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Nettetal: Mit Englisch auf den Rasen

Nettetal : Mit Englisch auf den Rasen

Erstmals nehmen 60 Kinder im Jugendferiendorf in Hinsbeck an einem bilingualen Fußballcamp teil. Beim Training, auf dem Platz und in der Freizeit wird Englisch gesprochen. Die Kinder überwinden so Distanz zur Sprache.

Simon Harbke ist elf Jahre alt und steht für Chelsea im Tor. Er geht in die Knie, breitet die Arme aus und konzentriert sich jetzt nur noch auf den Ball; obwohl ihm vom Rand lautes Anfeuern für seinen Gegner Jona Reisky in den Ohren liegt. Der schießt, Simon streckt ein Bein und — hält. Mit geballten Fäusten läuft er jubelnd seinen Mitspielern entgegen, er hat sie mit seiner Parade beim Elfmeterschießen ins Finale gegen Aston Villa gebracht.

Simon und Jona sind zwei von insgesamt 60 Kindern, die in dieser Woche an einem Fußballcamp teilnehmen, das erstmals im Jugendfriendorf Hinsbeck stattfindet. Das Besondere: Sowohl auf dem Platz als auch in der Freizeit sprechen die Kinder fast ausschließlich Englisch.

Die sprachlichen Fähigkeiten spielen keine Rolle. Sie sollen mögliche Angst vor dem Englischsprechen ohne Leistungsdruck beim Spielen verlieren. Das Konzept hat der Anbieter "Ferienfussball" aus Köln entwickelt. "Wir bieten auch Freizeiten in England und Spanien an, viele Kinder kommen immer wieder", sagt Sprecher Moritz Fölger.

Trainer aus England und den USA

Einer der sechs professionellen Trainer, die rund um die Uhr die Kinder betreuen, ist Lennard Neubauer. Der 18-Jährige ist in Hamburg geboren, wuchs aber in England auf. "Ich bin zuletzt in Oxfordshire auf ein Fußball-Internat gegangen und ziehe jetzt nach Liverpool, um zu studieren", sagt er in fast akzentfreiem Deutsch.

Dass er dort mal für den berühmten Club FC Liverpool spielen wird, ist sein großer Traum — und teilt ihn mit vielen seiner Schützlinge. Immerhin haben die Kinder zwischen 10 und 15 Jahren die Chance, auf dem Rasenplatz in Hinsbeck ihre Lieblingsvereine zumindest imaginär zu vertreten. Aufgeteilt sind die Teilnehmer in eine ältere und eine jüngere Gruppe — angepasst an die Leistungsunterschiede.

Einer der Jüngsten ist Moritz Rhoden aus Trier. Der Zehnjährige gilt bei den Trainern schon jetzt als großes Talent, wurde schon zum "Spieler des Turniers" gewählt. "Ich habe mit drei Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Als Talent würde ich mich aber nicht bezeichnen", sagt Moritz bescheiden. Lennard und sein Trainer-Kollege Ryan, der als einziger aus den USA kommt, widersprechen heftig auf Englisch — Moritz lächelt.

Dass aber auch Anfänger beim Training und den täglichen Turnieren gut integriert sind, bestätigen alle Kinder. Antonia Droege nickt. Sie ist eine von nur drei Mädchen im Camp und erst seit sechs Wochen in der Nähe von Dortmund im Fußballverein: "Wir werden auch als Mannschaftskapitäne aufgestellt." Zu meckern habe sie nichts: Das Essen sei meist sehr gut und das vielseitige Freizeitangebot im Feriendorf samt Schwimmbad, Kino und Sportplätzen klasse. Schade sei aber, dass der Rasenplatz nur einmal am Tag zur Verfügung stünde, sagt Antonia.

Im Finale gegen Aston Villa musste Simon Harbke wieder beim Elfmeterschießen zittern. Dieses Mal reichte es aber nicht: Chelsea verlor mit 3:4. FRAGE DES TAGES

(RP)