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Nettetal: August Peters, ein Weihbischof mit Leprahilfe-Fangemeinde

Straßennamen in Nettetal und ihre Geschichte : August Peters: Ein Weihbischof mit Leprahilfe-Fangemeinde

Die katholische Prägung Kaldenkirchens wird auch in zahlreichen Straßennamen sichtbar. Nicht alle Namen sind auf Anhieb konkret zuzuordnen.

Die einst überwiegend katholische Prägung der Grenzstadt schlägt sich auch in Straßenbezeichnungen nieder, von denen einige wie Clemens-, Severus- oder Brigittenstraße sich allerdings nicht auf den ersten Blick bestimmten Personen zuordnen lassen. Mit Severus ist sicherlich einer der Bischöfe von Ravenna oder Neapel (4. Jahrhundert) gemeint und kaum ein römischer Kaiser aus noch früheren Zeiten. Doch wird auch dezidiert an Geistliche erinnert, die aus Kaldenkirchen stammen oder deren Wirken für Kaldenkirchen wichtig war.

Die Bischof-Peters-Straße, die sich von der Kölner Straße aus nordöstlich bis zur Spitalstraße schlängelt, ist August Peters gewidmet, der 1931 in Kaldenkirchen als Sohn der Eheleute Josef und Anna Peters geboren wurde und von 1981 bis 1986 Weihbischof des Bistums Aachen und Titularbischof von Aquae Sirenses war. Er wurde 1958 nach seiner Priesterweihe zunächst Kaplan in Setterich (bei Aachen) und dann ab 1963 in St. Hubertus Schiefbahn, wo er bis 1980 blieb, inzwischen Pfarrvikar und auch Titularpfarrer, weit länger, als es für Kapläne üblich ist. „Die Verleihung des Pfarrertitels und die Bestellung zum Dechanten änderten nichts daran: er war in Schiefbahn der brüderlich Mittragende, der sich in seelsorglichem Eifer verzehrte, ohne auf Rang und Macht zu achten“, schrieb sein Bischof Klaus Hemmerle 1993 im Heimatbuch des Kreises Viersen.

In Schiefbahn gründete August Peters das Hilfswerk „Aktion Mission und Leprahilfe“, das heute noch existiert, rund 2000 ehrenamtliche Mitglieder in 250 Gruppen hat und rund um den Globus schwerpunktmäßig bei Trinkwasserversorgung, Bildung und Ausbildung, Medikamentenhilfe und Hilfsgütertransporten tätig ist. Peters’ charismatischer Umgang mit den Menschen schuf ihm eine große „Fangemeinde“, die eifrig für die Leprahilfe strickte. Seine Popularität sah Bischof Hemmerle in diesem Grundsatz begründet: „August Peters hat ganz klein von sich gedacht, aber viel mehr noch hat er groß von Gott und seiner Liebe gedacht“. Und er lebte nach dem Leitmotiv „Suchet, wo Christus ist“ aus dem Kolosser-Brief (3,1). Er starb nach einem längeren Darmkrebsleiden am 3. Mai 1986 und wurde im Aachener Dom beigesetzt. Der Kreis Viersen widmete ihm seine 26. Gedenkmedalle.

Mit einem die ganze erste Seite umfassenden Willkommensgruß hat die Kaldenkirchener Volkszeitung am 28. November 1928 den „hochwürdigen Herrn Johannes van Nooy“ als neuen Pfarrer an St. Clemens begrüßt. Zehn Jahre später heißt es über ihn in seinem Totenzettel: „Die Pfarrgemeinde hat ihrem toten Pfarrer vieles zu vedanken: Das Brigittenheim, die Friedhofskapelle, die Ausmalung der Kirche, die neue Turmuhr u. schließlich die Beschaffung der neuen Glocken, die er nur ein einziges Mal läuten hörte, sind sein Werk“ (Zitat nach Leo Peters, Geschichte der Stadt Kaldenkirchen).

Jan van Nooy war 1879 in Kalkar geboren worden, war Lehrer am Gymnasium Gaesdonk, Kaplan in Hassum und in Grefrath, bei Kriegsbeginn Krankenpfleger und dann Militärpfarrer, schließlich neun Jahre Kaplan in Waldniel, ehe er als 49-Jähriger nach Kaldenkirchen kam. Er fand im Pfarrhaus eine umfangreiche Bibliothek aus dem früheren Birgittenkloster, doch brachte er auch einen stattlichen Bücherpack mit. „Seine Straße“ liegt in der Nähe von Kirche und Pfarrhaus.

Nur mittelbar hat Arnold Janssen, dem eine weitverzweigte Straße gegenüber der Grundschule Buschstraße gewidmet ist, mit Kaldenkirchen zu tun. Der aus Goch stammende Priester (geboren 1837) hatte 1875 im Tegelener Ortsteil Steyl den Missionsorden „Societas Verbi Divini“ (SVD; Gesellschaft des göttlichen Worts) gegründet; er wich wegen der kirchenfeindlichen Politik der preußischen Regierung („Kulturkampf“) in die Niederlande aus, der Orden nutzte später Kaldenkirchen als Standort für den Versand der zahlreichen Schriften, die der Orden herausgab, ab 1928 in einem eigenen Gebäude an der Bahnhofstraße. Arnold Janssen wurde 1975 selig- und 2003 heiliggesprochen.