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Nettetal: Modellbahn statt Türrahmen

Nettetal : Modellbahn statt Türrahmen

Walter Brandt musste als Kind lange warten, bis seine erste Modelleisenbahn unterm Christbaum lag. Das Spielzeug der Lobbericher Firma Rokal hat ihn bis heute nicht losgelassen. Sein immenses Wissen teilt er gern mit anderen.

Als Walter Brandt ein Kind war, war Weihnachten für ihn eine Zeit der Sehnsucht. Er wünschte sich nichts sehnlicher als eine Modelleisenbahn — und drückte sich die Nase an der Schaufensterscheibe der Firma Hölter in Nettetal platt, wo der Lobbericher Modelleisenbahnhersteller Rokal im Advent seine Züge fahren ließ. Heute, mit 65 Jahren, ist Walter Brandt am Ziel seiner Träume, besitzt unzählige Rokal-Loks und -Wagen, dazu jede Menge Zubehör. Zudem ist er ein Experte in Sachen Rokal und hilft Eisenbahnfreunden aus ganz Europa gern mit Ersatzteilen aus.

Was Walter Brandt macht, macht er mit Akribie. Und so ließ er auch als Kind nicht locker, schwärmte seinen Eltern regelmäßig — gerade, wenn es auf Weihnachten zuging — von den tollen Modelleisenbahnen seiner Freunde vor. Doch seine Eltern hatten gerade erst ihr Haus gebaut, und eine Starterpackung kostete 100 Mark — damals sehr viel Geld. "Weißt Du, wie viele Türrahmen ich für 100 Mark bekomme?", pflegte sein Vater zu sagen und ließ Walters Traum platzen. Bei seiner Mutter hatte der Junge mehr Glück, und so fand sich eines Tages das ersehnte Paket unter dem Weihnachtsbaum.

Kein Einzelkämpfer

Seither ist Brandts Sammlung gewachsen, und der 65-Jährige fährt viel umher, um seine Begeisterung für die Rokal-Modelle mit Gleichgesinnten zu teilen, fachzusimpeln und seine Züge auf großen Anlagen fahren zu lassen. "Ich bin kein Einzelkämpfer, mag lieber die Gemeinschaft", sagt der gelernte Zahntechniker, der nun im Ruhestand wieder viel Zeit für sein Hobby hat.

Als junger Familienvater (er hat zwei Söhne) staubte seine Modellbahn bisweilen etwas ein, zumal Brandt sich auch sehr im Behindertensport engagierte und leidenschaftlich gern segelte. "Die Modellbahn ist ein Hobby, mit dem ich alt werden kann", sagt der 65-Jährige.

Seit 2004 organisiert Brandt viermal im Jahr den Stammtisch "Freunde der Rokal-TT-Modelleisenbahn", zu dem regelmäßig 15 bis 20 Modellbahn-Fans anreisen. Außerdem veranstaltet der Stammtisch einmal im Jahr (das nächste Mal am 11. März) eine Modellbahnbörse in der Dorenburg. "Da kommen bis zu 250 Leute aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland", sagt Brandt.

Dass der Name "Rokal" unter Modellbahnfreunden ein Begriff ist, macht Walter Brandt stolz. Denn für ihn ist Rokal sozusagen das Bindeglied zwischen seinem Hobby Modelleisenbahn und seiner Liebe zur Heimat Lobberich.

"Daher möchte ich dieses Stück Industriegeschichte pflegen", sagt Brandt, der inzwischen auch eine familiäre Bindung zu Rokal hat: "Mein Schwiegervater war der erste ausgebildete Werkzeugmacher der Firma. Er hat damals eine kleine Drehbank gebaut, mit der die ersten Radsätze für die Modellbahnen hergestellt wurden."

(RP/rl)