erst die Kugel, dann das Bier““ genau umgekehrt verfolgten. Die Kegler haben auch einmal Fußball gespielt, wie ein denkwürdiges Bild zeigt; hier aber wurde der Gestensaft doch lieber für die dritte Halbzeit“ zurückgestellt.

Fest im Gedächtnis geblieben ist auch ein Vogelschuss der Metgesheider Bruderschaft am Ostermontag des Jahres 1951. Als der Holzvogel sich als sehr standhaft erwies und nicht fallen wollte, wurde er etwas gelockert. Und mit dem nächsten Schuss holte ihn Mathias Kirchhofer dann sofort von der Stange. „“Dat wullt ich neet, das wullt ich neet““, rief er ganz erschrocken und verzweifelt. Als einige Schützen schon auf dem Weg zu ihm nach Hause waren, um seine Frau zu unterrichten und den schwarzen Anzug zu holen, hatte die Bruderschaftsspitze ein Einsehen und baute den Vogel noch einmal auf. Mathias Kirchhofer hat dann nicht mehr geschossen, den Vogel holte ein anderer herunter.

„Pesta-Bar“ und „Turm-Café“ sind heute noch noch vielen Breyellern ein Begriff. Die eine befand sich samt Separee im ersten Obergeschoss des Marktstübchens, das andere gegenüber an der Ostseite des Markplatzes im „Stahlmann-Bau“, den Willi Palm entworfen hatte. Im „Turm-Café“ gaben sich die damaligen Schlagerstars die Klinke in die Hand. Gerd Böttcher sang nicht nur „Für Gaby tu ich alles“, sondern legte seine Arme auch auf die Schultern von „Prüme Männ“ und Backes Erhard, damals Jungbeamte der Breyeller Verwaltung, gesittet angezogen mit dunklem Anzug, weißem Hemd und Schlips.

Die Schlager aus jener Zeit bringt die Truppe mit vielen Bildern der damaligen Zuhörer auf die Bühne; nur vom Besuch des Fußballers Günter Netzer, der im Jaguar E und mit einigen „Fohlen“ der Mönchengladbacher Borussia ebenfalls im Turmcafé-Nachfolger „el Torro“ auftauchte, gibt es leider keine Bilder.

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