Nettetal: Meister der Fähnchenproduktion

Nettetal: Meister der Fähnchenproduktion

Mit den WM-Wimpeln der Firma Suthor könnte man die Bundesrepublik einmal von Kiel bis zur Zugspitze schmücken. Der Nettetaler Papierverarbeiter könnte in der Produktion sogar noch nachlegen, falls Jogis Jungs heute gewinnen.

Der Anpfiff für das letzte Vorrundenspiel der Deutschen ist noch nicht erklungen, da denkt Ralf Stobbe schon weiter als der Bundestrainer. "Am 2. Januar kommenden Jahres ist bei uns Auftakt zur Europameisterschaft 2016", sagt der Geschäftsführer von Suthor Papierverarbeitung. "Dann fahren wir zur größten französischen Werbemittelmesse nach Lyon." Dort rührt Suthor die Werbetrommel für Jubel-Accessoires - "made in Lobberich".

Alle Jahre wieder stellt das mittelständische Unternehmen Winkhilfen, Applausverstärker und Party-Deko für die großen Fußball-Ereignisse: Fähnchen fürs Auto, den Mast und den Käsewürfel, Klatschpappen (ein Faltkarton, den man in die offene Hand klatscht) Winkehände, Tröten, Tischdecken, Servietten, Luftschlangen und natürlich Wimpel. Kilometerweise sogar. "Wir haben rund 1000 Kilometer Wimpel für diese WM produziert. Damit könnte man Deutschland einmal von Kiel bis zur Zugspitze schmücken", erzählt Stobbe. Lebensmitteleinzelhändler, Automarken, Getränkehersteller, Brauereien, aber auch Fernsehsender gehören zu den Kunden des Nettetaler Mittelständlers. Am vergangenen Sonntag sah der Geschäftsführer seine Fahnen beim "Fernsehgarten" im ZDF wieder. "Das freut einen natürlich", sagt der Geschäftsführer stolz.

Sechs Millionen Papierfähnchen hat die Offset-Druckerei in Lobberich für die WM in Brasilien produziert. Die meisten bedruckt mit Schwarz-Rot-Gold. Aber auch die Fahnen der übrigen 31 WM-Länder hat das Unternehmen im Programm. Das WM-Sommermärchen 2006 habe die schwarz-rot-goldene Fahnenflut angestoßen. "Zuvor gab es aber auch Millionen von Fähnchen, damals aber eher mit Fußballmotiven", sagt Stobbe.

Mit Brasilien als Gastgeberland ist der Papierverarbeiter aus Nettetal sehr zufrieden. "Das ist ein Land, das sich gut bewerben lässt. Samba, Karneval, Rio, Fußballzauber ... Da fällt den Werbern viel zu ein", erklärt Lars Bühler, zuständig für Marketing bei Suthor. Die EM 2012 in Polen und der Ukraine dagegen war marketingtechnisch schwer zu beleben. Frankreich, EM-Gastgeberland 2016, indes wecke viele positive Emotionen, was wiederum eine lebhafte Werbetätigkeit verspreche.

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"Unser Geschäft verläuft antizyklisch", sagt Bühler. Während die Hauptproduktionszeit für die kommende EM im Herbst 2015 startet, ist die große Produktion für die jetzt laufende WM längst abgeschlossen.

Stobbe und seine Mitarbeiter sind dem Jahresrhythmus wieder einige Monate voraus. Sie beschäftigen sich gerade mit der bayerischen Raute - fürs Oktoberfest. Danach kommen Laternen für St. Martin, und dann geht es in die große Karnevalsproduktion mit Masken, Hütchen, Pappnasen und Konfetti. Die Adventszeit bietet für Suthor keinen großen Absatzmarkt. "An Weihnachten ist die Werbewirtschaft nicht in Papier unterwegs. Da sind andere Materialien gefragt", erklärt Stobbe, dessen Traum es wäre, einmal eine Meisterschaftsfahne für Borussia zu produzieren.

Die WM-Fußball-Euphorie am Niederrhein halte sich derzeit in Grenzen, findet Stobbe. "Ich meine, es sind weniger Autofahnen unterwegs und auch weniger Häuser geschmückt." Da geht noch 'was nach der Vorrunde. "Wenn Jogis Löwen dem Klinsi eine neue Föhnfrisur verpassen, dann könnte es für uns einen Nachlauf geben", sagt Bühler. Für Suthor sei das kein Problem, nachträglich noch Fanmeilen auszustatten. "Dann gehen wir auch in die Verlängerung", sagt Bühler.

(RP)
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