1. NRW
  2. Städte
  3. Nettetal

Kreis Viersen: Mars investiert Millionen in Optimierung

Kreis Viersen : Mars investiert Millionen in Optimierung

Der Süßwarenhersteller in Viersen ist übergegangen zu einem Schichtsystem rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche. Fabrikleiter Yann Le Roy will Qualität, Nachhaltigkeit und Effizienz des Standortes deutlich verbessern.

Ein Franzose leitet ein amerikanisches Unternehmen in Deutschland — Süßwarenhersteller Mars produziert nicht nur für globale Märkte. Das Unternehmen lebt die globalisierte Welt — allerdings nach jenen klaren Strukturen und jener Philosophie, die us-amerikanische Unternehmen weltweit auszeichnen. Innerhalb eines Jahres hat der Franzose Yann Le Roy ein ganzes Bündel von optimierenden Prozessen in Dülken-Mackenstein eingeleitet und umgesetzt. Damit der Standort auch innerhalb des Unternehmensgefüges bestehen kann, sind weitere Anstrengungen erforderlich.

Yann Le Roy kam im April vergangenen Jahres nach Dülken. Der 35-Jährige ist seit neun Jahren bei Mars, er hat in der Pharma- und der Automotiv-Industrie gearbeitet. Deutschland hat er im Tierfutterzweig von Mars in Verden bei Bremen kennengelernt, Le Roy spricht nahezu problemlos Deutsch.

Seine Aufgabe war klar, als er nach Dülken kam. Das Werk produziert Twix, Balisto und die "Mars-Pralinen" Celebrations, eine vierte Produktionslinie ist aufgegeben worden. In Europa gibt es sechs Fabriken von Mars, in Dreien wird Twix produziert. Balisto ist ein Alleinstellungsmerkmal von Mars Viersen, wo jährlich rund 52 000 Tonnen Süßwaren hergestellt werden.

Le Roy, der nach eigenen Angaben große Erfahrung in Projektarbeiten hat, muss das Viersener Werk wettbewerbsfähiger machen. Die größte Produktionsstätte von Mars in den Niederlanden ist allein wegen ihrer Größe schon sehr effizient und produktiv. In Polen sind die Lohnstückkosten wegen der niedrigeren Gehaltsniveaus ebenfalls deutlich geringer. "Solches Niveau werden wir hier nie erreichen können. Wir müssen daher auf Qualität, Nachhaltigkeit und Flexibilität setzen", erklärt Le Roy. In Dülken wird inzwischen an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr produziert. Bis dahin war sonntags nicht gearbeitet worden. Eine spürbare Qualitätssteigerung und mehr Effizienz will der Franzose mit einer besseren Biskuit-Grundlage für die in Viersen produzierten Riegel erzielen. "Wir haben eine Vision", sagt er und weist auf die "Smiles made in Viersen" hin. Es sind Leitbegriffe, die die "Marsianer" bei jeder Entscheidung und bei jedem Arbeitsschritt vor Augen stehen. Jeder soll das Beste geben, um das beste Produkt zu erzeugen. Mars hat in den vergangenen Monaten 30 Mitarbeiter neu eingestellt und das Team so deutlich verjüngt. Nein, an eine Schließung sei nicht gedacht worden. Das sei nicht die Philosophie von Mars, unterstreicht Le Roy. Es gehe um das Bewusstsein eines jeden einzelnen Kollegen, eben noch konzentrierter und verantwortungsvoller an seinem Arbeitsplatz zu wirken.

Nachwuchssorgen hat Mars in Viersen nicht. Junge Menschen, die hier lernen wollen, gibt es weiterhin. Probleme hat Le Roy vielmehr im Ingenieursnachwuchs. "In Deutschland gehen Ingenieure in die Auto- und Maschinenindustrie. Bei uns brauchen wir Projekt-Manager, die beispielsweise mit einem Auftragnehmer eine neue Maschine für uns entwickeln. Solche Ingenieure finden wir so schnell nicht", räumt er ein.

Mars investiert in jedem Jahr hohe Millionenbeträge in den Standort Viersen. Maschinen werden verbessert oder ausgetauscht, Umweltstandards werden ständig verbessert. Und natürlich beschäftigt sich Mars auch mit den Möglichkeiten, erneuerbare Energien einzusetzen. Da sei nichts spruchreif, lächelt Le Roy. Aber auch auf diesem Gebiet wird sich bald etwas tun.

(RP)