Denkmäler in Nettetal An der Rochuskapelle wird wieder die einzige Messe des Jahres gefeiert

Serie | Nettetal-Hinsbeck · Früher nutzten die Herren von Schloss Krickenbeck gelegentlich das idyllisch im Wald gelegene Gotteshaus. Heute wird dort nur noch an einem Tag im Jahr eine Mese gefeiert – doch die lockt viele Menschen an.

 Die Rochuskapelle liegt im Wald und ist mit dem Auto nicht zu erreichen; das geht nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Die Rochuskapelle liegt im Wald und ist mit dem Auto nicht zu erreichen; das geht nur mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Foto: Heinz Koch

In wenigen Tagen ist es wieder so weit: An der Rochuskapelle in Hombergen wird eine Messe gefeiert – die einzige im Jahr. Bei früheren Gelegenheiten lockte das auch gerne mal 300 Menschen oder mehr an. Gefeiert wird die Messe immer am Samstag nach dem Rochustag (16. August), und das ist in diesem Jahr der 19. August. Dann steht auch die 71 Zentimeter hohe und etwa 300 Jahre alte Holzfigur des Heiligen Rochus auf dem Altar.

Das Alter der Figur verweist auf das Alter der Kapelle. Messen dort sind seit Ende des 17. Jahrhunderts bekannt. Das kleine Gotteshaus wurde von den Besitzern des Kostenpflichtiger Inhalt Schlosses Krickenbeck, den Freiherren (ab 1706 Grafen) von Kostenpflichtiger Inhalt Schaesberg, erbaut und 1688 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Es ist eine dem Heiligen Rochus geweihte Pestkapelle. Da sie westlich der Nette steht, befindet sie sich im Stadtteil Leuth, das Schloss hingegen steht auf Hinsbecker Boden. Laut Denkmalliste handelt es sich „um eine schlichte, einschiffige Backsteinhalle mit flacher, dreiseitiger Abside mit geschweiftem Fassadengiebel und Dachreiter über dem steilen Satteldach. Die Kapelle ist aus architektonischer Sicht ein Beispiel ländlicher Sakralarchitektur des ausgehenden 17. Jahrhunderts“.

Der Überlieferung zufolge besuchten auch Pestkranke die Kapelle. Diese nutzten eine seitliche Türe, die später zugemauert wurde und heute nur noch durch eine Vertiefung erkennbar ist. Die Kapelle wurde von den Schlossbesitzern als Behelfskapelle genutzt, wenn zum Beispiel die Schlosskapelle renoviert wurde. Zuständig für die Messen in der Rochuskapelle und in der Schlosskapelle waren bis Anfang des 20. Jahrhunderts eigene, auf dem Schloss angestellte Geistliche. Von der Bevölkerung wurde die Kapelle zur Anbetung des Heiligen Rochus besucht. Bis zum Zweiten Weltkrieg fand mit der Messe eine kleine Krickenbecker Kirmes statt, bei der Gebrauchsgegenstände (etwa Heurechen und Stiele für Geräte) und Süßigkeiten (zum Beispiel Pfefferkuchen und Apfeltaschen) verkauft wurden. Davon ist bis heute der Verkauf von Apfeltaschen durch die Nachbarschaft Hombergen geblieben, der nun, nach der Pandemie, wieder aufgenommen wird.

1988 feierten die Kirchengemeinden Leuth und Hinsbeck gemeinsam das 300-jährige Bestehen der Kapelle. Mit großer Unterstützung der Straßengemeinschaft und des Grafen Heinrich von Schaesberg wurde die Kapelle umfassend renoviert. Dabei wurde das Symbol der Dreifaltigkeit auf der Deckenverkleidung über dem Altar, das kaum noch zu erkennen war, von Paul Glasmachers aus Hinsbeck wieder sichtbar gemacht. Ebenso arbeitete er den alten Altar wieder auf, wobei die bestehenden Motive und Farben erhalten blieben. Jakob Lückertz stiftete ein Ölgemälde mit der Darstellung des Rochus, das heute in einem alten Rahmen über dem Altar hängt. Weil es früher Fälle von Vandalismus gegeben hat, ist der Bereich um die Kapelle in der Regel abgesperrt und die Einrichtungsgegenstände sind entfernt.

Die jährliche Rochusmesse wird abwechselnd von den Pfarrgemeinden Leuth und Hinsbeck organisiert. In diesem Jahr ist Leuth zuständig. Los geht um 10 Uhr, die musikalische Gestaltung übernimmt das Pfarrorchester Leuth. Die Kapelle liegt gegenüber dem Seiteneingang zum Schloss Krickenbeck im Wald.