Forum: Mit Herz entspannt Unternehmer sein

Forum: Mit Herz entspannt Unternehmer sein

Beim Forum Mittelstand Niederrhein des Technologiezentrums Kempen stellte Unternehmensberater Rainer Kratzmann im Nettetaler Rathaus eine „Sog-statt-Druck-Strategie“ für die erfolgreiche Führung einer Firma vor

Schön wär‘s, wenn das so einfach wäre, „die richtigen Kunden und mehr Lebensqualität“ zu gewinnen, meinte Ralf Stobbe mit einem kleinen Seufzer. Als der heute 55-Jährige 1999 zum Geschäftsführer des Papierverarbeiters Suthor in Lobberich berufen wurde, hatte er geglaubt: „Wenn du fünf Jahre reingehauen hast, wird es etwas ruhiger.“ Er hat sich getäuscht. Der Wettbewerb ist auch bei den „Werbeartikeln aus Papier“ härter geworden, er hat sich signifikant geändert, berichtete Stobbe beim TZN-Forum Mittelstand im Nettetaler Rathaus.

Vom „ehrbaren Kaufmann“ der alten Schule sprach Rainer Kratzmann nicht direkt. Der Chef der Good-Works-Marketingberatung in Willich-Neersen skizzierte aber auch das Leitbild eines Unternehmers, der eine selbstbewusste Identität schafft, die Mitarbeiter mit einbindet, nach außen strahlt und auch Verantwortung für Mitmenschen und Umwelt pflegt. Ein Herz war das Symbol für ein solches Unternehmen, das allerdings auch dann bei den harten Faktoren wie Qualität, Zuverlässigkeit, Schnelligkeit und Innovation Spitze sein muss. Für Kratzmann war damit nicht verbunden, dass der Unternehmer sich mit bescheidenen Gewinnen zufrieden geben müsse. „Er soll Geld verdienen, auch extrem viel Geld“, sagte er, aber der Zweck des Unternehmens sollte immer „ein Mehrwert für den Menschen“ sein.

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Stobbe wollte dem nur teilweise zustimmen: „Werte im Geschäft – das gilt bei uns nur noch in Beziehungen mit Geschäftskunden.“ Die Zahl dieser Werbemittelvertreter hat aber rapide abgenommen, das Internet hat sie verdrängt. „Die Gemengelage ist schwieriger geworden, wir müssen immer wieder neu denken“, ist sein Fazit. Das unterstrich Theo Peitz. Denn nach Ansicht des Geschäftsführers von Bauen+Leben (Krefeld und Viersen) „ist der Algorithmus unser Problem“. Er hat aus der Sicht eines Großen seiner Branche vor der Veranstaltung in Lobberich die Probe aufs Exempel gemacht und in einige Läden geschaut. „Die kleinen Einzelhändler haben keine Chance mehr“, war sein Fazit angesichts des neuen Kundenverhaltens: „Es geht nur noch über den Preis.“ Dem mochte Kratzmann nicht ganz zustimmen: „Manche Menschen werden inzwischen nachdenklicher.“ Den „Kleinen“ empfiehlt er eine Zusammenarbeit zur Stärkung des Standorts. Als „digitaler Unternehmer“ ist Holger Aretz inzwischen sehr kurze Innovationszeiträume gewohnt, in denen alles erneuert werden muss. Dem Geschäftsführer der Kempener P³ Creation Group, einer Agentur für Web-Entwicklung, Videoproduktion und E-Learning, ist der Stress bisher nicht über den Kopf gewachsen: „Wir gehen mit viel Freude an die Sache heran.“ Im mittlerweile elf Jahre alten Start-up-Unternehmen herrsche oftmals noch die Devise: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht, dann brauche ich nicht mehr zu arbeiten.“ Die Kempener haben übrigens das Glück, dass sie dank guter Ideen „von Kunde zu Kunde getragen werden“.

Der Viersener Gebäudereiniger Werner Ludwigs hatte an diesem Abend „einige Anregungen erhalten, über die man noch einmal nachdenken sollte“. Für den Kaldenkirchener IT-Dienstleister Bernhard Steenmann ergab sich jenseits aller Ethik-Diskussion die Notwendigkeit, auch kleine Unternehmen ins digitale Zeitalter zu führen. Bei allem Stress um Papierfahnen für die Fußball-WM hat Ralf Stobbe aber noch Zeit, als Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Lobberich zu fungieren, seine Tochter bei den Eishockeyspielen für den Grefrather EC zu begleiten und hin und wieder Borussia Mönchengladbach zuzujubeln, berichtete er.

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