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Nettetal: Nette Runde für Alter und Ruhestand

Nettetal : Nette Runde für Alter und Ruhestand

Die Zwar-Gruppe Lobberich kommt ohne Vereinsstatuten aus und feiert doch ihr zehnjähriges Bestehen. Neben Geselligkeit und Unternehmungen steht der Zusammenhalt im Vordergrund: Zwarler kümmern sich umeinander.

Schweigen in der Runde. Die Frauen und Männer, die gern lachen und plaudern, sind ruhig. Sie konzentrieren sich, meditieren. "Das ist schön, dass beim Yoga wirklich mal alle ganz still sein können", scherzt Heinz Hoffmann. Die Zwar-Gruppe Lobberich, bekannt für viele Unternehmungen und pfiffige Ideen, ist immer für eine Überraschung gut. Die größte freilich verblüfft selbst Gründungsmitglied Jürgen Feist: "Ganz ehrlich, das hätte ich damals nicht gedacht, dass wir jetzt unser zehnjähriges Bestehen feiern!"

So lange schon treffen sie sich Menschen "zwischen Arbeit und Ruhestand" - daher das Kürzel Zwar. Es sind Berufstätige kurz vor der Rente, ältere Ruheständler, gesellige Typen und ruhige Vertreter, die meisten aus Lobberich. Etwa 40 "Zwarler" treffen sich hier.

Der jetzt 73-jährige Feist war skeptisch, als sich im März 2005 über 100 Interessanten in der Aula der damaligen Hauptschule trafen. Bürgermeister Christian Wagner hatte die registrierten 2573 Einwohner Lobberichs zwischen 50 und 65 Jahren eingeladen. Dabei waren Vertreter der Zwar-Zentralstelle NRW und Seniorenberater Christian Fortmann.

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"Sie wollen vielleicht noch einmal durchstarten, in Gemeinschaft etwas bewegen" ermunterte Wagner die Jungsenioren zur Gründung einer Zwar-Gruppe. Feist fand die Idee gut, zweifelte indes an der Umsetzung; "Wenn sich Deutsche zusammentun, wird immer ein Verein gegründet, das schreckt ab." Ein Verein wurde die wenige Tage später gegründete Zwar-Gruppe Lobberich nicht. Die Gemeinschaft funktioniert ganz ohne Mitgliedsbeiträge und Statuten.

Regelmäßig kommen sie in den Dörkesstuben zum Basistreffen zusammen. Sie berichten von Unternehmungen wie der Yoga-Runde und planen Aktivitäten für alle oder kleine Gruppen. An Computer-Runde und Malstunden, Radtouren und Ausflügen, Besuchen im Europaparlament oder in Museen, an Aktionen mit anderen Nettetaler Zwar-Gruppen oder an Vorträgen zu altersspezifischen Themen nehmen die teil, die Zeit und Lust haben. "Alles wird so geplant, dass für niemanden hohe Kosten entstehen", erklärt Feist. Die Versammlungen moderiert Heinz Hoffmann; der 68-Jährige vertritt als derzeit als jährlich neu gewählter Delegierter die Gruppe nach außen, etwa bei Zwar-Regionaltreffen.

"Bei uns sind Frauen in der Überzahl, wie das so ist in unserer Altersgruppe", erzählt Hoffmann. 52 Jahre alt ist der jüngste Zwarler, viel älter schon Kurt Müller: "Ich bin hier einer der Seniorchefs", schmunzelt der 89-Jährige. Marianne Teichmann (78) ist erst seit einem Jahr dabei: "Als mein Mann starb, suchte ich nach irgendeiner netten Runde, in der man was Neues unternehmen kann. Mit ZWAR hatte ich richtig Glück, hier sind auch Freundschaften gewachsen", sagt sie und ergänzt: "Familie und Nachbarn finden es gut, dass ich hier aktiv bin."

Spaß, Geselligkeit und Aktivitäten sind es nicht allein, die Zwar prägen: "Innerhalb der Gruppe kümmern wir uns umeinander, wir können uns aufeinander verlassen, machen Krankenbesuche, helfen bei Trauerfällen, die wir leider auch hatten", erklärt Feist. Derzeit befasst sich die Zwar-Gruppe Lobberich vor allem mit einem Thema - der Feier zum zehnjährigen Bestehen am 21. März um 11 Uhr in den Dörkesstuben. In der Runde macht sich Freude breit, als Hoffmann nach dem Bericht über die Yoga-Runde verkündet: "Der Bürgermeister hat sein Kommen zu unserem Jubiläum zugesagt."

(jobu)