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Kreis Viersen: Masterplan wird ein hartes Stück Arbeit

Kreis Viersen : Masterplan wird ein hartes Stück Arbeit

Familien und ältere Menschen fühlen sich im Kreis Viersen wohl. Er bietet ihnen von Natur aus ein angenehmes Lebensumfeld. Die Jugend zieht es aber weg, hochgebildete Bürger fehlen auch. Die Wirtschaft braucht neue Impulse.

Landrat Peter Ottmann gehört zur Kategorie der Politiker, die wenig bis gar nichts mit Visionen anfangen können. "Es nützt nichts, viele mystische Pläne zu schmieden", sagte er bei der Auftaktveranstaltung zum "Masterplan Kreis Viersen" im Berufskolleg in Dülken. Er bevorzuge klare und konkrete Ankündigungen: "Wir machen das!" Dies sei ein Satz, den er demnächst häufiger hören möchte.

Ottmanns Aufforderung, den "Blick nach innen und außen" zu richten, folgten etwa 150 Männer und Frauen des öffentlichen Lebens. Viele Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Mitglieder des Kreistags, von Gemeinderäten, Mitarbeiter aus Verwaltungen sowie von Verbänden, Vereinen und Institutionen fanden den Weg nach Dülken. Der Landrat war nach eigenem Eingeständnis angenehm überrascht, wie viele Bürger seiner Einladung gefolgt waren.

Sie werden in den kommenden Monaten aktiver Teil eines Prozesses sein, der nicht irgendwann in einer Hochglanzbroschüre ohne Konsequenzen endet. Vielmehr will der Landrat über das kürzlich erst entwickelte Leitbild hinaus erarbeiten, wo und wie der Kreis als Institution künftig aktiv sein muss und wie er andere ermuntern kann, sich aktiv für eigene Interessen innerhalb des Kreisgefüges einzusetzen.

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Mit ihren Impulsreferaten verrieten die Experten von Prognos den zahlreichen Insidern im Saal nicht viel Neues. Der Kreis ist landschaftlich ungewöhnlich anziehend, er bietet Familien und älteren Menschen ein wunderbares Lebensumfeld. Besonders hart wird den Kreis treffen, dass der Verlust an Einwohnern überproportional die Altersgruppe der jungen Menschen trifft. Sie verlassen ihre Heimat, um außerhalb zu studieren und sich beruflich zu etablieren. Das korrespondiert mit dem signifikanten Fachkräftemangel im Kreis Viersen. Es fehlen in erster Linie hochgebildete Kräfte mit akademischen Abschlüssen.

Bis heute nicht überwunden hat der Kreis den Zusammenbruch der Textilindustrie und den Verlust vieler industrieller Arbeitsplätze in der Peripherie, beispielsweise im Maschinenbau. Nach Prognos hat es zwar eine enorme Dynamik auf dem Gebiet der Dienstleistung gegeben. Kompensiert aber wurden die industriellen Arbeitsplatzverluste bei weitem nicht, außerdem bleibt ihre Wertschöpfung weit hinter der einer Industriegesellschaft zurück.

Bis zum Jahr 2030 schrumpft die Bevölkerung um etwa 15 000 Menschen, mehr als die Hälfte der Kreisbürger werden dann jenseits der 50 Jahre sein. Für sie und eben Familien mit Kindern sei der Kreis ein sehr attraktiver Lebensraum, stellt Prognos fest. Daraus aber leiten sich erste Grundsatzfragen ab. Für wen will der Kreis künftig attraktiv sein, wie wird sich seine soziale Infrastruktur quantitativ und qualitativ entwickeln und wie sieht die künftige Bildungslandschaft aus? Erstaunlich gering genutzt wird die Nähe zur Boom-Region Venlo, in die nur etwa 700 Menschen auspendeln. Düsseldorf zieht täglich 11 000 Menschen zur Arbeit an. Krefeld und Mönchengladbach stuft Prognos als wenig dynamisch ein, beide seien keine Wachstumsstädte.

Fingerzeige auf Handlungsbedarf gab es auch: Unternehmer äußern sich unzufrieden mit Beratungs- und Finanzierungsleistungen, sie klagen über hohe Energiekosten. Insgesamt hat der Kreis noch sehr viel Luft nach oben, wenn er ein innovativer Wirtschaftsstandort werden will.

FRAGE DES TAGES

(RP)