Mit einer neuen Betrugsmasche wollte sich ein Duo in Nettetal Zutritt zu einer Wohnung verschaffen.

Nettetal : Falsche Rathaus-Mitarbeiter unterwegs

Mit einer neuen Betrugsmasche wollte sich ein Duo in Nettetal Zutritt zu einer Wohnung verschaffen: Beide gaben sich als Abgesandte von Bürgermeister Christian Wagner (CDU) aus. Wagner ist empört, nennt das Vorgehen „perfide“.

Unterwegs im offiziellen Auftrag von Nettetals Bürgermeister Christian Wagner: Mit dieser Masche haben zwei Männer versucht, eine Seniorin in Breyell zu betrügen. Das ist ein Novum – auch für die Polizei im Kreis Viersen. Bürgermeister Christian Wagner (CDU) ist nach diesem Vorfall entsetzt und „sehr empört“. „Zwischen der Stadt, die auch viele soziale Einrichtungen unterhält, und ihren Bürgern besteht ein besonderes Vertrauensverhältnis.“ Dass Betrüger nun dieses ausnutzen wollten, nennt der Nettetaler Verwaltungschef „perfide“. Dies habe für ihn auch eine andere Qualität als Betrugsversuche, bei denen falsche Wasserwerker unterwegs seien und sich das Vertrauen der Menschen erschleichen wollten.

„Wir werden offensiv und mit aller Entschlossenheit dagegen vorgehen“, betonte Wagner gegenüber der Rheinischen Post. Die Verwaltung arbeite eng mit der Kreispolizei zusammen. Wagner weist nach diesem Vorfall darauf hin, dass „niemand in meinem oder im Namen der Stadt Nettetal unterwegs ist, um älteren Mitbürgern irgendwelche Angebote zu unterbreiten“.

„Falsche Wasserwerker, Enkel, die es gar nicht gibt – das alles ist schon da gewesen“, sagt eine Mitarbeiterin der Kreispolizei. Doch bisher habe sich im Kreis Viersen noch niemand als Mitarbeiter einer Verwaltung ausgegeben. Ob es sich in einem solchen Fall auch um den Tatbestand der Amtsanmaßung handele – dieser liegt vor, wenn Betrüger vorgeben, Polizeibeamte zu sein –, sei nicht allgemein zu sagen. Dies hänge von der Formulierung im Einzelfall ab.

Unter Vortäuschung falscher Tatsachen waren zwei junge Männer am vergangenen Donnerstag, 18. Oktober, gegen 11 Uhr in Breyell unterwegs. Dies teilte die Polizei mit. Beide wollten sich Zutritt zu der Wohnung einer Seniorin an der Dohrstraße verschaffen. Dabei gaben sie sich als offizielle Abgesandte von Bürgermeister Christian Wagner aus. Sie erklärten der Frau, dass sie im Auftrag des Bürgermeisters älteren Mitbürgern Personenschutz anbieten würden. Zu diesem Zweck müssten sie mit der Dame ein Formular in ihrer Wohnung ausfüllen.

Doch die Frau war zu Recht misstrauisch. Sie verweigerte den Männern den Zutritt zu ihrem Zuhause – und das, obwohl die beiden Männer sich ihr gegenüber als sehr hartnäckig erwiesen. Beide gingen, ohne mit ihrem Betrugsversuch Erfolg zu haben. Die Frau informierte die Polizei

Doch die beiden Männer wollten nicht aufgeben. Am folgenden Tag kamen sie erneut nach Breyell – vermutlich auf der Suche nach anderen Opfern. Was sie nicht wissen konnten: Das Duo fiel der Seniorin erneut auf, als es erneut in der Wohnsiedlung an der Dohrstraße unterwegs war. Die Frau reagierte sofort: Als die beiden jungen Männer in einen schwarzen Mercedes mit Duisburger Kennzeichen stiegen, notierte sie sich das Nummernschild und gab auch diese Information an die Kreispolizei weiter.

Die Polizei hat jetzt die Ermittlungen aufgenommen und hofft, dass sich weitere Zeugen oder auch mögliche Opfer melden, die mit der Bürgermeister-Mitarbeiter-Masche geködert werden sollten.

Und so werden die beiden jungen Männer beschrieben: Sie trugen dunkelblaue Anzüge, kombiniert dazu waren hellrosafarbene Hemden mit kleinen Punkten und passende Einstecktücher. Beide waren dunkelhaarig und sprachen Deutsch ohne Akzent. Unterwegs waren sie mit einem schwarzen Mercedes mit DU-Kennzeichen.

Die Kreispolizei Viersen warnt deshalb: „Öffnen Sie möglichen Betrügern nicht die Tür, lassen Sie niemanden in Ihre Wohnung.“

Auf offiziell aussehende Dokumente sollte sich niemand verlassen, denn laut Polizei können sich „Mitarbeiter von Unternehmen und Behörden grundsätzlich vor einem Besuch anmelden.“ Sollten sie ohne Ankündigung an der Eingangstür klingeln, würden sie auch verständnisvoll bei geschlossener Tür draußen warten. Die Zeit sollten die Bürger nutzen, um sich telefonisch zu erkundigen, ob die Mitarbeiter tatsächlich von dem Unternehmen kommen, das sie angeblich geschickt hat. „Wer dann hartnäckig weiterhin Einlass begehrt, hat meist keine guten Absichten“, warnt die Polizei. Deshalb sollte die Eingangstür geschlossen bleiben.

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