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Lobberich: Was Botschafter Georg Birgelen alles erlebt.

Erlebnisse eines Botschafters : Kurz vor Explosion Beirut verlassen

Der Diplomat Georg Birgelen ist in der Welt zu Hause, zuletzt etwa in Beirut. Er stammt aus Lobberich. Dorthin kehrt er auch immer wieder gern zurück, etwa zu Familientreffen.

Der  lange in der Türkei inhaftierte Journalisten Deniz Yücel lobt den Diplomaten Georg Birgelen:  „Ein wahrer Diplomat und ein Mensch, den man in einer Notlage gern an seiner Seite weiß,“  Birgelen kümmerte sich als deutscher Generalkonsul in Istanbul um den verfolgten und dann inhaftierten Yücel, besuchte ihn mehrmals im Knast. Obwohl Birgelen beruflich ein Kosmopolit ist, fühlt er sich privat „in der Heimat verwurzelt“ – in Lobberich.

Die Liste seiner Stationen im Diplomatischen Dienst ist lang: Indonesien und Panama, Brüssel/Europäische Union und Kanada, Russland, Türkei und Istanbul, dazwischen mehrmals Bonn und Berlin. Schon als Schüler am Werner-Jaeger-Gymnasium und während des Studiums – Birgelen ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler – nutzte er jede Gelegenheit zu Auslandsreisen, bewarb sich dann für den Auswärtigen Dienst. Längst gilt Birgelen als einer der erfahrensten und angesehensten Diplomaten.

„Schöne, relativ ruhige Zeiten“ habe er erlebt, in Kanada etwa, aber auch heikle und aufregende Missionen, erzählt Birgelen: „Zuletzt war ich etwa Botschafter in Beirut, wechselte kurz vor der fürchterlichen Explosion mit vielen Toten nach Berlin ins Auswärtige Amt. Da haben wir einen Schutzengel gehabt. Trotzdem wirkt das nach, wir haben ja so manche Menschen dort gekannt.“ Unter den „vielen turnusmäßigen Wechseln nach dem Rotationsprinzip“ haben Familienleben und Schulbesuch – der 64-Jährige ist verheiratet, hat vier Kinder und ein Enkelkind – nicht leiden müssen: „Das haben wir meist gut hingekriegt.“

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Fast im Rentenalter bereitet sich Birgelen dennoch zurzeit im Auswärtigen Amt in Berlin auf eine neue Aufgabe vor: Er übernimmt ab 2021 die Leitung des neuen Bundesamtes für Auswärtige Angelegenheiten in Brandenburg. „Das ist mit meinen Erfahrungen und Verbindungen genau mein Ding“, sagt er voller Freude. In Brandenburg mit den vielen Seen übrigens, fügt er hinzu, lasse es sich „mindestens so gut Rad fahren wie am Niederrhein“.

Neben dem Radeln ist Musik sein Hobby: „Ich war Chorknabe in St. Sebastian in Lobberich. Seitdem haben mich Gesang und Musik nicht losgelassen.“ In Moskau gründete Birgelen eine Botschafts-Rockband, in Beirut jazzte er mit seiner Gitarre mit Musikern der lokalen Szene. Immer wieder kommt Birgelen nach Lobberich, um seinee Familie zu treffen.

Und wer den Diplomaten fragt, wie man nach seiner langjährigen Auslands-Erfahrung zurechtkommt mit Menschen verschiedener Herkunft und Kulturen, dem sagt er: „Reden Sie miteinander, nicht übereinander.“