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Müllumlade bleibt zwischen Kreis Viersen und Stadt Nettetal umstritten

Nettetal : Müllumlade bleibt weiter umstritten

Bei einigen Themen wie der Müllumladestation gibt es kontroverse Meinungen bei Stadt Nettetal und Kreis Viersen. Bürgermeister Christian Wagner sieht aber keine atmosphärischen Störungen zwischen den handelnden Personen.

Hans-Willy Troost, FDP-Fraktionsvorsitzender im Nettetaler Stadtrat und seit 16 Jahren auch Mitglied im Kreistag, kennt die Empfindlichkeiten der handelnden Personen. „Ich weiß, dass Entscheidungen des Kreises vor Ort nicht immer auf Gegenliebe stoßen“, sagt er. Eigentlich möchte er als Mittler zwischen Stadt und Kreis Türen öffnen. „Mich erfüllt das tiefgreifende Gefühl mit Sorge, dass die Chemie zwischen Stadt Nettetal und Kreis Viersen nicht stimmt.“

Ein Knackpunkt sei immer noch die Müllumladestation, die der Kreis im damaligen Gewerbegebiet Venete geplant hat. Anfangs wurden die Pläne in Nettetal befürwortet, das Grundstück verkauft. Die Planung war im Nettetaler Rat einstimmig beschlossen worden. Dann kochte die Stimmung durch die Bürgerproteste hoch. Die Zustimmung wurde von CDU, SPD und Grünen zurückgenommen. Heinz-Willy Troost (FDP) berichtet, er sei persönlich angegriffen worden, bei einer Bürgerversammlung „versehentlich gestoßen“, so dass er zu Boden stürzte. Troost empfand es als Steigerung, dass Wagner einen externen Prüfer forderte, als der Kreis den alternativen Standort für eine Müllumladestation in Süchteln untersuchen wollte.

Auch für die interkommunale Zusammenarbeit habe es einen Rückzieher aus Nettetal gegeben. „Der Kreis hatte die Verträge für eine Vergabestelle schon fertiggestellt, als die Stadt erklärte, es doch selbst machen zu wollen“. So wurde die Vergabestelle für städtische Aufträge bei der Kämmerei angesiedelt.

Bürgermeister Christian Wagner (CDU) ist überrascht und verwundert: Diese Fragen seien doch „kalter Kaffee“. Es seien schon längst konstruktive Gespräche geführt worden und am Ende sei ein sachliches Einvernehmen zu Stande gekommen. Im Gegenteil: Beim Thema Waldbrandbekämpfung und rumänische Leiharbeiter sei die  Zusammenarbeit mit dem Kreis gut. „Mit dem Landrat gibt es keine persönlichen Disharmonien, vielmehr ein sehr gutes Miteinander.“ Auch Landrat Andreas Coenen (CDU) sagt: „Wir befinden uns laufend in einem engen und guten Austausch mit der Stadt Nettetal. Die Gespräche verlaufen lösungsorientiert und haben immer ein gutes Klima.“ Peter Fischer, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion, bestätigt zwar unterschiedliche Ansichten zwischen Stadt und Kreis, aber es sei der Stadt Nettetal unbenommen, ihre Interessen zu vertreten. Bei den Windrädern in Vorst, den Rettungswachen im Kreis oder der Müllumladestation in Kaldenkirchen gebe es vor Ort und im Kreis unterschiedliche Meinungen. Der Kreistag müsse eben das Ganze im Blick haben.

Hans Smolenaers, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kreistag, sieht aktuell keine Missstimmung. Es sei normal, dass kommunale Interessen und die des Kreises nicht immer deckungsgleich seien. SPD-Kreisvorsitzender Udo Schiefner kommentiert: „Da hat man sich auf beiden Seiten nicht gerade besonders lieb.“ Von einer Verstimmung habe er aber nichts bemerkt. Die SPD im Kreis hatte gehofft, dass Landrat Andreas Coenen als Mittler und Moderator zwischen Kreis und Kommunen sowie Verwaltung und Politik fungieren würde. Dieser partnerschaftliche, offene Dialog sei ihm nicht gelungen.