Nettetal: Nachkriegs-Reliefs waren umstritten

Nettetal: Nachkriegs-Reliefs waren umstritten

Christliche Symbole in Hinsbeck: Die Kreuzkapelle, Teil II.

Der Höhepunkt der Neugestaltung der Kreuzkapelle war 1909 die Stiftung einer Reliquie des Heiligen Kreuzes durch Pastor Kroll aus Bracht. Sie wird heute in einer Monstranz in der Pfarrkirche aufbewahrt. Im Jahr 1910 wurde auf einem Postament am Rande der Böschung eine Marienstatue aufgestellt. Mitte der 1960er-Jahre verschickte Pastor Rulands die Statue zur Renovierung, danach verliert sich ihre Spur.

Die Terrakottareliefs der Fußfälle wurden in der Zeit des Nationalsozialismus mutwillig zerstört. Erst 1957 konnten die Hinsbecker die Bildhauerin Erika Vonhoff aus Aachen beauftragen, neue Reliefs zu schaffen. Die ersten drei Arbeiten stießen wegen ihrer Größe von 2,10 mal 1,20 Meter und ihrer modernen Gestaltung auf Ablehnung in der Bevölkerung. Man ließ sie in den Fußfällen mit einer Schutzschicht vor dem Bild einmauern. 1959 schuf Frau Vonhoff sieben wesentlich kleinere Reliefs aus Schiefer, die man in den Maueröffnungen bzw. vor den eingemauerten Großreliefs anbrachte. Die Dächer der Fußfälle wurden durch flache Platten ersetzt.

1967 gestaltete der Hinsbecker Kunstmaler Johannes Beeck die Fenster neu, der Fußboden wurde passend zur alten Decke erneuert. Die Abdeckung der Fußfälle hatte sich indes nicht bewährt. So wurden wieder Schieferdächer mit einem Kreuz angebracht. Der Aufgang von der Bergstraße wurde plattiert. 1995 und 1997 folgten weitere Renovierungen, das Innere wurde neu ausgeschmückt. Kapelle und Fußfälle wurden mit weißem Carrara-Trassmörtel verputzt, Dach und Kreuz erneuert und der Hahn vergoldet. Die Schieferdächer der Fußfälle mussten erneuert werden.

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Die Schieferreliefs von 1959 wurden entfernt, die drei eingemauerten Kreuzwegreliefs von 1957 wieder freigelegt. Die Schieferreliefs wurden 2012 außen an der Pfarrkirche angebracht. Die drei großen Reliefs wurden um vier neue Kreuzwegreliefs ergänzt, die beim zweiten Bildhauer-Symposium 1997 von zwei rumänischen Bildhauern hergestellt wurden.

Die vom Hinsbecker Glasmaler Johannes Beeck in den Farben weiß mit graublauen Einlagen gestalteten bleiverglasten Fenster geben dem Inneren ein klares und doch sakrales Licht. Der Fußboden aus grauen und roten Steinfliesen bildet eine vom Zentrum ausgehende sternförmige Verzierung. Die Decke wird aus einer hellen Holzvertäfelung mit dunkelbraunen Zierleisten gebildet. Das Innere schmückt ein alter, in hellblauem Marmor-Imitat bemalter Altar. Er stammt wahrscheinlich aus der alten, 1868 abgebrochenen Hinsbecker Pfarrkirche. An der Wand über dem Altar ist das ca. 3,5 mal 1,4 m große Eichenkreuz von 1904 angebracht, das sich bis ca. 1970 an der Außenwand befand. Die Kreuzenden laufen in Schmuckreliefs aus, am unteren Ende ist die Jahreszahl 1904 eingearbeitet.

Für die Ausschmückung der Wände wurde um 1990 ein alter Kreuzweg erworben. Es handelt sich um handkolorierte, um 1800 hergestellte Kupferstiche, die auf den Rahmen Beschriftungen in niederländischer oder plattdeutscher Sprache tragen. Eine Pieta, die Figur der schmerzhaften Mutter, die bis ca. 1990 in der Pfarrkirche St. Peter gestanden hatte, fand in der Kapelle einen würdigen neuen Aufstellungsort. Ringsum an den Wänden laden fünf alte Kirchenbänke zum stillen Verweilen ein.

(RP)
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