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Nettetal: "Nein" hat bei 5905 Paaren keiner gesagt

Nettetal : "Nein" hat bei 5905 Paaren keiner gesagt

Wilma Clemens war 34 Jahre lang Standesbeamtin im Rathaus der Stadt Nettetal. Sie hat das Leben Tausender Bürger in der Stadt beurkundet. Die Kaldenkirchenerin begann 1966 bei der Stadtverwaltung und ging nun in den Ruhestand.

"Nein" hat in all den Jahren niemand gesagt, wenn Wilma Clemens im Standesamt der Stadt Nettetal ein Paar fragte, ob es nun den Bund fürs Leben schließen wolle. Dass nicht jede Ehe hielt, ist auch ihr klar. Aber sie beurkundet den Entschluss, gemeinsam durchs Leben zu gehen. Das Leben Tausender Bürger ist über ihren Schreibtisch gegangen, buchstäblich von der Geburt bis hin zum Tod. Doch dieses Leben hat Wilma Clemens jetzt hinter sich gelassen. Sie hat sich in den Ruhestand verabschiedet.

Das Büro der Nettetaler Standesbeamtin gab bereits Aufschluss darüber, dass ihr der Beruf vieles, aber eben auch nicht alles ist. Die Balance zwischen Beruf und Freizeit hat sie stets gehalten. Wer genau hinschaute, kennt ihre Hobbies. Alles hat einen Bezug zur bisherigen Tätigkeit, ihren Eigenarten oder zur Freizeit. Da war beispielsweise Kunstschnee, der auf ihr Hobby Skifahren hinwies, Stöcke für das Nordic Walking. Sie sammelt Edelsteine, will noch einmal lernen Keyboard zu spielen. Und sie will fotografieren.

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Zur Verabschiedung fanden sich aktuelle und ehemalige Kollegen ein, unter ihnen die Standesbeamtinnen Kirsten Esser und Bernhild Mertens. Wilma Clemens ist die Tochter des Gastwirt-Ehepaars Gertrud (geborene Thelen) und Hubert Küppers, die jahrzehntelang das "Alte Brauhaus" zwischen Pfarrkirche und Rathaus in Kaldenkirchen führten. Die gebürtige Kaldenkirchenerin trat am 1. April 1966 ihren Dienst bei der Stadtverwaltung an. Ab Januar 1970 war sie Sachbearbeiterin und anschließend Sachgebietsleiterin im Steueramt. Am 1. Mai 1979 wechselte sie ins kommunale Rechenzentrum nach Moers, von wo aus sie am 1. März 1981 zurückkehrte. Damals wurde sie Leiterin des Standesamtes.

In 34 Jahren beurkundete die Standesbeamtin in Nettetal 5905 Ehen und zwölf Lebenspartnerschaften. Bürgermeister Christian Wagner bescheinigte Wilma Clemens jene Kompetenz, die auch manche Herausforderung bewältigte. Denn Eheschließungen mit einem oder beiden Partnern ausländischer Herkunft können im Einzelfall schon kompliziert sein. Ungewöhnlich sind sie im Grenzraum nie gewesen. Nur waren vor einem halben Jahrhundert fast ausschließlich Niederländer beteiligt, heute sind Auslandsbeteiligungen sehr häufig. Das gilt für etwa 20 Prozent der Eheschließungen mit Menschen, die aus rund 30 Nationen stammen. Überwiegend handelt es sich um Niederländer, Polen und Türken.

Der Freitag ist im und am Rathaus in Nettetal immer ein besonderer Tag. Da herrscht im Standesamt regelmäßig Dauerstress. Das war am letzten Arbeitstag nicht anders - aber zweifellos auch nicht unangenehm. Wilma Clemens hat in den 34 Jahren auch erhebliche Veränderungen in der Form von Eheschließungen erlebt. Viele haben den Charakter einer Party. Der Wunsch nach "Ambientetrauungen" nimmt zu, immer häufiger wird gefragt, ob auch samstags geheiratet werden kann. Weitere Veränderungen wird Wilma Clemens nun aus der Ferne verfolgen (wenn überhaupt). Sie liebt die Bewegung, fährt gerne in Begleitung ihres Mannes und der Hündin Kira Ski.

(sa)