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Nettetal: Mutiger Sprung über die Grenze

Nettetal : Mutiger Sprung über die Grenze

Immer mehr junge Deutsche interessieren sich für die berufliche Ausbildung bei der Gilde Opleiding in Venlo. Im Rahmen ihres Berufsorientierungscamps mit Jürgen Vögeding in Nettetal sahen sich gestern dort 55 Mönchengladbacher Gesamtschüler um.

Nettetal/Venlo An ihre ersten Monate bei den Gilde Opleidingen in Venlo denkt die 18-jährige Melanie mit Schaudern zurück. Ich fühlte mich einsam und habe oft geweint", erzählte die Mönchengladbacherin gestern. Inzwischen ist sie begeistert. Sie bereitet sich auf zwei Berufsabschlüsse vor: Reisebürokaufmann und Front Office Managerin (Rezeptionistin). Im nächsten Jahr macht sie ihr mehrmonatiges Praktikum in Orlando/USA.

Den Zweig für Hotel und Restaurant an der Berufsschule (Gilde Opleidingen) in Venlo besuchten gestern 55 Jugendliche der Mönchengladbacher Gesamtschule an der Espenstraße. Im Rahmen eines Berufsorientierungscamps, das sie seit Montag in Nettetal verleben, wagten auch sie den "Jump across borders", den Sprung über die Grenze. Interessierter begleitet der jungen Leute war der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer, dessen Arbeitsschwerpunkt in Berlin die berufliche Bildung ist.

Stark in Berufspraktika

Auch für ihn war die Information neu, dass jeder Schüler in den Niederlanden einen Rechtsanspruch auf Ausbildung hat. Hier findet, anders als im dualen System in Deutschland, 80 Prozent der Berufsausbildung in beruflichen Schulen statt. "Die niederländischen Stärken sind die Berufspraktika. Hier ist nichts theoretisch. Zwar gibt es Werkstätten, Küchen, Bäckereien und Front Offices, aber an den regelmäßigen Berufspraktika kommt keiner vorbei", erklärte Marion Wolters. Sie betreut in Venlo deutsche Schüler und vermittelt Praktika "in aller Welt".

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Mirella Weber vom euregionalen Projektbüro Jump across borders warb für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Berufsbildung (GeBZ): "In den grenznahen Kreisen Viersen und Kleve sowie den Großstädten Mönchengladbach und Krefeld sollte man den Blick um 180 Grad wenden." In den Niederlanden zahlen über 18-jährige Schüler in der Berufsschule Schulgeld. Ausländische Teilnehmer erhalten 85 Prozent erstattet. Niederländisch sollte man allerdings können. Für deutsche Schüler gibt's in den Sommerferien vor Schulbeginn einen dreiwöchigen Sprachkursus in der Schule, zudem gibt es wöchentlich während der Schulzeit Förderkurse.

Die Mönchengladbacherin Melanie hat den Realschulabschluss mit FOS-Qualifkation an der Hauptschule in Rheindalen erworben. Sie bekam keinen Ausbildungsplatz in Deutschland, sie kam auch nicht an einer Fachoberschule unter. Sie hörte von der Gilde Opleiding und entschied sich zum Sprung über die Grenze. Nach den Anfangsproblemen hat sie Tritt gefasst. Sie fährt täglich um 7.30 Uhr mit dem Zug nach Venlo.

Mehr als die Hälfte der 55 Mönchengladbacher Gesamtschüler kann sich nach eigenen Angaben vorstellen, die Berufsausbildung in den Niederlanden zu machen. "Zumal man dann gute Chancen hat einen Arbeitsplatz zu bekommen", erklärte Darius.

(le-)