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Nettetal: Luftkämpfe kosteten auch häufig zivile Opfer am Boden

Nettetal : Luftkämpfe kosteten auch häufig zivile Opfer am Boden

Von Anfang an drohte den Bewohnern in der Umgebung des Fliegerhorstes Venlo große Gefahr durch die Luftkämpfe. Die Nachtjäger griffen alliierte Flugzeuge sowohl auf ihrem Weg ins Ruhrgebiet und darüber hinaus als auch bei der Rückkehr an. Besonders gefährlich war es, wenn Bomber auf dem Weg zu ihren Zielen erfolgreich angegriffen wurde. Bei Abstürzen kamen häufig nicht nur die Besatzungen ums Leben, sofern sie sich nicht mit Fallschirmen retten konnten. Immer wieder traf es auch ganze Familien.

Der niederländische Autor Jan Derix schildert anhand der umfangreichen Sammlung von Harry Keulards, die er zu zwei Büchern verarbeitete, beispielsweise ein Drama, das sich in der Nacht vom 7. auf den 8. August 1941, einem Freitag, in Overasselt bei Nijmegen abspielte. Leutnant Loos hatte mit seiner Me 110 einen britischen Sterling-Bomber auf dem Rückweg von einem Angriff auf die Krupp-Werke in Essen in Brand geschossen. Die Maschine stürzte auf einen Bauernhof. Dabei kam nicht nur die siebenköpfige Besatzung ums Leben. Auch der 34-jährige Bauer Johannes Welles, seine 32 Jahre alte Frau Maria Welles-Broekman und ihr sechs Monate alter Sohn starben in dem Inferno. Der Bomber war gegen 2.45 Uhr direkt in den Bauernhof gestürzt, der sofort in hellen Flammen stand. Marechaussee-Wachtmeister Willem de Joode berichtete später, die Hitze sei so enorm gewesen, dass an eine Rettung der im Schlaf überraschten Familie nicht zu denken gewesen sei. Trümmer des Flugzeugs und Leichenteile waren über dem gesamten Gelände verstreut. Gegen 6 Uhr am Morgen kam deutsche Polizei, die den Absturzort vollkommen abriegelte. Erst sonntags, am 10. August, ließen deutsche Stellen zu, dass Niederländer sich nähern und die tote Familie bergen durften.

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Dramatisch war auch der Tod des 21-jährigen Peter Geurts am 26. Juni 1942 in Venlo. Der junge Mann war mit seinem Bruder Jacques und ihrem Freund Hay Keltjens gegen 1.15 Uhr noch am Ortsrand zwischen Bauernhöfen unterwegs. Sie hörten, dass sich ganz offensichtliche britische Bomber am Himmel näherten. Jacques Geurts brachte sich, als die Flugzeuge immer näher kamen, in Sicherheit, während Hay Keltjens und Peter Geurts noch ein Stück weiterliefen. Sie ahnten nicht, dass Oberleutnant Knacke, einer der erfolgreichsten Nachtjäger, in diesem Augenblick aus seinem "Warteraum" über Schandelo einen Bomber angriff und im Luftraum über Arcen abschoss. Die beiden Jugendlichen hatten, wie andere Anwohner auch, vom Boden aus den Luftkampf verfolgt. Als der Bomber zur Erde stürzte, brachten sich alle in Sicherheit. "Ist es tatsächlich ein Flugzeug", fragte Hay Keltjens, der hinter dem Steintrog, aus dem Vieh getränkt wurde, Schutz gesucht hatte. Peter Geurts hatte sich hinter einem großen Baum vermeintlich in Sicherheit gebracht. "Ganz sicher. Ich hoffe, dass er nicht bei uns aufschlägt", sagte er. Es waren seine letzten Worte. Später wurde rekonstruiert, dass der Bomber gegen den Baum geprallt war. Kerosin entzündete sich. Bis auf Fetzen von Kleidung wurde nichts mehr gefunden. "Wer würde nicht weinen?" stand auf dem Totenzettel, als er am 29. Juli beigesetzt wurde.

In Horst, nördlich von Venlo, wurde ein Luftkampf am 12. März einer Familie zum Verhängnis. Ein Nachtjäger schoss nach 21 Uhr einen Halifax-Bomber, der Essen angreifen sollte, in Brand. Die Maschine verlor einige Bomben, eine fiel auf das Gehöft von Pieter Jan Weys. Zwei Kinder aus der Familie wurden getötet, ihre Mutter erlitt schwere Verletzungen.

(RP)