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Naturschutzhof des Nabu in Nettetal hat jetzt einen Färbergarten

Naturschutzhof in Nettetal : Neuer Garten zeigt alte Färberpflanzen

Jugendliche des Kolping-Bildungszentrums haben auf dem Naturschutzhof einen Färbergarten angelegt. Am Anfang des Gartens stehen Beispiele aus dem Mittelmeerraum. Angepflanzt wurden Lorbeer, Feigenbaum und Artischocken.

Der Naturschutzhof des Nabu im Sassenfeld ist um eine Attraktion reicher. Jugendliche des Kolping-Bildungszentrums Dülken haben unter Leitung von Jürgen Tüffers einen Färbergarten angelegt. Der Garten zeigt exemplarisch Pflanzen, die seit dem Mittelalter in vielen Ländern und Kontinenten zum Färben verwandt wurden. Tüffers arbeitet nicht nur für das Kolping-Bildungswerk, sondern ist auch Ansprechpartner für die Nabu-Ortsgruppe Nettetal. Die Leiterin des Naturschutzhofes, Wiebke Essmann, will den Färbergarten auch pädagogisch etwa für Schulklassen anbieten. Auch eine Vernetzung mit der Textilscheune und dem Freilichtmuseum in Grefrath wird angestrebt. Gewonnen werden konnten bereits eine pensionierte Textilingenieurin und die Künstlerin Petra Kanke aus Dülken, die mit Kaffeefiltern arbeitet.

Für Führungen wünschen sich Tüffers und Essmann noch eine weitere Bank und einen Tisch. Wer ein altes Teil los werden möchte, kann sich an den Naturschutzhof wenden. Eine Bank wurde bereits gespendet und in der Holzwerkstatt des Bildungszentrums „aufgemöbelt“. Auch die Wege und der kleine Platz wurden von den Jugendlichen mit viel Liebe zum Detail gepflastert. So wurde auch viel Glück in Form von Hufeisen eingearbeitet. Der Weg mit verschiedenen Formen des Plasters soll Gartenbesitzern zeigen, welch vielfältige Möglichkeiten es dafür gibt. Der Besucher betritt den Garten durch ein kleines Tor. Auffällig auf der Fläche von ungefähr 100 Quadratmetern ist ein „Totempfahl“. Er steht im Umfeld von Pflanzen, die von den Indianern in Nordamerika zum Färben benutzt wurden.

So nutzen die Navajos Dahlien für gelb-orange Farben, die Kiowe-Indianer trugen die Farben auf ihre Körper und den Federschmuck auf. Die Wurzel der Berberitze, die Blüten der Schwertlilie oder die Kermesbeere waren den amerikanischen Ureinwohnern für ihre Farbkraft bekannt.

Am Anfang des Gartens stehen Beispiele aus dem Mittelmeerraum. Angepflanzt wurden Lorbeer, Feigenbaum und Artischocken. Sie haben sich schon prächtig entwickelt. Viele Pflanzen wurden eingesäht, sie alle zu kaufen, hätte den finanziellen Rahmen gesprengt.

Ein Infoblatt am Eingang führt ins Thema ein. Schon Karl der Große hat für sein Riesenreich die geeigneten Pflanzen benannt. Im Laufe der Jahrhunderte seit dem Mittelalter wurden 1260 Färbepflanzen bekannt, etwa 50 Arten sollen im Naturschutzhof gezeigt werden. Der Ginster kommt noch. Viel Wissen ist allerdings auch wieder verloren gegangen, da das Färben in den Haushalten oder Bauernhöfen schon lange aus der Mode gekommen ist. So werden viele Pflanzen wie Färberkrapp oder Färberwau für die meisten eine Neuentdeckung sein, ebenso Mädchenaugen. Die getrockneten Blätter des Färberwaid wurden mit Urin angesetzt.

Ebenfalls recht neu ist der benachbarte Naschgarten. Auf hundert Quadratmetern werden Beeren und Obstsorten angebaut: Johannisbeeren, Brombeeren, Holunder, Stachelbeeren, aber auch Äpfel. Zu beiden Gärten will Essmann Führungen und Workshops anbieten. Dafür ist der Naturschutzhof auf Ehrenamtler angewiesen.