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Nettetal: "Nachtexpress" ist schon wieder dicht

Nettetal : "Nachtexpress" ist schon wieder dicht

Die Nachfolge-Disko des BaCa hat sich nur ein halbes Jahr gehalten. Pächter Frank Lex spricht von "Unwirtschaftlichkeit" als Grund für den Rückzug. Besitzerin Silke Langner lässt die Zukunft offen.

Erst schwelten nur Gerüchte, nun ist es Gewissheit: Die Diskothek "N8express" im Bahnhof ist schon geschlossen. Das bestätigten der Pächter Franz Lex und Besitzerin Silke Langner. Wie's weitergehen soll mit dem ehemaligen Bahnhofscafé("BaCa") bleibt offen. Er habe aufgegeben, weil der Laden "unwirtschaftlich" und ein Zuschussgeschäft sei: "Wir sind nicht mit 300 000 Euro da angetreten."

Viel reinbuttern wollte der Pächter, der in Köln das Eventlokal Rheinterrassen betreibt und sich zuletzt in Hannover aufhielt, in die Disko nicht. Aber auch "nicht jeden Monat 5000 Euro Miese machen", wie er sagt.

Es gab von vornherein Zweifel an Konzept und Seriosität. Im September 2012 verkündete Silke Langner auf der Party zum 30. Geburtstag des BaCa dessen Ende: "Ich danke euch für 30 tolle Jahre!", rief sie den verblüfften Gästen zu. Die Witwe des Baca-Gründers Axel Langner hatte nach mehreren Krisen — die Bahn wollte den Pachtvertrag nicht verlängern — 2004 das Bahnhofsgebäude erstanden. Sie führte die Disko weiter, die sich als Alternative zu modernen Hochglanz-Tanztempeln verstand.

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Der neue Pächter kochte die Tradition auf Sparflamme runter: "Einer der Floors war für alternative Rockmusik, doch das kam bei den anderen Gästen nicht an." Bis allerdings überhaupt Gäste kommen konnten, gab's erhebliche Irritationen. So wurde die geplante Eröffnung des Nachtexpress vom 13. Oktober auf Ende November verschoben — und stand bis zuletzt auf der Kippe: Die Unterlagen für die Konzession waren "nicht vollständig".

Zur Eröffnung kamen zwar 1100 Gäste, aber nur 900 fanden Einlass: "Mehr durften nicht rein, viele der Enttäuschten haben seitdem auf Facebook Stimmung gegen uns gemacht", behauptete Lex, der in Köln allerdings auch mit heftiger Kritik zu kämpfen hat. Anfang Mai räumte Lex-Mitarbeiter Ali Karatas ein: "Der Laden läuft nicht gut, man hängt uns ein schlechtes Image an." Trotzdem eröffnete er noch am 18. April im Nachtexpress das Bistro Speisewagen. Aber der ist auch geschlossen.

Zwei Stammgäste wundern sich nicht: "Es wurde schon lange gemunkelt, die Disko war nicht schlecht, aber eben kein Baca", meint Studentin Eva. Ähnlich sieht das ihr Kommilitone Dennis: "Viel in Schwarz und Weiß, Teppich im Eingang, der Nachtexpress hatte im Vergleich zu anderen Diskos kein eigenes besonderes Flair." Lex' Resümee fällt anders aus: "Wir haben zwar auch Fehler gemacht, aber der Laden wird einfach nicht gebraucht, hier gibt's schließlich die Diskos King's und Brösel, die gut laufen." Lex kündigte an, "weiter Geschäfte in Köln" zu betreiben. "Frau Langner will ja vielleicht selber weiter machen", fügt er hinzu.

Doch die Besitzerin winkt ab: "Ich bin froh, dass es jetzt vorbei ist, da hätte man wirklich mehr draus machen können." Ihre Pläne lässt sie offen: "Es gibt für mich drei Optionen: verkaufen, verpachten oder selber weiter führen — ich weiß es noch nicht." Am Fronleichnamstag packte sie selbst mit an beim Aufräumen: "Für den 20. Juni ist hier die Vorabi-Fete vom Werner-Jaeger-Gymnasium geplant, die wird stattfinden."

(RP/rl)