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Nettetal: Mit Blick ins Innere

Nettetal : Mit Blick ins Innere

Vor der Senioren-Union Nettetal stellte die Hinsbecker Künstlerin Loni Kreuder ihre Skulpturen vor und erläuterte auch den Entstehungsprozess. Im Mittelpunkt stand dabei die "Kunst im öffentlichen Raum".

In eine kleine Galerie verwandelte sich der große Saal des Pfarrheims "Die Brücke", als Loni Kreuder einen Einblick in ihr Schaffen gab. Die in Hinsbeck-Glabbach lebende Künstlerin hatte einige kleine Bronzeskulpturen durchaus auch zum Anfassen mitgebracht. Auf die weltweit schon gezeigten Werke Kreuders anspielend, meinte Greta van der Beek-Optendrenk: "Nun steht auch 'Die Brücke" neben Florida, London, Mönchengladbach und der Werner-Jaeger-Halle."

Die Vorsitzende der Nettetaler Senioren-Union freute sich über das rege Interesse, das sich auch in der lebhaften Diskussion widerspiegelte. Sie hatte Loni Kreuder eingeladen, um am Beispiel ihrer Arbeiten auf die Kunst im öffentlichen Raum und deren Bedeutung hinzuweisen. "Jeder nimmt sie wahr, aber selten mit dem Bewusstsein, dass es sich um ein Kunstwerk handelt", sagte die SU-Vorsitzende.

Blickpunkte im Stadtbild

Zunächst gab Loni Kreuder, 1940 in Viersen geboren und seit 1974 in Glabbach ansässig, einen Überblick über die zahlreichen Großplastiken im öffentlichen Raum, die seit Beginn der 1980er-Jahre entstanden sind. In Willich, Grefrath, Tönisvorst und Nettetal begegnet man ihnen inzwischen auf Schritt und Tritt. Sie sind Blickpunkte im Stadtbild und häufig in Verbindung mit Brunnen entstanden. Meist sind spielende Kinder gestaltet. "Ich möchte noch ein Kind", wünschte 1988 der damalige Grefrather Bürgermeister Josef Lepers – und meinte damit eine dritte Figur für den Kinderspielbrunnen. Kinder gesellen sich gern zu den stummen Figuren und nehmen das Wasserspiel mit ihnen auf.

Bei den Großfiguren wendet Loni Kreuder unterschiedliche Stile an. Abstrakte Figuren ohne Gesicht, in der Körperform nur schemenhaft angedeutet und mit Titeln wie "Ungeduld" (Willich, 1987), "Geben und Nehmen" (Vorst, 1997) oder "Die Neuigkeit" (Lobberich, Rathaus, 2000) versehen, stehen neben naturalistischen Darstellungen: bei der Mantelteilung des St. Martin in St. Tönis (1995), beim Flachs bleichenden Jüüt in Hinsbeck (1989), beim Zigarrenmacher in Kaldenkirchen (1990), bei dem gar der Tegelener Zigarrenmacher Coen Hovens Modell saß, oder beim Wenkbüll in Lobberich (2011), bei dem "der typische Lobbericher" mit selbst persiflierende Leichtigkeit dargestellt werden sollte – ein bisschen in der Optik zwischen Johannes Heesters und dem Biedermeier. Einem von drei Bergleuten (Essen, Limbecker Platz, 2009) verlieh sie die Gesichtszüge ihres im vorigen Jahr verstorbenen Mannes.

Werden die Kleinplastiken meist in Ton vorgeformt, so dient heute Styropor als Kernbestandteil der Großplastiken. "Früher verwandte man Stangen, Drahtgeflechte und Gips, das geht heute einfacher", erläuterte Loni Kreuder das Entstehen einer Figur. Um das Styropor wird getränkte Jute gewickelt, dann folgt eine Moltofillschicht, ehe die Feinarbeit beginnt. Gegossen werden die Plastiken bei Butzon und Bercker in Kevelaer.

Beim "Tag der offenen Ateliers" im November will Loni Kreuder in ihrem Haus in Hinsbeck-Glabbach neue Plastiken zeigen, die sie der ehemaligen Wuppertaler Ballettmeisterin Pina Bausch gewidmet hat.

(mme)