Michael Rauterkus nimmt Wahl zum Ersten Beigeordneten in Nettetal an

Nettetal: Neuer Beigeordneter nimmt Wahl an

Noch ist Michael Rauterkus Fachamtsleiter in Hamburg-Wandsbek. Wann der 45-jährige promovierte Chemiker in Nettetal beginnt, wird nun abgestimmt — ebenso wie sein neuer Aufgabenbereich in der Seenstadt.

Seit Dienstagabend hat die Stadt Nettetal einen neuen Ersten Beigeordneten. 27 der 42 Ratsmitglieder stimmten in geheimer Wahl für den promovierten Chemiker Michael Rauterkus. Vier votierten gegen ihn, elf enthielten sich. Der 45-Jährige, der mit seiner Frau Ilka von der Stein nach Nettetal gekommen war, nahm kurz danach die Wahl an. „Ich freue mich sehr über das Ergebnis“, sagte er vor dem Rat.

Vorgänger Armin Schönfelder hatte Nettetal nach zehn Jahren verlassen. Er ist seit August Erster Stadtrat in Wilhelmshaven/Niedersachsen.

Den Zeitpunkt wollte Bürgermeister Christian Wagner (CDU) nutzen, um die Zuständigkeiten in der Verwaltung neu zu verteilen. Er schlug unter anderem vor, ein Dezernat für Verwaltungs- und Infrastrukturmanagement einzurichten, dem die Aufgaben der Verwaltungsmodernisierung und Steuerung wichtiger Verwaltungsprojekte wie E-Government, der Zentralbereich Bürgerservice als Schnittstelle für die Bürger sowie der Nette-Betrieb zugeordnet werden. Zudem sollen Bereiche aus dem Dezernat Recht, Ordnung und Finanzwirtschaft dem Ersten Beigeordneten zugeordnet werden. Im (Bau-)Dezernat III sollen die Zuständigkeiten für die Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes gebündelt werden, während sich das Dezernat IA des Bürgermeisters verstärkt mit der Steuerung von Investitionsprojekten von besonderer Bedeutung und der Wirtschaftsförderung befassen soll.

Genau diese Neustrukturierung habe Rauterkus gereizt, berichtet er am Tag nach der Wahl. „Dass die Stadt nicht einfach nur eine frei gewordene Stelle neu besetzt, sondern sich Gedanken darüber macht, wie das Aufgabengebiet sinnvoll neu gestaltet werden kann“, sagt der 45-Jährige.

Welche Aufgaben er übernehmen wird, werde nun in Gesprächen mit dem Bürgermeister und dem Rat vereinbart. „Das finale Aufgabengebiet wird noch festgezurrt“, sagt er. Verhandelt werden muss zwischen Nettetal und Hamburg zudem, wann Rauterkus in der Seenstadt anfängt. In der Hansestadt leitet der 45-Jährige bislang noch im Bezirksamt Wandsbek das Fachamt für Verbraucherschutz, Gewerbe und Umwelt.

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Bürgermeister Wagner zeigte sich erfreut über den Ausgang der Wahl. „Mit Michael Rauterkus gewinnen wir eine Persönlichkeit, die Fachkunde, Führungserfahrung, Engagement für die weitere Entwicklung unserer Stadt sowie persönliche Ausgewogenheit und Freundlichkeit verbindet“, sagte er. „Als promovierter Naturwissenschaftler mit langjähriger Verwaltungserfahrung in einer vielfältigen Behörde wird er sicher neue Impulse einbringen können.“

Rauterkus zieht es auch deswegen nach Nordrhein-Westfalen, weil seine Frau in Mönchengladbach arbeitet. „Es war klar, dass meine nächste berufliche Station am Niederrhein sein sollte“, sagt er. Das Paar kennt Nettetal von Besuchen. „Als Klimaschutzbeauftragter hat mich die reichhaltige Landschaft hier besonders gereizt“, sagt Rauterkus. Am Montag nimmt er zunächst wieder seine Arbeit in Hamburg auf.

Die WIN-Fraktion hatte zuvor versucht, die Wahl von der Tagesordnung nehmen zu lassen. Vorsitzender Hajo Siemes bemängelte Unstimmigkeiten im Auswahlverfahren der Bewerber. So hätten etwa sachlich falsche Angaben in einer ersten Übersicht über die Kandidaten der Findungskommission einen falschen Eindruck vermittelt. Zudem seien die Gründe für die Ablehnung einiger Bewerber nicht transparent aufgezeigt worden. Bei einer Bewerberin sei trotz zweier Universitätsabschlüsse ihre Qualifikation infrage gestellt worden. Rauterkus stand als einziger von 19 Bewerbern am Dienstag zur Wahl.

Bis auf WIN (drei Stimmen) lehnten die Ratsmitglieder diesen Antrag ab. „Er entbehrt jeglicher Grundlage“, sagte Jürgen Boyxen (CDU). „Der Ablauf entspricht dem Ablauf in vorherigen Verfahren“, sagte Hans-Willy Troost (FDP). SPD-Vorsitzende Tanja Jansen sagte: „Wir finden, dass es nicht ganz optimal gelaufen ist, halten es dennoch nicht für angemessen, sich in öffentlicher Sitzung so zu äußern.“ Für Guido Gahlings (Grüne) werde durch die Debatte ein Generalverdacht gegen die Verwaltung und die anderen Fraktion erweckt. „Für uns ist das Verfahren korrekt verlaufen“, sagte er.

Zwischen WIN und Rauterkus scheinen die Fronten dennoch nicht verhärtet. „Bei der Vorstellung in der Fraktion hatte die WIN ihr Vorgehen angekündigt. Wir haben aber vereinbart, dass es keiner vertrauensvollen Zusammenarbeit im Weg steht.“ Siemes sagt: „Nun wird noch eine kommunalaufsichtsrechtliche Prüfung stattfinden. Sollte diese zum Ergebnis kommen, dass alles in Ordnung war, werden wir selbstverständlich das Ergebnis respektieren und professionell mit Dr. Rauterkus zusammenarbeiten.“

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