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Nettetal: Automatenverkauf ist in der Landwirtschaft voll im Trend

Landwirtschaft in Nettetal : Automatenverkauf ist voll im Trend

Jakobs Landei vom Mevissen-Hof in Bocholt verkauft erfolgreich die Eier der Freilandhühner aus mobilen Ställen am eigenen Automaten, aber auch Hundeleberwurst. Wie die Landwirtschaftskammer die Vermarktung unterstützt.

Immer mehr Höfe setzen auf mobile Hühnerställe. Eine Massentierhaltung ist den Verbrauchern immer weniger zu vermitteln. Mit Freilandhühnern kommt das Federvieh wieder zurück in die bäuerliche Landwirtschaft. Was zu Zeiten der Großeltern vor 50 Jahren normal war, kehrt als moderner Trend zurück. Doch die artgerechte Haltung von Hühnern kostet viel Geld. Rentabel kann es oft nur sein, wenn der Hof die Eier direkt an Endkunden verkauft. Wer aber keinen Hofladen hat, braucht einen Verkaufsautomaten.

Milch- und Warenautomaten boomen, heißt es bei der Landwirtschaftskammer NRW. Die Zugriffszahlen auf das Standortverzeichnis für Verkaufsautomaten ab Hof (www.landservice.de) beweisen es. Wegen des hohen Kundeninteresses hat die Kammer ihr Bauernhofportal überarbeitet und erweitert. Mit dabei ist auch Familie Mevissen mit ihrem Hof in Lobberich-Bocholt. Bis in die 1960er Jahre bestand die Landwirtschaft auf ihrem Betrieb aus Hühnern, Kühen und Schweinen. Danach spezialisierte sich die Familie auf Schweinehaltung und Ackerbau. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb bewirtschaftet den Hof in Bocholt bereits in der siebten Generation. Der junge Landwirt Jakob Mevissen (20) hat den Hof übernommen und führt die Tradition weiter. „Vor zwei Jahren hat unsere Familie mit der Haltung von zehn Hühnern im Garten begonnen. Wir haben uns intensiv mit den Tieren beschäftigt und erste Erfahrungen in der Hühnerbetreuung gesammelt. So wurde mein Wunsch geweckt, Hühner in einem rollenden Hühnerstall zu halten. Nachdem ich mich in Fachzeitschriften informiert hatte, wusste ich, dass es für uns die richtige Entscheidung ist“, sagt Jakob Mevissen junior. Vater und Sohn fingen voller Vorfreude an, ein Hühnermobil zu bauen. Innerhalb von vier Monaten entwickelten und fertigten sie das Hühnermobil von der ersten Skizze bis hin zum fertigen Wagen. Im Oktober 2020 kam das erste Mobil auf die Wiese.

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Auf den Weiden am Ortseingang (Kreuzung Kempener Straße/B509)  stehen die mobilen Hühnerställe von Jakob‘s Landei gut sichtbar. Direkt daneben, Am Schlibecker Berg/Oberes Heidenfeld, steht ein Eierautomat. Dort können an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr Eier, aber auch Nudeln oder Soßen besorgt werden. Dort ist auch ein Tisch mit Bänken aufgestellt. So können sich immer wieder Familien hinsetzen, die ihren Kindern mal „echte lebendige Hühner“ zeigen wollen. Bei Mevissen sind es Lohmann Brown-Legehennen.

Die ersten Eier hat die Familie noch von Hand verkauft. Doch die Direktvermarktung kommt ihnen viel mehr entgegen. In Zeiten der Corona-Pandemie haben die Automatenverkäufe sogar noch zugenommen. Anscheinend kam der Einkauf an der frischen Luft und ohne Anstehen an einer Kasse bei den Kunden gut an. Ansonsten ist der Automat die Rettung für Verbraucher, die überraschend Besuch bekommen oder plötzlich keine Eier mehr im Kühlschrank haben.

Carina Steinhaus ist Landservice-Beraterin bei der Kreisstelle in Köln-Auweiler. Für sie ist nicht nur der zeitunabhängige Einkauf das überzeugende Argument. „Zum anderen kaufen die Kundinnen und Kunden frische Produkte ein, die auf dem Hof selbst erzeugt werden“, sagt Steinhaus. „Frischer geht es nicht“, stimmt ihr Jakob Mevissen bei. Sein Automat bietet nicht nur Eier der Größen M und L, zeitweise auch Junghenneneier. Die Eier von Mevissens Hühnern werden auch in einem Partnerbetrieb zu Nudeln verarbeitet, die ebenfalls im Automaten angeboten werden. Und da auch die Bruderhennen aufwachsen dürfen, wird deren Fleisch in Soßen verarbeitet, etwa zu Bolognese oder Chili con Carne. Es gibt sogar eine Hundeleberwurst mit Hühnerfleisch.