Nettetal: Menschen gehören in die Stadt

Nettetal : Menschen gehören in die Stadt

Das frühere Suthor-Firmengelände in Lobberich ist abgerissen. Die Häuser an der Hochstraße folgen noch. Nach Plänen des Architekten Klaus Ketels wird ein neuer Wohn- und Geschäftskomplex hochgezogen.

Hinter der westlichen Seite der Lobbericher Fußgängerzone klafft ein großes Loch. Das ehemalige Betriebsgelände der Firma Suthor ist komplett bis zum Stöppken abgeräumt, nur die beiden Wohn- und Geschäftshäuser in der Hochstraße stehen noch. Nicht mehr lange: Sie werden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Architekt Klaus Ketels hat von der Eigentümerfamilie Stobbe den Auftrag zur Planung des umfangreichen Vorhabens erhalten. Befürchtungen in der Lobbericher Bevölkerung, jetzt gehe wieder ein Stück alter Bausubstanz verloren, kann er nachvollziehen. „Ich habe die Bauakten zurückverfolgt. Das rechte Gebäude ist in den 1970er-Jahren erheblich verändert worden, das andere Haus wurde nach einem Brand in den 1930er-Jahren regelrecht neu aufgebaut. Unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten ist hier nichts Wertvolles zu erhalten.“ Die Stadtverwaltung hatte dies ebenfalls geprüft, lässt Ketels und die Bauherren aber ohne Einschränkung gewähren.

Der Abriss der Vorderhäuser ist kompliziert genug. Die Nachbarhäuser lehnen sich mehr oder minder an sie an und müssen abgestützt werden. Im November oder Dezember soll mit dem Neubau begonnen werden. Ketels wird den U-förmigen Gebäudekomplex abschnittsweise errichten lassen. An der Hochstraße entsteht ein Baukörper, der optisch aber zwei Häusern mit getrennten Eingängen entspricht. Im Untergeschoss werden ein bis drei unterschiedlich große Ladenlokale untergebracht, oben soll barrierefreies Wohnen mit Aufzügen möglich sein.

An der Gasse entlang wird Ketels in einem weiteren Bauabschnitt drei Stadthäuser für Familien errichten, in denen Dienstleister ihre Praxen oder Büros einrichten können. An der Rückseite, zum Stöppken hin, wiederholt Ketels im dritten Abschnitt den Bau, der an der Hochstraße entsteht. Er springt etwas zurück, damit sechs Parkplätze und Bäume Raum haben. Auch hier sorgt ein Aufzug für Barrierefreiheit. Ketels unterkellert den Komplex mit einer Tiefgarage für 22 Fahrzeuge. Zwischen den Neubauten entsteht ein Innenhof.

Die 14 Wohnungen sollen nach dem Willen der Investoren ein Signal setzen: „Die Menschen gehören hinein in die Stadt, sonst wird sie immer öder. Lobberichs Stadtkern hat gelitten, weil Menschen weggezogen sind“, bekräftigt Klaus Ketels. Er hofft, dass das Signal auch Nachbarn erreicht. Der Wohnriegel zwischen Stöppken und Brockerhof käme so aus seinem Hinterhofdasein heraus. „Vielleicht lassen die Eigentümer auch Bäume pflanzen. Seit den 1970er-Jahren hat sich nichts mehr getan.“

(RP)
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