An Wanderweg in Nettetal Elektrozaun soll Biber an Damm-Ausbau hindern

Nettetal · Ein Biber hat mit einem Damm am Mühlenbach im Ferkensbruch für überflutete Wege gesorgt. Sie sind gesperrt. Der Netteverband versucht nun, den tierischen Baumeister ein wenig zu bremsen.

 Der Biber am Mühlenbach ist ein fleißiger Baumeister – so fleißig, dass der Netteverband nun eingreift.

Der Biber am Mühlenbach ist ein fleißiger Baumeister – so fleißig, dass der Netteverband nun eingreift.

Foto: Stadt Nettetal

Der eine oder andere kennt es vielleicht noch aus Kindertagen: Eine Kuhweide, die mit einem dünnen Draht umgeben war – und den anzufassen, war eine kleine Heldentat. Denn der Draht stand unter schwachem Strom und man bekam einen unangenehmen „Schlag“, etwa wie ein kräftiger Klaps auf die Finger. Mit dieser Methode will es der Netteverband nun auch beim Biber versuchen, der vor knapp drei Wochen im Ferkensbruch bei Lobberich mit einem Damm am Mühlenbach wieder für Hochwasser und überflutete Wander- und Spazierwege gesorgt hat. Von einem Teilstück des Damms soll ein wenig Baumaterial abgetragen werden, damit das gestaute Wasser über den verbleibenden Rest abfließen kann. Und auf der Dammkrone soll ein Elektrozaun errichtet werden. Der soll dem Biber den Spaß daran nehmen, den Damm noch weiter aufzutürmen.

Die „minimalinvasivste Maßnahme“ nennt Netteverbands-Chefin Nicole Scheewe diesen Plan, der mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt und von dieser genehmigt ist. Kurzen Prozess mit dem Damm kann man nicht machen, denn der Biber steht unter Naturschutz und solche radikalen Eingriffe in seinen Dammbau wären wohl nur in ganz besonderen Ausnahmefällen möglich. Wer Dämme einfach so zerstört, muss mit Strafe rechnen, wenn er erwischt wird. Die Stadt Mönchengladbach hat beispielsweise vor einigen Jahren auf der Suche nach Tätern auch Fotos von Wildtierkameras gesichtet, nachdem Unbekannte dort Biberdämme zerstört hatten.

Unter strengem Schutz stehen die Tiere, weil sie einst in der Region heimisch waren, dann durch Bejagung aber ausgerottet wurden. Erst in jüngerer Zeit zogen nach und nach wieder Exemplare am Niederrhein ein. Im Kreis Viersen sind es nach Schätzung von Experten etwa 50 bis 55 Biberpaare. Der Bau von Dämmen spielt für den Nachwuchs eine Rolle. Denn der Eingang in die Biberburg, in denen die Jungtiere zunächst aufgezogen werden, muss so weit unter der Wasseroberfläche liegen, dass Räuber nicht in die Burg eindringen können. Und wenn das Gewässer zu flach ist, dann wird eben gebaut und gestaut.

Der Elektrozaun soll in den nächsten Tagen erbaut werden und dann sechs bis acht Wochen lang stehen. Die Hoffnung ist, dass der Biber dann verstanden hat. Die Sperrung der gefluteten Wanderwege wird aber wohl noch eine Weile bestehen bleiben. Denn erst einmal muss das Wasser sich von den Wegen zurückgezogen haben und dann wird man wohl auch noch schauen, ob der Weg Schäden erlitten hat.

Als langfristig wirksame Maßnahme sollen rund 50 Bäume mit einer ungiftigen Paste bestrichen werden, die Quarzsand enthält und dem Biber das Knabbern an den Stämmen verleidet.

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