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Nettetal: Mit der "Seekkaar" den Garten düngen

Nettetal : Mit der "Seekkaar" den Garten düngen

Der Gesprächskreis "Hänsbäcker Jüüte vertälle" nahm sich diesmal den Hausgarten vor. Willi Lehnen erinnerte auf Plattdeutsch, wie die Gärten an seinem Elternhaus in Breyell-Natt gestaltet werden. Es gibt viele Parallelen in der Stadt.

Die Zeiten liegen noch gar nicht lange zurück, in denen zu den Häusern in den Dörfern Gärten gehörten, aus denen man sich selbst versorgte. Vorwiegend auf Plattdeutsch erzählte der aus Breyell-Natt stammende Willi Lehnen aus seiner eigenen Erinnerung beim Mundartkreis "Hänsbäcker Jüüte vertälle" über Kleingärtner, häufig begleitet vom Gelächter der etwa 25 Besucher, wenn er Begriffe in seinem Platt vortrug, die im Hinsbecker Platt anders sind. Es ist erstaunlich, wie groß die sprachlichen Unterschiede auf so kleiner Distanz waren.

An Lehnens Geburtshaus teilte sich der Kleingarten in vier unterschiedlich genutzte Gärten auf: der Hausgarten mit dem dahinter liegenden "Bongert" (Baumwiese), der Nutzgarten und der Blumengarten. Dies war in Hinsbeck nicht anders. Der meist etwa zwanzigmal zwanzig Meter große am Haus gelegene Garten wurde von einem Wegekreuz in vier Bereiche aufgeteilt. Einer galt der Erholung und Entspannung. Hier stand ein "Loofhüske" (Laubhütte) mit einer einfachen Bank und einem Tisch. Wein hing wie ein Vorhang herunter und war für Kinder ein herrlicher Abenteuerspielplatz.

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Viele Besucher berichteten, dass aus den Trauben Wein hergestellt wurde. Im zweiten Bereich standen rosa, rote und schwarze "Wimele" (Johannisbeeren). Die rosa Beeren wurden direkt verzehrt, aus roten wurde Gelee hergestellt und aus den schwarzen Schnaps wurde gebrannt. Daneben standen verschiedene "Koerschäppel", in Hinsbecker Platt "Schteäkpeäre" (Stachelbeeren).

Die beiden anderen Bereiche waren mit Buxbäumen, "Schniebool-" (Schneeball-) Sträuchern, Rhododendron, "Pirtschbööm" (Pfirsichbäume) verschiedener Arten und anderem bepflanzt. Im dahinter liegenden "Bongert" standen Äpfel-, Birnen- und Pflaumenbäume sowie der "Hönderschtool", in Hinsbecker Platt der "Häneschtool" (Hühnerstall). Es wurde darauf geachtet, dass die Hühner auf keinen Fall den Nutzgarten betraten.

Das Ganze war mit einer "Böökehääk" (Buchenhecke) eingefasst, ein Tummelplatz für Vögel und Insekten. Zum Schutz gegen Ungeziefer wurden Baumstämme in einem Meter Höhe mit Kalk geweißt.

Auch der Nutzgarten war mit niedrigen Buchsbaumhecken oder durch mit ihren Hälsen nach unten schräg in die Erde eingelassene Flaschen in vier Flächen aufgeteilt. Die Gärten waren mitunter sehr groß, von 0,5 bis 0,75 Morgen. Gedüngt wurde mit "Schtoolwaater" (Jauche) sowie (Pferde-)Mist aus der Tierhaltung. Die Jauche wurde mit dem auf der "Seekkaar" (Jauchekarre) stehenden "Seekvaat" (Jauchefass) zum Garten gebracht. Damit die Jauche nicht aus der offenen Tonne überschwappte, wurde sie mit einem Tuch abgedeckt und mit dem "Seekschöper" (Jaucheschöpfer) verteilt. Als zusätzlicher Dünger kam in den 1920/30er Jahren Guano hinzu. Dass der Dünger schnell untergearbeitet werden sollte, um den Nachbarfrieden zu erhalten, versteht sich von selbst.

Grundsätzlich versuchte man durch Fruchtwechsel die Krankheitsanfälligkeit des Gemüses zu verhindern. Es gab keine Krankheits-Bekämpfung, Verluste wurden akzeptiert und durch höhere Anbaumengen ausgeglichen. Aber auch Nutzungskombinationen waren bekannt. So wurden Möhren und Salat im gleichen Bereich angebaut. Bevor "Schtaakbone" (Stangenbohnen) angebaut wurden, wuchsen hier Zuckererbsen.

Der Blumengarten, der auf der Sonnenseite lag, war auch durch mit Palm eingefasste Wege geviertelt. Neben Blumen wurden Gewürze und Rhabarber angepflanzt. In der Hauptsache wuchsen jedoch Blumen aller Art wie "Astere" (Astern), Dahlien, "Pengstruese" (Pfingstrosen) und andere.

(heko)