Nettetal: Missbrauch: Opfer dachte an Selbstmord

Nettetal: Missbrauch: Opfer dachte an Selbstmord

Eine Ärztin sagte gestern am Landgericht Krefeld zur Krankengeschichte des Mädchens aus

Am Krefelder Landgericht, 1. Große Strafkammer, wurde bei der Verhandlung gegen einen 52-Jährigen aus Nettetal die Oberärztin einer psychiatrischen Klinik als sachverständige Zeugin gehört. Dem Mann wird sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen in insgesamt 17 Fällen vorgeworfen.

Die mutmaßlich Geschädigte - es handelt sich um die Stieftochter des Beschuldigten - wurde in jener Klinik mehrmals stationär aufgenommen, da sie oft Krisen hatte. Die Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie erklärte dazu gestern, dass die Patientin den Drang verspürte, sich selbst zu verletzen. Zudem leide sie unter Alpträumen, Angst vor Kontrollverlust und habe manchmal Erinnerungslücken. Hinzu kämen regelmäßig auftretende Selbstmordgedanken und so genannte "Flashbacks". Zudem durchlebe die Frau belastende Situationen erneut. Dabei wirke sie abwesend und in sich gekehrt. "Die Patientin zeigt Teilsymptome einer Borderline-Erkrankung, aber nicht das Vollbild", ergänzte die Zeugin. Die Diagnose "Borderline" könne in diesem Fall also nicht gestellt werden.

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Über die Kindheit habe sich die Ärztin mit dem Mädchen nicht unterhalten, das sei zuvor in einer anderen Klinik-Abteilung protokolliert worden. "Meine Therapie fokussiert sich vielmehr auf der Bewältigung der Gegenwart, konkret des Alltags", erläuterte die 50-Jährige. Die Patientin habe zur Behandlung ihrer schweren Depressionen ein Antidepressivum erhalten. Daneben habe man der jungen Frau unter anderem ein Medikament gegen Schlafstörungen und zeitweise leichte Beruhigungsmittel verabreicht. "Keine dieser Arzneien, inklusive des Antidepressivums, beeinflussen aber in irgendeiner Form die Aussagetüchtigkeit der Patientin", ergänzte die Medizinerin. Die Patientin sei jederzeit bewusstseinsklar gewesen. Auch habe die Psychiaterin nie festgestellt, dass die junge Frau "offensichtliche Unwahrheiten" erzählen würde.

Der Prozess wird am 6. April, 9 Uhr, fortgesetzt.

(sts)